Analyse

Protest gegen Banker auf allen Kanälen

Die Aktivisten von «Occupy Wall Street» sind nicht nur auf den Strassen präsent. Sie orchestrieren den Aufruhr vor allem im Netz. Dreh- und Angelpunkt des Widerstands ist ein spezieller Blog.

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Begonnen hat der Protest etwa vor Mitte September. Ein paar Dutzend Protestierende machten ihren Unmut über die Banker an der Wallstreet kund. Mittlerweile sind es Tausende Menschen aus allen Landesteilen. Sie gehen täglich auf die Strassen. Auch das Internet ist in fester Hand der Aktivisten.

Bis heute existieren bereits über 200 Facebook-Gruppen und Twitter-Konten. In den sozialen Medien wird rege diskutiert. Dreh- und Angelpunkt ist aber ein Blog namens We Are the 99 Percent. Die Macher verfassen ihre Protesttexte auf Papier, lassen sich damit fotografieren und publizieren das Foto anschliessend auf der Webseite. Sie sehen sich nicht als Opfer einer Wirtschaftskrise, sondern einer wirtschaftlichen Ungerechtigkeit.

Stark wachsender Widerstand auf Twitter

Besonders auf Twitter wächst der Widerstand gegen die Banker. Laut einer Studie, welche die Zugriffszahlen vom letzten Freitag analysierte, stammen die meisten Beiträge mittlerweile nicht mehr aus New York, sondern primär aus Los Angeles, San Francisco, Chicago, Washington und Texas. Ein Medienexperte sagte gegenüber der «New York Times», dass inzwischen 10'000 bis 15'000 Einträge pro Stunde verfasst würden. Die meisten verweisen auf Newsseiten, Youtube und Trendsmap.

Das Zentrum der medialen Bewegung ist der Zuccotti-Park, wo seit dem 17. September Hunderte von Menschen campieren. Seit Freitag haben sich die Protestierenden so weit eingerichtet, dass sie von dort aus mit ihren Laptops Videos produzieren, Beiträge schreiben und Fotos ins Internet stellen können. Die Öffentlichkeit kann dabei zusehen. Über Livestream.com unter dem Stichwort «Global Revolution» ist die Bewegung live zu beobachten.

Video mit Pfefferspray-Attacke ist Nummer eins auf Youtube

Auch auf Youtube schreitet die Revolution voran. Mehr als 10'000 Videos wurden mit dem Vermerk «occupy wall street» vertagt. Ein Video, das zeigt, wie ein Polizist eine weibliche Protestierende mit einem Pfefferspray attackiert, ist derzeit die Nummer eins auf Youtube. Die Videoplattform wird allerdings nicht allein von den Demonstranten genutzt. Auch die New Yorker Polizei lädt Filmmaterial hoch, um ihre Wahrnehmung der Geschehnisse zu dokumentieren.

Social Media spielen eine wichtige Rolle, um Botschaften zu platzieren, den Aufmarsch der Massen zu dokumentieren und Aktionen zu orchestrieren. Dabei hat das gute alte papierene Kampfblatt nicht ausgedient: Die zweite Auflage des «The Occupied Wall Street Journal», einer vierseitigen Zeitung, wurde zum zweiten Mal am Samstag verteilt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2011, 17:37 Uhr

Pfefferspray gegen Demonstrantin

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