Obama weist Trumps Abhör-Vorwürfe zurück

«Einfach falsch» nennt Obamas Sprecher die Twitter-Tirade des US-Präsidenten. Auch der ehemalige Geheimdienstchef James Clapper weist Trumps Anschuldigungen zurück.

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Der frühere US-Präsident Barack Obama hat die Vorwürfe seines Nachfolgers Donald Trump, er habe dessen Telefonate abhören lassen, zurückgewiesen. Obama habe niemals das Abhören irgendeines US-Bürgers angeordnet, teilte Obamas Sprecher Kevin Lewis am Samstag mit. Trump hatte zuvor im Kurzbotschaftendienst Twitter ohne Nennung von Belegen geschrieben: «Habe gerade erfahren, dass Obama meine Leitung im Trump Tower kurz vor dem Sieg anzapfen liess.»

Auch der ehemalige Geheimdienstdirektor James Clapper wies die Anschuldigungen zurück. In seiner Funktion hätte er davon gewusst, wenn etwa ein Geheimgericht eine Überwachung Trumps angeordnet hätte, sagte Clapper in der Sendung «Meet the Press» auf NBC. Doch das sei niemals passiert. «Eindeutig, ich kann das abstreiten.»

US-Präsident Donald Trump hat am Samstag in rüdem Ton schwere Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Barack Obama erhoben. Trump schrieb in einer Serie von Tweets, Obama habe ihn vor der Präsidentschaftswahl im Trump-Tower abhören lassen

«Wie tief ist Präsident Obama gesunken, meine Telefone während des heiligen Wahlprozesses anzuzapfen. Böser (oder kranker) Typ!», wetterte Trump. Er zog auch einen Vergleich zur Watergate-Affäre, als US-Präsident Richard Nixon infolge einer Affäre zurücktreten musste, in der es um angezapfte Telefone ging.

Trump nannte keine Belege. Er muss sich mit seinen Anschuldigungen aber wohl auf Untersuchungen bezogen haben, die FBI und Geheimdienste 2016 in seinem Umfeld vorgenommen haben sollen. Angeblich sollte untersucht werden, ob es finanzielle Verbindungen aus Trumps Umfeld nach Russland gab.

Keine neuen Erkenntnisse

Die Berichte bezogen sich auf polizeiliche und geheimdienstliche Untersuchungen. Nach allem, was bekannt ist, hatte Obama damit nichts zu tun. Abhöraktionen wie die unterstellte müssten von James Comey angeordnet werden, dem Chef des FBI, nicht vom Weissen Haus.

Am Donnerstag hatte eines der vielen rechtsgerichteten Talk Radios in den USA (Mark Levin) berichtet, Obama stecke hinter solchen Untersuchungen. Am Freitag griff Breitbart News das auf. Am Samstag twitterte der Präsident.

Berichte über Untersuchungen in Trumps Umfeld sind bekannt. Zuletzt hatte am 19. Januar, dem Vorabend seiner Amtseinführung, die «New York Times» ausführlich darüber berichtet. Es wurde damals nicht klar gesagt, ob es etwa neben Untersuchungen von Bankkonten auch Abhöraktionen gab und wen sie betrafen.

Ablenkmanöver?

Erste Reaktionen schlossen am Samstag nicht aus, dass Trump mit seiner Aufsehen erregenden Aktion von grösseren Schwierigkeiten ablenken will, die sich aus nicht geklärten, möglichen Beziehungen seines Wahlkampfteams und nun seiner Regierung zu Russland ergeben.

Grosse US-Medien wie «Washington Post» und «New York Times» erschienen am Samstag mit Titelgeschichten zu Russland und Trump. Trump versucht immer wieder, Themen selber zu setzen und so Berichterstattung zu lenken.

Nach seiner Rede an den Kongress am Dienstag hatten viele Medien berichtet, Trump habe sich mit diesem Auftritt als präsidentiell" gewandelt präsentiert. Am Samstag hiess es in vielen Kommentaren zu Trumps zorniger Twitter-Serie, sie beweise einmal mehr, dass es nur einen Donald Trump gebe.

In den vergangenen Tagen war Trump auf Twitter eher still gewesen, das endete am Samstag. Der Präsident ist über das Wochenende in Mar-a-Lago in Florida. Es ist das vierte Wochenende, das er dort verbringt, seit er Präsident wurde. (sep/AFP)

Erstellt: 05.03.2017, 22:25 Uhr

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