Papst entlässt US-Bischof wegen Deckens von Kinderpornografie

Ein Priester hatte junge Mädchen seiner Gemeinde in den USA nackt fotografiert. Sein Bischof deckte ihn ein halbes Jahr lang. Die Opfer sind mit dessen Entlassung nicht zufrieden.

Fälle von Kindsmissbrauch durch Geistliche sorgen in den USA immer wieder für Aufsehen: Mitglieder einer Opfervereinigung halten ein Banner mit Fotos von missbrauchten Kindern. (1. Februar 2013)

Fälle von Kindsmissbrauch durch Geistliche sorgen in den USA immer wieder für Aufsehen: Mitglieder einer Opfervereinigung halten ein Banner mit Fotos von missbrauchten Kindern. (1. Februar 2013) Bild: David McNew/Reuters

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Papst Franziskus hat den Bischof der US-Diözese Kansas-St.Joseph wegen Nachlässigkeit bei der Verfolgung von Kinderpornografie entlassen. Der Papst habe das Rücktrittsgesuch von Bischof Robert Finn akzeptiert, teilte der Vatikan am Dienstag mit. Der Geistliche habe sein Fehlverhalten eingeräumt.

Finn hatte die Polizei erst nach sechs Monaten darüber informiert, dass einer seiner Priester junge Mädchen aus den von ihm betreuten Gemeinden auf Hunderten obszönen Fotos abgelichtet und die Bilder auf seinem Computer gespeichert hatte. Der Mann wurde inzwischen wegen Kinderpornografie zu 50 Jahren Haft verurteilt. Die Opfer forderten aber auch eine Bestrafung Finns, der die Taten gedeckt habe.

657 Missbrauchsmeldungen in einem Jahr

Die katholische Kirche in den USA hat zuletzt binnen einem Jahr rund 120 Millionen Dollar an Opfer sexuellen Missbrauchs ausgezahlt. Die Zahl bezieht sich auf den Zeitraum von Mitte 2013 bis Mitte 2014. Sie umfasst etwa Entschädigungen und Therapiekosten. Zudem wurden 30 Millionen Dollar für Programme zur Bekämpfung von Pädophilie ausgegeben.

Die US-Bischofskonferenz legt seit zwölf Jahren einen jährlichen Bericht über ihren Umgang mit den Schwierigkeiten vor. Im nun betrachteten Berichtszeitraum gingen bei der Kirche 657 Beschwerden wegen sexuellen Kindesmissbrauchs durch Geistliche ein, von denen 130 anerkannt wurden. Weitere 243 werden noch geprüft, die übrigen wurden abgewiesen.

Aktivistengruppe begrüsst die Entlassung

Finn ist der erste katholische Bischof, den ein Papst nach Fehlverhalten im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch entlässt. Die Opfer hatten diesen Schritt seit langem verlangt. Doch der Vatikan unternahm zunächst nichts Konkretes, obwohl Franziskus versprochen hatte, in solchen Fällen konsequent durchzugreifen. Schliesslich forderte selbst der vom Papst ernannte Ratgeber für Fälle sexuellen Missbrauchs, Kardinal Sean O'Malley, Franziskus öffentlich auf, sich dringend mit dem Fall Finn zu befassen. Im Herbst schickte der Papst den kanadischen Erzbischof Terrence Prendergast zur Untersuchung des Falls nach Kansas. Eine Entscheidung fällte er aber erst jetzt.

Die Aktivistengruppe BishopAccountability.org begrüsste die Entlassung Finns, forderte den Papst aber auf, die Gründe dafür öffentlich zu nennen. «Das wäre eine stärkende Botschaft an alle Bischöfe und religiösen Vorgesetzen weltweit, dass ein neues Zeitalter begonnen hat», sagte die Co-Direktorin der Gruppe, Anne Barrett Doyle. Der Opferverband Snap sprach von einem ermutigenden, aber verspäteten Schritt. (hvw/sda/AP)

Erstellt: 21.04.2015, 14:15 Uhr

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