Obama schaltet sich in Streit um Ebola-Zwangsquarantäne ein

US-Präsident Barack Obama befürchtet einen Rückgang der freiwilligen Ebola-Helfer, sollten diese bei ihrer Rückkehr für drei Wochen in Quarantäne kommen. Ein Gouverneur lenkte bereits ein.

Sollen heimkehrende Helfer hier drei Wochen verbringen? Isolationszimmer in einem New Yorker Spital. (Archivbild)

Sollen heimkehrende Helfer hier drei Wochen verbringen? Isolationszimmer in einem New Yorker Spital. (Archivbild) Bild: Keystone

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Nach heftiger Kritik an ihrer Zwangsquarantäne hat eine aus Westafrika zurückgekehrte US-Krankschwester die Klinik in New Jersey verlassen können. Zuvor habe Kaci Hickox 24 Stunden lang keine Symptome einer Ebola-Infektion gezeigt, teilte die Regierung des US-Staates mit. Hickox selbst sowie Hilfsorganisationen, Bürgerrechtler und Gesundheitsexperten hatten ihre Isolierung verurteilt.

Zuvor hatte die US-Regierung Bedenken gegen die Zwangsquarantäne für Ebola-Ärzte und andere Helfer geäussert, die aus Westafrika nach New York und New Jersey zurückkehren. Sie befürchtete, dass sich deshalb weniger Helfer zur Verfügung stellen könnten.

Die Regierung von Präsident Barack Obama habe ihre Befürchtungen den Gouverneuren beider Bundesstaaten, Andrew Cuomo und Chris Christie, mitgeteilt, berichtete die «New York Times» am Sonntag. Sie möchte eine Modifikation der Vorschriften erreichen.

Die beiden Gouverneure hatten eine dreiwöchige Isolation für Helfer von Ebola-Kranken verfügt. Die neue Vorschrift gilt für Personen, die auf dem Flughafen JFK in New York oder dem Newark Liberty International Airport im benachbarten New Jersey landen.

Vom Helfen abhalten

Es waren aber Besorgnisse laut geworden, dass eine Zwangsquarantäne bei der Rückkehr Ärzte und Pfleger aus den USA davon abhalten könnte, Ebola-Kranken in Westafrika dringend nötige Hilfe zu leisten.

Die Bedenken spiegelten sich auch in einer Mitteilung des Weissen Hauses nach einem Treffen Obamas mit seinen Beratern in der Ebola-Krise am Sonntag wider. Demnach betonte der Präsident, dass die zu treffenden Massnahmen für rückkehrende Helfer auf der Basis bester medizinischer Erkenntnisse erfolgen müssten.

Er habe aber auch unterstrichen, dass diese Massnahmen in Betracht ziehen müssten, dass die Helfer ein «unerlässliches Element» bei der Bekämpfung der Krankheit an deren Wurzel seien und daher so getroffen werden sollten, «dass sie diese Helfer nicht unnötig von ihrem Dienst abschrecken».

Der New Yorker Gouverneur Cuomo lockerte nach Angaben der Zeitung am späten Sonntagabend die Regeln leicht. Nunmehr können Menschen, die keine Symptome zeigten, zu Hause in Quarantäne bleiben und sie erhielten eine Entschädigung für entgangenes Einkommen.

Über 10'000 Ebola-Kranke

Derweil ist die Zahl der Infizierten laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Wochenende auf 10'141 in acht Ländern gestiegen. 4922 Menschen starben bis zum 23. Oktober an Ebola.

Mehr als jeder zweite Todesfall wird gemäss WHO in Liberia verzeichnet, dort starben 2705 Patienten. Die anderen beiden Seuchenschwerpunkte sind die Nachbarländer Sierra Leone und Guinea. (chk/sda)

Erstellt: 27.10.2014, 05:01 Uhr

Australien verweigert Einreise

Australien stellt vorübergehend keine Einreisevisa für Menschen aus westafrikanischen Ländern aus, in denen die Ebola-Epidemie ausgebrochen ist. Betroffen seien Sierra Leone, Liberia und Guinea, sagte Einwanderungsminister Scott Morrison nach Angaben des TV-Senders «ABC News».

Ziel sei es, einer Ausbreitung der Seuche in Australien vorzubeugen. «Das bedeutet, dass wir keinen Antrag aus diesen betroffenen Ländern bearbeiten», sagte Morrison.

Zudem würden Visa, die Menschen aus den drei Ländern bereits bewilligt, aber noch nicht zugestellt worden seien, gestrichen. Menschen mit einem Dauervisum müssten 21 Tage in Quarantäne verbringen, bevor sie in Australien einreisen dürften.(sda)

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