Obama fürchtet Norwegen-Szenario mehr als zweites 9/11

Zum zehnten Jahrestag des 11. September 2011 kündigt der US-Präsident erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an. Wahrscheinlicher als ein koordinierter Angriff sei jedoch die Tat eines «einsamen Wolfes».

Warnt vor einem radikalen Einzelgänger: US-Präsident Barack Obama.

Warnt vor einem radikalen Einzelgänger: US-Präsident Barack Obama. Bild: Reuters

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US-Präsident Barack Obama hat Befürchtungen einer spektakulären Al-Qaida-Attacke zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 heruntergespielt. Stattdessen warnte er gestern vor möglichen Taten von radikalen Einzeltätern.

«Das wahrscheinlichste Szenario, vor dem wir derzeit aufpassen müssen, ist mehr die Aktion eines einsamen Wolfes als das eines massiven, gut koordinierten Terrorangriffs», sagte er dem Fernsehsender CNN. Zugleich kündigte der Präsident im Vorfeld des zehnten Jahrestages der Al-Qaida-Anschläge erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an.

«Das Risiko besteht immer»

Zwar sei die Gefahr eines grossangelegten Angriffs von Terroristen nie ganz auszuschliessen, sagte Obama. «Das Risiko besteht immer.» Die grösste Sorge bereite den Sicherheitskräften derzeit aber ein möglicher «Einsamer-Wolf-Terrorist, irgendjemand mit einer einzigen Waffe, der ein so grosses Massaker anrichten kann, wie es unlängst in Norwegen geschehen ist.» In Norwegen hatte ein rechtsextremer Einzeltäter vor knapp vier Wochen einen Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo verübt und anschliessend auf der Insel Utöya das Feuer auf Teilnehmer eines Jugendlagers der regierenden Arbeiterpartei eröffnet. Dabei kamen insgesamt 77 Menschen ums Leben.

Bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 starben in den USA fast 3000 Menschen, die allermeisten von ihnen in New York. Damals entführten 19 Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida vier Verkehrsflugzeuge an der US-Ostküste, um das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington zu treffen.

Kritik an «ideologischer Starrheit»

Mit Blick auf die Schuldenkrise sprach sich Obama gegen eine Verfassungsänderung zum Erreichen eines ausgeglichenen Staatshaushalts aus. Dies halte er nur in absoluten Ausnahmesituationen wie etwa einem Krieg für denkbar, sagte Obama. Einnahmen und Ausgaben müssten in Einklang gebracht werden, das sei, was die Bürger wollten. Bereits moderate Änderungen am gegenwärtigen Zustand brächten Fortschritte. «Ideologische Starrheit verhindert, dass wir Fortschritte machen.»

Auf die Frage von Moderator Blitzer, wie es sein könne, dass in einem reichen Land wie den USA 46 Millionen Bürger auf Lebensmittelmarken angewiesen seien, erklärte der Präsident, dies sei nicht zuletzt der Rezession geschuldet. Gerade deshalb sei es wichtig, dass das Haushaltsdefizit nicht zulasten bedürftiger Menschen zurückgefahren werde. Die USA seien der Brotkorb der Welt, doch seien die Einkommen ungleich verteilt, und die Löhne und Gehälter seien zuletzt nicht mehr gestiegen. Deshalb müsse das Land in seine Menschen, in Innovation und in Infrastruktur investieren.

Obama äusserte sich während einer dreitägigen Bustour durch den Mittleren Westen der USA. (ami/AFP)

Erstellt: 17.08.2011, 08:49 Uhr

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