Obama greift mit Tabu-Wort «Nigger» in Rassismusdebatte ein

Nur weil viele Leute das «N-Wort» nicht mehr verwendeten, sei Rassismus noch nicht überwunden, sagte der US-Präsident – und löste damit eine Kontroverse aus.

Sein «N-Wort» wurde im TV mit einem Piepen übertönt: US-Präsident Barack Obama äussert sich zu Rassismus.

Sein «N-Wort» wurde im TV mit einem Piepen übertönt: US-Präsident Barack Obama äussert sich zu Rassismus. Bild: Carolyn Kaster/Keystone

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Nach der Attacke mit neun Toten auf eine von Afroamerikanern besuchte Kirche hat US-Präsident Barack Obama mit dem Tabu-Wort «Nigger» in die Rassismusdebatte eingegriffen. «Wir sind vom Rassismus nicht geheilt», sagte Obama in einem Interview mit dem Internetradio WTF.

«Und es geht nicht nur darum, dass es unhöflich ist, in der Öffentlichkeit ‹Nigger› zu sagen.» Das Erbe von Sklaverei und Diskriminierung werfe einen «langen Schatten» und sei «noch immer Teil unserer DNA», sagte Obama in dem am Montag ausgestrahlten Interview.

Das englische Wort «Nigger» ist eine abwertende Bezeichnung für Schwarze. US-Medien vermeiden den Ausdruck und sprechen nur vom «N-Wort» - selbst Obamas Äusserung wurde im Fernsehen mit einem Piepen übertönt. In der afroamerikanischen Hip-Hop- und Jugendkultur ist der Begriff dagegen als ironische Selbstbeschreibung geläufig.

Obama steht zu seiner «N-Wort»-Äusserung

Der US-Präsident steht zu seiner Verwendung des «N-Worts» in dem Interview. Sein Sprecher Josh Earnest sagte, das Weisse Haus sei nicht davon überrascht, dass das in den USA tabuisierte Schimpfwort für Schwarze aus dem Mund des Präsidenten eine Kontroverse ausgelöst habe.

Als Provokation geplant habe Obama das nicht, er habe frei in einem sachlichen Podcast-Interview gesprochen. Ihm sei es darum gegangen zu verdeutlichen, dass es im Kampf gegen Rassismus nicht nur um das Ändern von Benehmen gehe.

Situation hat sich «in meiner Lebenszeit» verbessert

Obama wurde 2008 als erster Schwarzer zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Der Sohn einer weissen US-Bürgerin und eines Kenianers sagte in dem Interview mit WTF, dass sich die Situation der Afroamerikaner «in meiner Lebenszeit» spürbar verbessert habe.

«Neue Möglichkeiten haben sich ergeben, und Einstellungen haben sich verändert», sagte er. Dennoch müsse das Land noch einen weiten Weg zurücklegen, ehe die Hautfarbe keine Rolle mehr spiele.

Zahlreiche Gewalttaten gegen Schwarze

Der 21-jährige Weisse Dylann Roof soll vergangenen Mittwoch in der Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston aus rassistischen Motiven neun Schwarze erschossen haben. Medienberichten zufolge gestand er nach seiner Festnahme die Tat, bei einer ersten Anhörung am Freitag wurde ihm neunfacher Mord vorgeworfen.

Seit dem Sommer vergangenen Jahres hatten ausserdem mehrere Fälle tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze für Empörung gesorgt. Ende April wurde die Ostküstenstadt Baltimore von schweren Ausschreitungen erschüttert, nachdem ein junger Afroamerikaner im Polizeigewahrsam ums Leben gekommen war. (kko/sda)

Erstellt: 22.06.2015, 21:29 Uhr

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