Rekordflug im Dunkeln

Die USA setzen eine unbemannte Raumfähre zu militärischen Zwecken ein. Die X-37B fliegt bereits seit nahezu 300 Tagen um die Erde. Experten sprechen von einem weiteren Schritt in der Militarisierung des Weltalls.

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Eigentlich sollte der geheimnisumwitterte Flugkörper nur 270 Tage die Erde umkreisen. Anfang 2012 wird die unbemannte Raumfähre der amerikanischen Luftwaffe mit der Typenbezeichnung X-37B jedoch bereits 300 Tage im All fliegen, ein bemerkenswerter Rekord. Das von Pratt & Whitney Rocketdyne entwickelte AR2-3-Rakententriebwerk der knapp neun Meter langen Fähre verbrauche wesentlich weniger Treibstoff als erwartet, auch sicherten aufklappbare Sonnenkollektoren die Stromversorgung, heisst es.

Ausser den zuständigen Dienststellen des Pentagons aber weiss niemand, was die Aufgaben der X-37B sind. Allgemein vermutet wird, dass die kleine Raumfähre Spionage betreibt und im Stande wäre, feindliche Satelliten auszuschalten. Die Fähre, so die Befürchtung von Experten, sei mithin ein weiterer Schritt zur Militarisierung des Weltalls. Entwickelt wurde der Flugkörper 1999 zunächst für die US-Weltraumbehörde Nasa in Boeings «Phantom Works» in Kalifornien, ehe die Luftwaffe das Projekt 2004 übernahm.

Testflüge über Nordkorea

Ein Mantel der Geheimhaltung umgab den Bau des Prototyps. Im April 2010 wurde die erste X-37B an Bord einer eigens modifizierten Atlas V-Rakete von Cape Canaveral in eine Umlaufbahn gebracht und blieb bis Dezember 2010 im Einsatz. Ein weltweites Netzwerk von Amateurastronomen verfolgte den Flug und stellte fest, dass die Fähre in einer Entfernung von 410 Kilometer die Erde alle vier Tage umkreiste und dabei Nordkorea, Afghanistan und andere für die USA interessante Staaten überflog. Kurz nach dem Start der ersten X-37B kritisierte die chinesische Zeitung China Daily das amerikanische Projekt als Auftakt zu einem Wettrüsten im Weltall.

Bei der Landung der Fähre im Dezember 2010 auf dem Luftwaffenstützpunkt Vandenberg in Kalifornien platzte ein Bugreifen der X-37B, worauf die Unterseite des Flugkörpers leicht beschädigt wurde. Im März dieses Jahres erfolgte dann ein zweiter Start, der laut der US-Luftwaffe «neue Raumfahrttechnologien» testen sollte, von US-Experten jedoch neuerlich als Spionageeinsatz bewertet wurde. Die X-37B könne nicht nur als neuartiges Spionagewerkzeug genutzt werden, sondern eigne sich überdies auch als Plattform für Weltraumwaffen, schrieb etwa Tom Burghardt auf der Webseite Spacedaily.com.

Version für Astronauten

Die amerikanische Luftwaffe schweigt unterdessen beharrlich, eine Sprecherin des Pentagons bestätigte Ende November lediglich, dass die Fähre «immer noch da oben» sei. Der Erfolg der X-37B hat Boeing inzwischen bewogen, eine neue Variante der Fähre mit der Typenbezeichenung X-37C vorzuschlagen. Sie wäre wesentlich grösser als die X-37B und würde in ihrem Frachtraum bis zu sechs Astronauten Platz bieten.

Erstellt: 28.12.2011, 21:15 Uhr

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