Polizeibesuch nach Google-Suche
Es klang wie ein Beweis für die NSA-Überwachung: Eine US-Journalistin schilderte, wie nach potenziell verdächtigen Internetsuchen die Polizei an die Tür klopfte. Die Version der Behörden lautet allerdings anders.
Um neun Uhr morgens fahren drei schwarze Jeeps vor dem Haus der Familie Catalano in Long Island im US-Bundesstaat New York vor. Sechs schwarz gekleidete Agenten steigen aus und betreten das Haus. Sie werfen einen Blick auf die Büchergestelle, streicheln die beiden Hunde und wollen wissen, ob die Familie einen Dampfkochtopf besitze. Diesen Vorfall beschrieb die betroffene Journalistin Michele Catalano in einem Blogeintrag, der in den USA für grosses Aufsehen sorgte. Catalano vermutete darin, dass die Google-Suchen der Familie den Polizeibesuch ausgelöst habe. So habe sie nach Dampfkochtöpfen gegoogelt, ihr Mann nach einem Rucksack und ihr Sohn vielleicht aus Neugier auch einmal nach einer Bauanleitung für eine Dampfkochtopfbombe.
Nachdem die Geschichte auf Twitter für Aufruhr sorgte und von den Medien aufgegriffen wurde, schreibt die Polizei des Bezirks Suffolk allerdings in einem Statement, dass sie einen Tipp auf traditionelle Art und Weise erhalten habe. Demnach führte zwar tatsächlich die Internetsuche eines Familienmitglieds zum Polizeieinsatz, doch war es der Ehemann der Journalistin, der im Geschäft «Dampfkochtopfbomben» und «Rucksäcke» gegoogelt haben soll. Der Arbeitgeber des Mannes, eine Computerfirma, habe sich danach bei der Polizei gemeldet. Der Mann soll inzwischen nicht mehr bei der Firma arbeiten.
100 Einsätze pro Woche?
Nachdem das Statement der Polizei verbreitet worden war, schrieb Michele Catalano, ihre Familie sei darüber nicht aufgeklärt und im Glauben gelassen worden, der Polizeieinsatz sei alleine aufgrund von Google-Suchen aus ihrem Haus heraus erfolgt. Wie sie in ihrem ursprünglichen Bericht schrieb, sollen die Agenten angegeben haben, sie würden solche Besuche etwa 100-mal pro Woche machen – und 99 davon erwiesen sich als unbegründet. (mw)
Erstellt: 02.08.2013, 09:23 Uhr
Die Journalistin Michele Catalano.
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