Sanders stärkste Waffe

Bernie Sanders liegt bei den US-Vorwahlen trotz Siegesserie hinter Hillary Clinton zurück. Er hat aber noch einen Trumpf im Ärmel.

Zwei, die sich mögen: Bernie Sanders und der Vogel am Freitag im Portland, der grössten Stadt im US-Bundesstaat Oregon.

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Käme es zum Duell zwischen Donald Trump und Bernie Sanders, die Natur hätte einen Favoriten: Sanders, den Demokraten. Er befürwortet strengere Klimaziele, währenddem sich Trump um solches foutiert. Für Sanders spricht auch die Symbolik: Vergangenen Freitag setzte sich ein Vogel seelenruhig auf Sanders Rednerpult. Die Zuschauer jubelten, Sanders strahlte. Als das Tier nach einer Weile davonflog, nutzte Sanders dies für eine politische Botschaft: Auch wenn es sich nicht um eine Taube handle, rufe der Vogel doch zum Weltfrieden auf. «No more wars – nie mehr Krieg!». Im Internet avancierte die Szene zum viralen Hit.

Trumps Verhältnis zu Tieren ist hingegen weniger glücklich. Bei einem Fotoshooting im vergangenen Jahr posierte er mit einem Adler. Das Tier zeigte sich aggressiv, brachte gar Trumps wohlfrisiertes Haar durcheinander:

Die Präsidentschaftskanditaten und ihre Vögel. (Quelle Youtube)

Eine gelungene Symbolik reicht jedoch nicht zur Präsidentschaft. Dafür braucht Sanders Wahlsiege. Diese konnte der 74-Jährige Sanders dieses Wochenende gleich reihenweise einfahren. In drei Staaten siegte er haushoch: in Hawaii mit 70 zu 30 Prozent, in Washington mit 73 zu 27 Prozent und in Alaska sogar mit 82 zu 18 Prozent. Damit verbucht Sanders bereits fünf Wahlsiege in Folge und im vielbeachteten «Bloomberg»-Poll führt er erstmals vor Clinton. Keine Frage: Sanders ist der Mann der Stunde. Doch reicht das Momentum, um seine Kontrahentin, die als klare Favoritin ins Rennen ging, noch zu schlagen?

Was gegen Sanders spricht: Die Wahlen werden nicht durch gewonnene Staaten entschieden, sondern durch die Zahl der Delegiertenstimmen. Da liegt Clinton mit 1243 zu 975 noch immer deutlich vorn. Noch schlechter sieht es für ihn aus, wenn die Superdelegierten dazugezählt werden. Dabei handelt es sich um Politiker, die von Amtes wegen zur Stimme berechtigt sind: Parteifunktionäre und Mandatsträger, darunter auch ehemalige Präsidenten und Vizepräsidenten. Sie geben ihre Stimmen am Parteitag im kommenden Juli ab. Zurzeit stehen sie mehrheitlich auf der Seite von Clinton. Da sie jedoch – ganz im Gegensatz zu den offiziellen Delegierten – nicht an einen bestimmten Kandidaten gebunden sind, können sie ihre Meinung jederzeit noch ändern.

Mit Blick auf die kommenden Wahlen ist es immer noch möglich, dass Sanders die fehlenden Stimmen wettmachen kann. Seine Hoffnungen ruhen derzeit vor allem auf einem Aspekt: Wenn es zum Duell mit einem republikanischen Kandidaten kommt, sind seine Siegeschancen besser, als jene von Clinton. Dabei spielt es keine Rolle, wer bei den Republikanern das Rennen macht: Sanders gewinnt immer, Clinton nur teilweise – dies prognostizieren die Umfragen.

Das Meinungsforschungsinstitut «Real Clear Politics» hat errechnet, dass Sanders mit 54,7 zu 37,2 Prozent der Stimmen gegen Trump siegen würde. Auch Clinton würde den Republikaner schlagen, allerdings nur mit 50 zu 38,8 Prozent. Würde ein anderer Republikaner ins Rennen steigen, schmölze der Vorsprung für Clinton. Gegen den Südstaatler Ted Cruz hätte sie noch einen knappen Vorsprung von 46,7 zu 43,8 Prozent. Gegen den gemässigteren John Kasich würde sie gemäss Umfrage deutlich verlieren (41,5 zu 48 Prozent). Anders bei Sanders: Er würde sowohl gegen Cruz (49,6 zu 41,2 Prozent) und Kasich (45 zu 44 Prozent) gewinnen.

Die Demokraten müssen sich nun Fragen, ob sie das Risiko eingehen wollen, mit Clinton anzutreten. «Ich bin der bessere Kandidat im Rennen gegen Trump als Clinton», ist Sanders überzeugt. Es ist zurzeit sein stärkstes Argument im Kampf um die Stimmen der Superdelegierten.

Erstellt: 29.03.2016, 15:14 Uhr

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