Polit-Profi soll Hillary Clinton ins Weisse Haus hieven

Noch ist ihre Kandidatur nicht offiziell - das Wahlkampfteam von Hillary Clinton nimmt aber immer konkretere Formen an. Der Neue im Team könnte dafür sorgen, dass erstmals eine Frau ins Weisse Haus kommt.

Noch ist er Obama-Berater, bald wird er versuchen Hillary Clinton ins Weisse Haus zu bringen: John Podesta und Hillary Clinton in Las Vegas.(04.09.2014)

Noch ist er Obama-Berater, bald wird er versuchen Hillary Clinton ins Weisse Haus zu bringen: John Podesta und Hillary Clinton in Las Vegas.(04.09.2014) Bild: John Locher/Keystone

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In ihrem zweiten Anlauf auf die US-Präsidentschaft steht Hillary Clinton 2016 einer der routiniertesten Strategen der Demokraten zur Seite: John Podesta.

Im Weissen Haus kennt sich John Podesta aus. Unter Bill Clinton war er dort Stabschef, aktuell dient er Barack Obama als Berater. Bereits in wenigen Tagen wird er seinen Schreibtisch im Zentrum der Macht wohl räumen. Wenn alles nach Plan läuft, könnte er allerdings zurückkehren - dann im Dienste der ersten Frau im Präsidentschaftsamt. Wie aus gut informierten Kreisen in Washington verlautete, hat Podesta den Auftrag angenommen, nun Hillary Clinton den Weg ins Weisse Haus zu ebnen.

Der offizielle Wechsel ins Wahlkampfteam von Clinton wird zugleich der Ende eines Spagats: Privat hat Podesta die frühere US-Aussenministerin bereits seit Monaten beraten - während er im Hauptberuf weiter Obamas Klimapolitik koordinierte oder an der Strategie des Präsidenten im republikanisch dominierten Kongress bastelte. Bei fast allen wichtigen Entscheidungen in der Organisation der bevorstehenden Wahlkampagne Clintons soll er längst seine Hände im Spiel haben, ob in Personalfragen oder bezüglich des Timings zur Bekanntgabe der Kandidatur.

Einer, der sie nur wie wenig andere versteht

Das ungewöhnliche Arrangement verdeutlicht, welch prominente Stellung der 66-Jährige bei den Demokraten hat. Auch wenn er stets im Hintergrund bleibt, geniesst er intern das Vertrauen und den Status eines «Senior Statesman». Podesta sei «jemand, der es wie nur wenige andere versteht, durch die anspruchsvollen Gewässer Washingtons zu steuern», sagt Maria Cardona, die schon 2008 im Wahlkampfteam von Hillary Clinton arbeitete.

Podesta selbst wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP zunächst nicht zu seiner geplanten Rolle im Team von Clinton äussern. Sein Wechsel wurde aber von mehreren Personen aus dem Umfeld der demokratischen Politikerin bestätigt. Im Weissen Haus hatte der aus Chicago stammende Stratege Ende 2013 nur unter der Bedingung angeheuert, dass seine Tätigkeit dort auf ein Jahr befristet bleiben würde. Ob er schon damals vorhatte, später Clinton zu unterstützen, war offenbar nicht klar. «Was John in seiner privaten Zeit unternimmt, geht mich aber auch nichts an», sagt Denis McDonough, der aktuelle Stabschef von Obama.

Podesta war ein Glücksfall für Obama

McDonough hatte zunächst mehrfach vergeblich versucht, Podesta wieder zurück in den West Wing zu locken - in den Gebäudeflügel des Weissen Hauses, in dem die engsten Berater des Präsidenten arbeiten. Dass der routinierte, für seinen spitzen Humor bekannte Taktiker am Ende doch einwilligte, war ein wichtiger Erfolg für Obama. Kritikern und enttäuschten Anhängern konnte der angeschlagene Präsident damit zeigen, dass er bereit war, aus Fehlern zu lernen und sich für neue Ideen zu öffnen.

Der zähe Prozess um die Einführung der Gesundheitsreform hatte viele nicht nur an der Kompetenz Obamas, sondern auch an der seines engsten Beraterstabs zweifeln lassen. Podesta kam da genau richtig. Nach Angaben mehrerer Mitarbeiter des Präsidenten brachte er auf Anhieb frischen Wind ins Weisse Haus. In Strategiesitzungen spielte er demnach oft den «Advokatus Diaboli», um Schwächen in der eigenen Linie aufzuzeigen, die das Team bisher nicht auf dem Radar gehabt hatte.

Eine enge Beziehung zu den Clintons

Auch für Hillary Clinton könnte sich Podesta als wichtige Stütze erweisen. Die gelegentliche Unordnung und sonstige Pannen ihres Wahlkampfs im Jahr 2008 dürfte der 66-Jährige mit seiner Erfahrung zu verhindern wissen. Damals, als Clinton in den demokratischen Vorwahlen erfolglos gegen Obama angetreten war, hatte sich Podesta noch zurückgehalten. Diesmal wird ihm aller Voraussicht nach eine zentrale Rolle bei der Gesamtkoordination des Wahlkampfs zukommen.

Ein grosser Vorteil des Polit-Profis wird dabei auch das enge persönliche Verhältnis zu Hillary und ihrem Ehemann Bill sein. Schon während der Präsidentschaft von Bill stand Podesta den Clintons zur Seite, unter anderem während des letztlich gescheiterten Amtsenthebungsverfahrens infolge einer Affäre des Präsidenten mit einer Praktikantin. Seit dieser Zeit geniesst der Berater grosses Vertrauen - nicht nur bei dem ehemaligen US-Präsidenten Bill, sondern auch bei seiner Gattin Hillary, die im Falle eines Erfolgs der erneuten Zusammenarbeit als erste Frau ins Weisse Haus einziehen könnte.

Erstellt: 14.02.2015, 16:10 Uhr

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