Putin zwischen Trump und Assad

Die USA wollen nun doch wieder Weltpolizist sein. Vor dem Besuch von Rex Tillerson muss Moskau nun seine Interessen neu abwägen.

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Der amerikanische Aussenminister hat vor seiner Reise nach Moskau kein Blatt vor den Mund genommen: Russland sei zumindest moralisch mitverantwortlich für den Giftgasangriff in Syrien, bei dem letzte Woche Dutzende Menschen gestorben seien, sagte Rex Tillerson. Dabei hatten er und Donald Trump im Wahlkampf noch die wärmsten Worte gefunden für Russland und seinen Präsidenten. Wladimir Putin ­verlieh Tillerson vor vier Jahren höchstpersönlich einen Freundschaftsorden, während Trump erklärte, es sei gut möglich, dass Putin sein bester Freund werde. Doch nun ist alles ganz anders. Der US-Angriff auf einen syrischen Militärflughafen hat Russland letztlich weit mehr erschüttert als Syrien selber: Trump ist definitiv nicht mehr der Mann des Kreml.

Bei Tillersons Besuch wird sich weisen, was sich da noch retten lässt. Putin hofft wohl noch immer, einen Ausgleich mit Trump zu finden, bei dem ­Amerika zuerst und die Weltpolitik erst an zweiter Stelle kommt. Der Kreml hatte darauf gesetzt, dass die USA unter Trump nicht mehr überall den Weltpolizisten spielen würden. Denn ob in der Ukraine oder in Syrien: Russland versucht eine neue Weltordnung zu etablieren – mit sich selber in einer der Hauptrollen. Das ist es, was Putin im Innersten antreibt.

Assad setzte sich wiederholt über Russland hinweg

Die Chance, einen solchen Deal mit Trump ­auszuhandeln, wird Putin nicht vorschnell aufgeben. Deshalb schickte der Kremlchef seinen Sprecher vor, um die harsche Kritik an Washington zu verkünden. Für einen Ausgleich mit Amerika könnte Putin sogar seine Allianz mit dem syrischen Präsidenten Assad hintenanstellen. Offenbar hat Assad Moskau nicht im Voraus über den Einsatz von Giftgas informiert. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Syrer über die Russen hinwegsetzt, obwohl er ohne deren Hilfe längst nicht mehr im Amt wäre. In diesem Sinne gibt es für Tillerson in Moskau durchaus etwas zu verhandeln.

Voraussetzung für einen Deal oder wenigstens ein Stillhalteabkommen ist freilich, dass es bei diesem einen US-Raketenschlag in Syrien bleibt. Sollte Trump diese Methode zur neuen US-Aussenpolitik machen, könnte die Lage schnell eskalieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 23:14 Uhr

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