Obama so konservativ wie ein SVP-Politiker

Zumindest was gesellschaftspolitische Fragen anbelangt, kann der designierte US-Präsident mit den Konservativen dieser Erde mithalten. Das zeigt der Internetdienst Political Compass.

SoZ Binde: Quelle: www.politicalcompass.org

SoZ Binde: Quelle: www.politicalcompass.org

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Die Betreiber der Internetsite www.politicalcompass.org haben mithilfe einer detaillierten Analyse von Obamas Aussagen im Wahlkampf und seinem Abstimmungsverhalten im Senat die Position des neuen US-Präsidenten auf einer politischen Landkarte ermittelt. Mittels eines Onlinefragebogens mit 62 Fragen kann jeder im Internet seine Position auf der Landkarte bestimmen.

Mit Girod und Miesch verglichen

Die «SonntagsZeitung» hat nun verschiedene Schweizer Politiker gebeten, diesen Fragebogen auszufüllen. Die Auswertung hat ergeben, dass SVP-Nationalrat Christian Miesch (BL) Obamas Position am nächsten kommt. Der grüne Zürcher Nationalrat Bastien Girod liegt am weitesten entfernt. «Ich bin trotzdem ein grosser Sympathisant von Obama», sagte Girod dem Blatt. «Relativ zur US-Gesellschaft steht er wie ich in der gesellschaftlich liberalen linken Ecke.»

Der Schweizer Politgeograf Michael Hermann sieht in dem Internetdienst Political Compass ein nützliches Instrument: «Der Political Compass taugt durchaus für eine ungefähre Einschätzung der politischen Positionen auch über Ländergrenzen hinweg», so Hermann zur «SonntagsZeitung».

Obama seit 2007 nach rechts gerückt

Der Test besteht vorwiegend aus generellen Haltungsfragen zu grossen Themen wie Globalisierung oder sozialer Gerechtigkeit und Prinzipfragen wie: Unterstützt man sein Land, auch wenn es nicht im Recht ist? Gehört Religion in die Schule?

In wirtschaftspolitischen Fragen zeigt sich Obama auf einer Achse zwischen extremer Staatskontrolle wie im Sozialismus und vollständigem Liberalismus als gemässigt liberal. In gesellschaftspolitischen Fragen steht er etwa gleichauf mit Papst Benedikt XVI, wie ein Vergleich, den die «SonntagsZeitung» vorgenommen hat, darstellt. Dabei zeigt sich das generell restriktive Klima in den USA bei Themen wie Homo-Ehe, Abtreibung, Todesstrafe oder der Einschränkung ziviler Freiheiten zur Terrorbekämpfung. Ein Vergleich seiner Positionen im Jahr 2007 mit heute zeigt ausserdem, dass Obama sich im Wahlkampf konservativer gab als zuvor.

Wer Obama als Hoffnungsträger für ein sozialeres und weltoffeneres Amerika, ja für eine gerechtere Welt sieht, soll den Mann also genau beobachten. (bru/cpm)

Erstellt: 09.11.2008, 18:20 Uhr

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