Obamas neuste High-Tech-Drohne

Der Drohnenkrieg der USA wird immer intensiver geführt. In Pakistan wurde die Nummer zwei der al-Qaida getötet. Am Freitag absolvierte eine neue Drohne ihren Erstflug. Ihr Name ist Programm: Phantom-Auge.

Angetrieben mit flüssigem Wasserstoff: Erstflug der Drohne Phantom Eye in der Luftwaffenbasis Lake Edwards in Kalifornien. (Video: Boeing)


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Die USA läuten mit der Drohne Phantom Eye (Phantom-Auge) eine «neue Ära der Aufklärung und Überwachung» ein. So schwärmte der Chef des Boeing-Entwicklungsprogramms, Darryl Davis, gestern nach dem ersten Flug der Drohne, obwohl er mit einer Bruchlandung endete. Das Fahrgestell wurde beim Aufsetzen auf die staubige Piste bei der kalifornischen Tüftlerschmiede in Lake Edwards beschädigt.

Der erste Flug, der bereits am letzten Freitag stattgefunden hat, dauerte nur 28 Minuten und führte bei Geschwindigkeiten von bis zu 115 km/h bis auf eine Höhe von gut 1200 Metern. Dabei habe man die Steuereigenschaften des unbemannten Flugobjekts getestet. Die Daten, die die Ingenieure sammelten, werden nun ausgewertet. Schon der nächste Flug soll anspruchsvoller sein und in grössere Höhen führen.

Die Drohne mit einer Spannweite von 45,7 Metern ist laut der US-amerikanischen Militärpublikation «Stars and Stripes» für eine Flughöhe von knapp 20'000 Metern ausgelegt. Die Maschine soll eine Nutzlast von knapp über 200 Kilogramm tragen können. Den grossen technischen Durchbruch sieht Boeing aber in der Flugdauer. Ganze vier Tage am Stück werde das Phantom Eye zur Erde blicken können, ohne nachzutanken. Angetrieben wird das Flugzeug durch «effizienten und ökologischen» flüssigen Wasserstoff. Auch das ist laut Boeing eine Premiere.

Drohnenkrieg: Nummer zwei von al-Qaida getötet

Der Drohnenkrieg der USA wird immer intensiver geführt. In den letzten zwei Wochen schlugen die Amerikaner in Pakistan sechsmal zu. Der US-Drohnenangriff auf Aufständische in Pakistan von gestern galt offenbar der momentanen Nummer zwei von al-Qaida, Abu Jahja al-Libi. Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen hiess es heute, es werde angenommen, dass Libi unter den sieben ausländischen Extremisten sei, die am Vortag bei dem Angriff im Nordwesten des Landes umgekommen seien. Die USA bestätigten am Abend den Tod von Libi. Die Zahl der Toten der Attacke in Nord-Waziristan wird mit insgesamt 15 angegeben.

Ob Libi beim Angriff tatsächlich starb, war zunächst noch unklar gewesen. Die «New York Times» hatte bereits am Nachmittag unter Berufung auf Regierungsbeamte in den USA und Pakistan von seinem Tod berichtet. Ein US-Regierungsbeamter sagte der Nachrichtenagentur AFP, sollte er tot sein, wäre das ein «schwerer Schlag» für al-Qaida. Die USA haben ein Kopfgeld in Höhe von einer Million Dollar auf den Mann ausgesetzt.

Der libysche Terrorist, der unter seinem Kampfnamen bekannt ist («Al-Libi» bedeutet «Der Libyer»), war al-Qaida-Anhängern sowohl als Kommandant als auch als Prediger ein Vorbild. Der Geistliche verfügte über ein abgeschlossenes Chemie-Studium und gilt als einer der Hauptstrategen von al-Qaida, die nach dem Tod von Osama bin Laden vom Ägypter Ayman al-Zawahri angeführt wird.

Der Libyer war in der Vergangenheit schon mehrfach fälschlicherweise totgesagt worden. Anfang 2008 hatten Medien berichtet, er sei bei einem US-Drohnenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan gestorben. Ende 2009 hatte es erneut Berichte über seinen Tod bei einem solchen Angriff gegeben.

USA intensivieren Drohnenkrieg in Pakistan

Die USA verstärkten seit dem Nato-Gipfel zu Afghanistan im vergangenen Monat in Chicago ihre Angriffe mit unbemannten Drohnen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Der jüngste Angriff war bereits der sechste innerhalb von zwei Wochen.

Am Sonntag wurden bei Luftangriffen in Süd-Waziristan mindestens fünf mutmassliche Aufständische getötet, darunter ein Kommandant. Vier Raketen sind demnach auf die Ortschaft Mana Raghsai abgefeuert worden. Dort hatten sich zu dem Zeitpunkt gerade mutmassliche Aufständische versammelt, um den Angehörigen eines Extremisten zu kondolieren, der bei einem US-Drohnenangriff am Samstag getötet worden war. Eine Drohne hatte zwei Raketen auf ein Motorrad abgefeuert. Zwei Aufständische seien ums Leben gekommen.

Am selben Tag sind bei einer weiteren Tötungsaktion im Dorf Khawashi Khel drei weitere Aufständische ums Leben gekommen. Auch hier sei der Angriff gegen ein Fahrzeug erfolgt.

Obama wählt Ziele selber aus

Pakistan hat die USA schon mehrfach aufgefordert, die Angriffe in den Stammesgebieten einzustellen. Die USA halten aber weiter an ihrem Drohnenprogramm fest und haben erklärt, dieses sei im Kampf gegen die al-Qaida und die Taliban unverzichtbar.

Letzte Woche berichtete die «New York Times», dass Präsident Obama jedes Ziel der Drohnenangriffe im Jemen, Somalia und den pakistanischen Stammesgebieten selber auswähle. In Pakistan treffe der Geheimdienst CIA eine Vorauswahl.

Mit Material von sda/dapd/AFP (rub)

Erstellt: 05.06.2012, 17:04 Uhr

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