Olympia or Die

Eduardo Paes, der Bürgermeister von Rio, verknüpft seine politische Zufunft mit dem Erfolg der Olympischen Spiele.

Werden die Spiele zum Erfolg, gilt er als Anwärter für höchste Ämter: Rios Bürgermeister Eduardo Paes. Foto: Ricardo Moraes (Reuters)

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Nicht, dass der Bürgermeister von Rio de Janeiro keine Probleme hätte: Bandenkriege, Polizei­gewalt, verstopfte Strassen, leere Stadtkassen.

Für Eduardo Paes reichte das nicht, er lud sich eine weitere Herausforderung auf. Kurz nach dem Amtsantritt 2009 holte er die Olympischen Spiele 2016 nach Rio. Und knüpfte seine politische Zukunft an den Anlass. Läuft alles gut, gilt er als Anwärter für höchste Ämter. Scheitern die Spiele, scheint seine Karriere beendet.

Die erste Bilanz fällt durchzogen aus. Im April krachte der neue Küstenveloweg zusammen. Zwei Menschen starben. lm olympischen Dorf liefen teilweise weder Strom noch Wasser. Wichtige Bauten wurden verspätet fertiggestellt, Polizisten und Feuerwehrleute streikten.

Er zeigt sich als Surfertyp

An Eduardo Paes prallt bisher alles ab. Die Schwierigkeiten kontert der 46-Jährige mit Sprüchen («Wenn es den australischen Athleten nicht passt, stellen wir ihnen ein Känguru vors Haus»), gleichzeitig schickt er Reparaturtrupps los und markiert den Macher. In Interviews inszeniert er sich als jung gebliebener Surfertyp, der eine Millionenmetropole mit dem Smartphone regiert und sich niemals ausruht.

Den zwölf Milliarden Dollar teuren Grossanlass stellt Paes als Projekt dar, das allen nützt. Dank den Spielen gehe es Rio deutlich besser als anderen brasilianischen Städten. Dabei verweist er auf das wiederbelebte Hafenviertel, neue Parks, den neuen Stadttunnel, ein neues Bussystem, eine neue Metrolinie. Davon profitierten vor allem die Armen, Reiche führen nicht Bus. Zudem habe er die Stadtkasse geschont, weil private Unternehmer über die Hälfte aller Kosten übernahmen.

Kritik von den Linken

Gerade dies bemängeln linke Kritiker. Paes habe den schwerreichen Investoren Gratisland an bester Lage, Steuererleichterungen und staatliche Kredite zugeschanzt. Diese hätten im Gegenzug seinen Wahlkampf 2012 mitfinanziert. Das olympische Dorf werde nach den Spielen in ein Luxusquartier umgebaut (in London gab es günstige Wohnungen), ins Reichenviertel Barra sei besonders viel Geld geflossen. Dafür habe Paes ganze Favelas niederreissen lassen und über 20'000 Familien zwangsumgesiedelt.

Bislang sind die Kritiker in der Minderheit. Lokale Medien unterstützen Paes, man schätzt ihn dafür, den Grossanlass irgendwie gemeistert zu haben – trotz Rezession und politischer Krise im Land. Politisch lässt sich der studierte Jurist kaum fassen. Er entstammt einer reichen Familie aus Rio, die politische Karriere startete er im Oberschichtenquartier Barra – dort, wo er das olympische Dorf erstellen liess. Schon als 28-Jähriger wurde er ins nationale Parlament gewählt. Mittlerweile hat er fünfmal die Partei gewechselt, eine Zeit lang stand er dem linken Präsidenten Lula nahe. Derzeit gehört er zur PMDB, der Partei des alten Establishments.

Paes selber streitet jeden Ehrgeiz auf die Präsidentschaft ab. Trotzdem. Die Olympischen Spiele machen ihn zum meistbeachteten Mann Brasiliens. Und für ihn zählt nur ein Sieg.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2016, 21:08 Uhr

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