Palin tritt nicht an – Familie und Gott gehen vor

Sarah Palin wird nicht für die amerikanische Präsidentschaft kandidieren. Chancen hätte sie sowieso keine gehabt. Anders steht es um ihre neue Karriere.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dreizehn Monate vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl ist das Aufgebot der republikanischen Bewerber komplett, nachdem Sarah Palin gestern Abend erklärt hat, sie werde sich nicht um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewerben. Familie und Gott gingen vor, sagte Palin. Und ausserdem könne sie befreiter für Amerikas Zukunft arbeiten, wenn sie keine Kandidatin sei.

Die Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008 und Enfant terrible der Republikanischen Partei hatte unlängst versprochen, innerhalb kurzer Zeit zu entscheiden, ob sie sich dem im Januar 2012 beginnenden innerparteilichen Auswahlprozess der Republikaner stellen oder die Wahl zur Enttäuschung ihrer Anhängerschaft aussitzen werde.

Die Tweets verstummten

Seit Tagen hatte die ansonsten eifrig tweetende Ex-Gouverneurin von Alaska nichts von sich hören lassen, auch auf ihrer Facebook-Seite war nichts Neues zu lesen – was republikanische Strategen und Insider im Glauben bestärkte, die Tea-Party-Heldin aus Wasilla werde nicht antreten und sei mehr am Geldverdienen als an einem Einzug ins Weisse Haus interessiert. «Mit Ausnahme von Sarah Palin wird es nun keine neuen Kandidaten mehr geben, und Palin sehe ich ebenfalls nicht als eine Kandidatin», meinte Erick Erickson, Chef der einflussreichen republikanischen Webseite Red State, bereits am Tag vor Palins Absage.

Dass sie nicht antreten wird, überrascht kaum: Palins Anhängerschaft in der Republikanischen Partei war geschmolzen, vergrätzt unter anderem durch ihre bizarre Reaktion auf den Mordanschlag auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords im Januar. Bei Umfragen landete die umstrittene Politikerin abgeschlagen hinter den derzeitigen Favoriten für die republikanische Präsidentschaftskandidatur, dem texanischen Gouverneur Rick Perry sowie Mitt Romney, dem Ex-Gouverneur von Massachusetts.

Vorwahlen beginnen schon bald

Zudem hatte die Zeit gedrängt: In nur drei Monaten beginnen im mittwestlichen Iowa der Zirkus der republikanischen Parteiversammlungen und Vorwahlen, kaum blieb der Ex-Gouverneurin von Alaska genügend Zeit, um das für einen erfolgreichen Wahlkampf nötige Geld einzusammeln und darüber hinaus in früh wählenden Staaten wie New Hampshire und South Carolina einen schlagkräftigen Wahlkampfstab aufzubieten.

Zwar zeigten Umfragen, dass die frühere Vizepräsidentschaftskandidatin lediglich fünf Prozentpunkte hinter Barack Obama zurückliegt, doch machte sich innerhalb der Republikanischen Partei seit Monaten ein wachsender Überdruss an Palin bemerkbar. Mit ihr als Kandidatin drohe trotz Barack Obamas politischen Problemen eine satte Niederlage im November 2012, befürchteten republikanische Bonzen in Washington. Palin polarisiere und sei überdies zu einer Entertainerin mutiert, die wie ihre Tochter Bristol als Dauergast im TV auftrete.

Es passte in dieses Bild, dass Roger Ailes, der Chef des konservativen TV-Senders Foxnews, in einem Interview vorgestern erklärte, er habe Palin für viel Geld als TV-Talkerin angeheuert, weil sie «heiss» sei und für gute Quoten sorge. Hätte Palin sich um die republikanische Kandidatur beworben, wäre sie gezwungen gewesen, die lukrative Rolle bei Fox ebenso aufzugeben wie andere mediale Vermarktungen, dank derer sie längst zur Multimillionärin geworden ist. Sarah Palins politische Karriere dürfte nach der gestrigen Entscheidung beendet sein.

Erstellt: 06.10.2011, 07:07 Uhr

Artikel zum Thema

Von der Schönheits- zur Schneekönigin?

Ein neues Buch könnte Sarah Palins Polit-Karriere ruinieren: Sie soll gekokst und ihren Mann betrogen haben. Ist das der Grund, weshalb sich die Politikerin bei der Frage um eine Präsidentschaftskandidatur ziert? Mehr...

Sarah Palin hält sich aufreizend bedeckt

Ein Film über ihr Leben feiert die republikanische Politikerin als «unbesiegte» Revolutionärin – und heizt die Spekulationen über eine Präsidentschaftskandidatur weiter an. Mehr...

Sarah Palins Tochter rechnet ab

In ihren Memoiren geht die 20-jährige Tochter der ehemaligen republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin mit ihrem Ex-Freund hart ins Gericht. Er habe sie mehrfach betrogen. Mehr...

Tritt nicht an: Palin verzichtet auf Kandidatur. (Video: Reuters)

Bildstrecke

Die E-Mails von Sarah Palin

Die E-Mails von Sarah Palin Der US-Bundesstaat Alaska hat elektronische Post seiner Ex-Gouverneurin veröffentlicht. Insgesamt machten die Behörden mehr als 24'000 E-Mail-Seiten öffentlich zugänglich.

Bildstrecke

Sie wollen Obama stürzen

Sie wollen Obama stürzen Sieben Männer und eine Frau wollen bei den Präsidentschaftswahlen 2012 gegen Barack Obama antreten. Der Kampf um die Nomination ist geprägt von zahlreichen Fernseh-Debatten.

Paid Post

Power und Passion in Ihrer Tasse

Von Venedig bis Palermo ist Kaffee mehr als nur ein Getränk. Er ist eine Kunst. Mit der Kollektion «Ispirazione Italiana» bringt Nespresso ein Stück Italien in Ihr Ritual.

Blogs

Sweet Home 10 raffinierte Einrichtungstipps

Mamablog Wenn das Baby brüllt. Und brüllt. Und brüllt.

Die Welt in Bildern

Natürliche Kunst: Douglas Ciampi aus Massachusetts steht neben einer eisbedeckten Antenne auf dem Gipfel des Mount Washington. (24. Februar 2020)
(Bild: Robert F. Bukaty) Mehr...