Quereinsteiger übernimmt die Macht in Paraguay

Paraguay hat einen neuen Staatschef: Horacio Cartes hat heute seinen Amtseid abgelegt. Als Millionär und Unternehmer setzt er vor allem auf Wirtschaftswachstum.

Bild: Keystone

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Im südamerikanischen Paraguay hat der konservative Tabak-Magnat und Millionär Horacio Cartes am Donnerstag seinen Amtseid abgelegt. Der Staatspräsident setzt auf Wirtschaftswachstum. Da kennt er sich aus.

Horacio Cartes ist auf der Politbühne ein Neuling: Bevor er in Paraguay für das Amt des Staatspräsidenten kandidierte, hatte er noch nie gewählt. Die Vorsitzenden der Partei Partido Colorado waren von dem umtriebigen Wirtschaftsmagnaten jedoch so begeistert, dass sie flugs die Voraussetzung für eine Kandidatur - eine zwölfjährige Parteizugehörigkeit - ausser Kraft setzten. Nach der Wahlschlappe von 2008 und der Amtsenthebung von Cartes' Vorvorgänger Fernando Lugo vor einem Jahr brachte der Unternehmer seine Partei bei den Wahlen dann mit 46 Prozent der Stimmen wieder an die Macht.

Elitäre Schicht

Seit Donnerstag steht Cartes an der Staatsspitze Paraguays und damit vor Problemen, die 6,2 Millionen Einwohner zählende Land schon seit Jahrzehnten plagen. Eine besondere Herausforderung ist die grosse Schere zwischen Arm und Reich. Rund ein Prozent der Bevölkerung kontrolliert 77 Prozent des Ackerlands. Nach Schätzung der Vereinten Nationen lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Armut.

Als Geschäftsmann gehört Cartes einer überschaubaren elitären Schicht an, die in Paraguay fast alles kontrolliert. In seinen mehr als zwei Dutzend Unternehmen arbeiten 3500 Angestellte, die sowohl in der Bankenbrache als auch bei Tabak- und Getränkefirmen beschäftigt sind. Der Fussballverein Club Libertad, der grösste des Landes, ist ebenfalls in seinem Besitz.

Schmuggel, Korruption und Steuerhinterziehung

Doch Cartes sieht sich immer wieder mit Anschuldigungen konfrontiert, er habe sein grosses Vermögen durch Geldwäsche, Zigarettenschmuggel und Drogenhandel angehäuft. Nach Einschätzungen von Analysten sind Schmuggel, Korruption und Steuerhinterziehung in Paraguay an der Tagesordnung. Es sei als Firmenmanager sehr schwer, nicht mit Kriminellen in Kontakt zu geraten. Die Organisation Transparency International führt Paraguay in ihrer Korruptionsliste auf Platz 150 von 176 Ländern und damit als eines der Länder, dessen Behörden von den Bewohnern am korruptesten wahrgenommen werden.

In einer 2010 von Wikileaks öffentlich gemachten Depesche beschuldigte das US-Aussenministerium Cartes, Kopf eines Drogenschmuggel- und Geldwäscherings zu sein. «Ich würde nicht Präsident werden wollen, wenn ich Verbindungen zu Drogenschmugglern hätte», verteidigte dieser sich während seines Wahlkampfes bei der einzigen Pressekonferenz für ausländische Medien. «Geht zu den Gerichten und prüft es. Es gibt keine einzige Anklage gegen mich», sagte er. 1986 sass Cartes allerdings wegen Währungsbetrugs 60 Tage in Untersuchungshaft. Der Fall wurde jedoch fallengelassen.

Exporte vorantreiben

Die Wähler haben über all das hinweggesehen. Sie erhoffen sich von dem Geschäftsmann mit dem Milchgesicht, dass er die Wirtschaft des drittgrössten südamerikanischen Exporteurs von Soja, Mais und Sonnenblumen weiter vorantreibt. Dafür will Cartes unter anderem mehr ausländische Investoren nach Paraguay bringen.

Der ehemalige CIA-Agent Frank Holder bescheinigt Cartes jedenfalls schon einmal eine Macht, die sein Vorvorgänger Lugo aufgrund fehlender Unterstützung nicht hatte. «Dieser Typ kann sagen, 'du bist raus, du bist drin' und dafür sorgen, dass es so bleibt», sagt Holder über Cartes. (wid/sda)

Erstellt: 15.08.2013, 21:53 Uhr

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