Obamas erstes Interview nach Bin Ladens Tötung

Der US-Präsident äusserte sich erstmals beim Sender CBS über die Tötung des Al-Qaida-Chefs. Im Exklusiv-Interview beschrieb er den schwierigsten Teil der Kommandoaktion.

Das erste Exklusiv-Interview: US-Präsident Barack Obama im Gespräch mit Steve Kroft.

Das erste Exklusiv-Interview: US-Präsident Barack Obama im Gespräch mit Steve Kroft. Bild: Keystone

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Sein Wahlkampfmanager Jim Messina erinnerte die Fan-Gemeinde per E-Mail schon am Morgen an den wichtigen Termin am gestrigen Sonntagabend: Er wolle, «dass Sie wissen, dass die TV-Sendung «60 Minutes» ein Interview mit Barack Obama ausstrahlt», schrieb Messina.

Und so flimmerte der amerikanische Präsident also am Abend des Muttertags durch die Wohnzimmer der Nation, ein gleichermassen gelassener wie Selbstvertrauen ausstrahlender Mensch. Eine Woche nach dem bislang grössten Coup seiner Präsidentschaft, der Tötung Osama Bin Ladens, äusserte er sich erstmals und exklusiv beim Sender CBS über die Aktion.

Das Gespräch war bereits am Mittwoch aufgezeichnet worden, weshalb CBS zwei Juwelen vorab freigegeben hatte. Dass Obama etwa die Veröffentlichung von Fotos des toten Bin Laden abgelehnt hatte. Und dass der Präsident überzeugt ist, es habe in Pakistan ein «Netz von Helfern» gegeben, das Bin Laden unterstützt habe – eine brisante Aussage angesichts des kriselnden Verhältnisses mit dem schwierigen Verbündeten in Islamabad.

«Eine sehr schwierige Entscheidung gewesen»

Diesen und anderen Fragen stellte sich der Präsident, wich bisweilen aus und offenbarte dennoch, wie nervenaufreibend die Monate vor der Aktion für die amerikanischen Sonderkräfte in Abbottabad waren. Der riskante Einsatz habe ihn «nervös» gemacht, nicht aber die Möglichkeit, dass Bin Laden dabei getötet würde, so Obama. Denn wer glaube, dass «dieser Massenmörder» sein Schicksal nicht verdient habe, müsse «sich den Kopf untersuchen lassen».

Der Befehl zum Einsatz sei eine «sehr schwierige Entscheidung gewesen», da niemand «mit absoluter Sicherheit» habe garantieren können, dass es sich bei der von CIA-Agenten observierten Person in Abbottabad tatsächlich um Bin Laden handelte. Falls der Bewohner des Anwesens statt des gesuchten Terroristen «ein Prinz aus Dubai gewesen wäre, hätten wir Probleme gehabt», sagte der Präsident. Gleichzeitig bestätigte er, was sein Sicherheitsberater Tom Donilon schon zuvor bei diversen TV-Interviews verraten hatte: Dass es nämlich unter Obamas Beratern keine Einstimmigkeit hinsichtlich der Operation gegeben habe. In einer Atmosphäre der Kollegialität habe er auch ablehnende Argumente angehört, sich zuletzt aber für den Einsatz entschieden, sagte der Präsident.

Nervenaufreibende vierzig Minuten

Und wie ein Pokerspieler hatte Barack Obama den Befehl an die Sonderkräfte vom vorletzten Freitag bis zum darauf folgenden Sonntag selbst vor seiner Familie verborgen. Wenn er seine Familie und viele seiner engsten Berater im Dunkeln gelassen habe, sei doch verständlich, dass man die Pakistanis erst recht nicht über die bevorstehende Operation unterrichtet habe, begründete Obama den amerikanischen Alleingang.

Die nervenaufreibenden vierzig Minuten der Aktion verglich er mit jenen Minuten, als er auf eine ärztliche Diagnose für seine an Gehirnhautentzündung erkrankte Tochter Sasha gewartet habe. Und immer wieder betonte der demokratische Präsident, ihm sei es vor allem um die Sicherheit der Spezialkräfte gegangen, die Osama Bin Ladens Anwesen stürmten. «Die Männer in die Gefahr zu schicken» sei der schwierigste Teil seiner Entscheidung gewesen.

Der Präsidentschaft neues Leben eingehaucht

Sichtlich zufrieden mit sich und dem Gang der Dinge, doch keinesfalls überheblich, sass Obama seinem Interviewer Steve Kroft gegenüber. Er weiss, dass der Einsatz in Abbottabad auch anders hätte ausgehen und seiner angeschlagenen Präsidentschaft womöglich einen politischen Todesstoss hätte versetzen können.

Selbstverständlich sei er aufgeregt gewesen, konzidierte Barack Obama gestern. «Über den Tod Bin Ladens aber habe ich keinen Schlaf verloren», sagte der Präsident, dem von seinen politischen Widersachern mehr als einmal vorgeworfen worden war, er gleiche, weil entscheidungsschwach, seinem glücklosen Vorgänger Jimmy Carter. Gestern Abend machte Obama deutlich, dass er sich keineswegs vor riskanten Entscheidungen fürchtet. Seiner Präsidentschaft mag er damit neues Leben eingehaucht haben, seine Wiederwahl 2012 aber hat Barack Obama noch längst nicht gesichert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.05.2011, 06:25 Uhr

USA: Bin Laden hatte Helfer in Pakistan. (Video: Reuters )

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