Obamas syrische Zwickmühle

In Washington wächst die Angst vor einem Zerfall Syriens. Die CIA will nicht mehr ausschliessen, dass das Land zu einem Aufmarschgebiet islamistischer Terrorgruppen wird.

Forderte das Ende des Assad-Regimes, will aber in Syrien keine Waffen in den falschen Händen sehen: Barack Obama während einer Rede.

Forderte das Ende des Assad-Regimes, will aber in Syrien keine Waffen in den falschen Händen sehen: Barack Obama während einer Rede. Bild: Keystone

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Vor dem Hintergrund der eskalierenden Gewalt in Ägypten und Syrien fürchtet die Regierung Obama, dass sich im Nahen Osten und besonders in Syrien neue Rückzugsgebiete für al-Qaida-Ableger bilden könnten. Innerhalb der CIA werden bereits Vergleiche mit Afghanistan Mitte der 90er Jahre gezogen, als sich al-Qaida unter dem Schutz der Taliban frei entfaltete und globale Terroranschläge plante.

So warnte etwa der am vergangenen Wochenende ausgeschiedene stellvertretende CIA-Direktor Michael Morrell in einem Interview, von Syrien gehe derzeit die «grösste Bedrohung der nationale Sicherheit der USA aus» - eine Sicht, die von Top-Analysten des Dienstes geteilt wird. Morrell zu Folge besteht die Gefahr, dass Syrien nach dem Zerfall des Assad-Regimes «ein neuer Zufluchtsort für al-Qaida wird».

16'000 Jihadisten in Syrien

Aufmerksam registriert die CIA die wachsende Stärke der Terror-Organisation «al-Qaida im Irak», die sich umbenannt hat und nun als «Islamischer Staat im Irak und der Levante» auftritt. Die Gruppe stellt bereits jetzt ein beträchtliches Kontingent von islamistischen Kämpfern im syrischen Bürgerkrieg und wird ständig durch ausländische Jihadisten aus Saudiarabien, Tunesien und dem Irak verstärkt. Sprechen offizielle US-Schätzungen von rund 6'000 ausländischen Jihadisten in Syrien, so glaubt die CIA unter Berufung auf libanesische Quellen, dass sich bereits mehr als 16'000 jihadistische Kämpfer aus dem Ausland in Syrien befinden.

Mit wachsender Sorge verfolgt der Dienst auch die Eskalation von Gewalt im benachbarten Irak, wo neuerlich bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Bereits im März hatte das Weisse Haus die CIA angewiesen, staatliche Milizen im Irak beim Kampf gegen die erstarkte al-Qaida zu unterstützen. Gleichzeitig fürchtet der Geheimdienst eine Destabilisierung Jordaniens im Gefolge des syrischen Bürgerkriegs. Während die CIA in Jordanien gemässigte syrische Kämpfer für den Krieg in Syrien ausbildet, sickern Islamisten aus Syrien und dem Irak vermehrt in Jordanien ein.

Assad im Amt dient den USA

Zwar verstärkt der Dienst derzeit Waffentransfers an nicht-islamistische Gruppen in Syrien, doch will die Regierung Obama weiterhin weder panzerbrechende Waffen noch Flugabwehrraketen an die Aufständischen liefern. Nach Ansicht von US-Experten steckt die Obama-Administration in einer Zwickmühle: Einerseits hat der Präsident bereits vor zwei Jahren ein Ende des Assad-Regimes in Damaskus gefordert, zum anderen aber möchte Barack Obama unter allen Umständen vermeiden, dass Syren zu einem Aufmarschgebiet islamistischer Gruppen wird.

Paul Pillar, Ex-Direktor der Abteilung Terrorabwehr bei der CIA, glaubt denn auch, «kurzfristig» sei dem amerikanischen Interesse am besten gedient, wenn das Assad-Regime «die Kontrolle wiederherstellt». Bereits am Januar hatte Aussenamts-Sprecherin Victoria Nuland hervorgehoben, es sei von grösster Bedeutung, «die Funktionen des Staats» in Syrien aufrechtzuerhalten.

Während republikanische Politiker wie Senator John McCain (Arizona) eine stärkere amerikanische Rolle im syrischen Konflikt fordern, sperrt sich neben dem Weissen Haus auch der Generalstab gegen dieses Verlangen. In einem Brief an Senator Carl Levin (Michigan), den Vorsitzenden des Streitkräfteausschusses im Senat, betonte Generalstabschef Martin Dempsey, er sei «sehr besorgt über dir radikalen Elemente der syrischen Opposition». Der syrische Bürgerkrieg, so Dempsey weiter, sei Teil eines «regionalen Konflikts, der sich von Beirut über Damaskus bis nach Bagdad erstreckt».

Erstellt: 14.08.2013, 22:49 Uhr

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