Sanders' Sieg ist der Untergang für zwei einstige Favoriten

Eine wirkliche Vorentscheidung brachte die Vorwahl in New Hampshire nicht. Aber eine weitere Schlappe für Joe Biden – und für eine Frau.

Senatorin Elizabeth Warren wurde Dienstagnacht weit nach hinten verwiesen. Foto: Brian Snyder (Reuters)

Senatorin Elizabeth Warren wurde Dienstagnacht weit nach hinten verwiesen. Foto: Brian Snyder (Reuters)

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Der einstige Favorit stahl sich vorsichtshalber davon: Bereits am gestrigen Abend flog Joe Biden von New Hampshire nach South Carolina, wo der demokratische Vorwahlzirkus nach einem Zwischenstopp bei den Parteiversammlungen in Nevada in zwei Wochen Einzug halten wird. Zurück liess der Obama-Vize eine Ruine: Nach seinem enttäuschenden Abschneiden in Iowa belegte er einen miserablen fünften Platz, nicht einmal zehn Prozent der Stimmen fielen auf ihn ab.

Neben Biden landete eine andere einstige Favoritin abgeschlagen auf den Rängen: Hatte sie noch vor einem halben Jahr ihre Anwartschaft auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur nachdrücklich geltend gemacht, so ging auch die Senatorin Elizabeth Warren gestern unter. Warren und Biden müssen nun befürchten, dass der demokratische Zug ohne sie abfahren wird. Das Geld wird noch knapper werden, und Bidens Argument, er sei der Wählbarste der Kandidaten, lässt sich nach zwei Niederlagen wohl kaum aufrechterhalten.

Klärung brachte das Wahlergebnis in New Hampshire gleichwohl nicht. Bernie Sanders’ Sieg war erwartet worden, auch Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg schnitt wie schon in Iowa gut ab und landete nur knapp hinter Sanders.

Für die Überraschung des Abends aber sorgte Amy Klobuchar. Nach einem überzeugenden Auftritt bei der letzten Kandidatendebatte kam die Senatorin aus Minnesota als dritte ins Ziel und profitierte offenbar von der Sehnsucht vieler Wähler nach einem Präsidentschaftskandidaten in der politischen Mitte.

Demokraten werden Sanders nicht mehr los

Das Resultat in New Hampshire wird Klobuchar bei der nächsten TV-Debatte in der kommenden Woche in Nevada erstmals zu einer Zielscheibe machen. Bei Vorwahlen nach vorne zu stossen ist eine Sache, sich dort zu halten ist eine andere.

Bernie Sanders ist dies nach Iowa auch in New Hampshire gelungen, was die Nervosität der demokratischen Parteioberen in Washington verstärken wird. Einfach so aber wird die Partei den demokratischen Sozialisten und Senator aus Vermont nicht mehr los. Gelingt es ihm, seine Koalition durch hispanische Wähler in Nevada und Afroamerikaner in South Carolina zu verstärken, wird der innerparteiliche Ruf nach einer moderaten Alternative zu Sanders noch lauter werden.

Joe Biden wird diese Alternative womöglich nicht sein. Auch im dritten Anlauf nach 1988 und 2008 könnte der Ex-Senator aus Delaware scheitern. Falls seine Brandmauer in South Carolina bröckelt und ihn die einflussreiche afroamerikanische Wählerschaft dort im Stich lässt, wäre Biden wahrscheinlich endgültig aus dem Rennen.

Die gestern unterlegenen Kandidaten hoffen nun auf ein Wunder am «Superdienstag» Anfang März,, wenn in 14 Bundesstaaten abgestimmt wird. Zudem wird nächste Woche bei der TV-Debatte in Nevada erstmals Mike Bloomberg auf der Bühne stehen. Am Ende könnte den Demokraten ein Kampf zweier Bewerber ins Haus stehen, die beide nicht wirklich in der Partei verankert sind: Bernie Sanders ist ein parteiloser Sozialist, Bloomberg war einmal Demokrat, ehe er 2000 zu den Republikanern wechselte.

Erstellt: 12.02.2020, 07:03 Uhr

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