Osama Bin Laden ganz privat

Knapp eine Woche nach der Tötung des Al-Qaida-Chefs hat die US-Regierung Videos aus dessen Versteck präsentiert. Sie zeigen eine bisher unbekannte Seite des Terrorfürsten.

So berichtet der TV-Sender CNN über die Osama-Bin-Laden-Videos. (Quelle: Youtube)


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Die bislang unbekannten Privataufnahmen wurden bei der Kommandoaktion der US-Eliteeinheit Navy SEALs beschlagnahmt, bei der Bin Laden am Montag in Pakistan getötet worden war. Sie geben einen ersten Einblick, wie der Al-Qaida-Chef die letzten sechs Jahre seines Lebens verbrachte. Demnach leitete der meistgesuchte Terrorist der Welt sein globales Terrornetzwerk von einem schäbigen, provisorischen Büro aus.

Die Videos dienten als weiterer Beweis, dass es den USA gelungen ist, Bin Laden auszuschalten. Sie ermöglichen es der US-Regierung aber auch, Bin Laden als eitlen Mann und Meister der Selbstdarstellung zu zeigen. Einige Aufnahmen wurden mehrfach wiederholt, bis Bin Laden damit zufrieden war. Präsident Barack Obama hatte sich zuvor gegen die Veröffentlichung von Fotos von Bin Ladens Leiche entschieden. Die US-Behörden erklärten aber, die Identität des Al-Qaida-Chefs sei anhand dessen DNA bewiesen worden.

Auf einem der fünf Filme, die am Samstag bei einer Pressekonferenz in Washington vom US-Geheimdienst freigegeben wurden, ist Bin Laden zu sehen, wie er auf dem Fussboden sitzend sich selbst im Fernsehen betrachtet. Der Al-Qaida-Chef ist in eine dunkle Decke gehüllt und wiegt sich vor und zurück, während er von einem Sender zum nächsten schaltet. Sein Bart ist grau und ungekämmt.

«Botschaft an das amerikanische Volk»

Auf einem anderen Video hat er sich für die Aufnahme einer Propaganda-Botschaft offenbar den Bart gefärbt und ihn säuberlich gestutzt. Das Video, das ohne Ton veröffentlicht wurde, trägt den Titel «Botschaft an das amerikanische Volk» und wurde vermutlich im vergangenen Herbst aufgenommen, wie ein Geheimdienstmitarbeiter bei der Pressekonferenz sagte. Bin Laden hat seit 2007 kein Video mehr veröffentlicht. Andere Videos zeigen Verschnitt mit Versprechern, die für den Mülleimer bestimmt waren.

Die Videos wurden auf Bin Ladens Grundstück in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad beschlagnahmt, wo der Al-Qaida-Chef die letzten sechs Jahre seines Lebens verbrachte. Den US-Behörden zufolge sind die Videobänder nur ein Bruchteil des Materials, das bei der Operation sichergestellt wurde. Noch nie zuvor sei es gelungen, so viel Material eines Top-Terroristen zu beschlagnahmen. Auch Telefonnummern und andere Dokumente wurden sichergestellt, mittels derer sich die US-Behörden erhoffen, das Terrornetzwerk zur Strecke zu bringen, das hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 steckt.

Computer ohne Internetanschluss

CIA-Chef Leon Panetta sagte, das sichergestellte Material zeige, wie wichtig und richtig die Suche nach Bin Laden gewesen sei. Nach den Anschlägen vom 11. September habe das amerikanische Volk das von ihnen erwartet, und sie hätten die Erwartungen nicht enttäuscht. Das Material beweise, dass Bin Laden bis zum Schluss aktiv in die Planung und Leitung der Al-Qaida eingebunden gewesen sei, erklärte ein Geheimdienstmitarbeiter.

Über eine Satellitenschüssel konnte Bin Laden demnach Fernsehprogramme empfangen und aktuelle Nachrichten sehen. Das Video zeigt auch, dass Bin Laden einen Computer im Hause hatte. Den Behördenangaben zufolge verfügte er aber nicht über einen Internet- oder Telefonanschluss. (jak/dapd)

Erstellt: 08.05.2011, 06:43 Uhr

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