Hintergrund

Schlag auf Schlag

Donald Trump, Hillary Clinton und die CIA: In seiner Rede am alljährlichen Korrespondenten-Dinner nahm der US-Präsident alles und jeden auf die Schippe – und bewies eine gehörige Portion Selbstironie.

Sorgte für manchen Lacher: Barack Obama spricht während des Korrespondenten-Dinners in Washington.
Video: Reuters

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«Im Ernst, was mache ich eigentlich hier? Ich bin der Präsident der Vereinigten Staaten!» Barack Obamas Worte ertönten in leicht genervtem Ton aus den Lautsprechern des Saals im Hilton Hotel von Washington. Der Präsident selber befand sich zu dem Zeitpunkt noch hinter der Bühne; sein Mikrofon war offensichtlich schon vor seiner Rede am Korrespondenten-Dinner des Weissen Hauses aus Versehen angeschaltet worden.

Selbstverständlich war Obamas Unmut über die bevorstehende Ansprache nur gespielt, ebenso wie der «Hot Mic Moment», das verfrüht eingeschaltete Mikrofon des Präsidenten. Mit seinem humoristischen Einstieg in die Rede am alljährlichen Ball der Politpresse nahm Barack Obama seinen tatsächlichen «Hot Mic Moment» während eines Treffens mit Dmetri Medwedew von letztem Monat auf die Schippe. Das Publikum quittierte die gehörige Portion Selbstironie mit herzhaftem Lachen, schreibt die «Huffington Post».

Donald Trump und die Republikaner

Auf der Bühne folgten dann die Scherze des US-Präsidenten Schlag auf Schlag. Den zunächst ernst anmutenden Rückblick auf Osama Bin Ladens Tötung vor einem Jahr drehte Obama zum Seitenhieb gegen einen Wirtschaftsmogul. «Vor einem Jahr konnten wir endlich an einem der berüchtigsten Individuen Gerechtigkeit üben», sagte der Staatschef. Währenddessen zeigten Leinwände im Saal das Bild von Medienzar Donald Trump. Dieser hatte im vergangenen Jahr kurzzeitig mit einer Kandidatur im republikanischen Wahlkampf geliebäugelt und später behauptet, er habe das «Mysterium» um Barack Obamas Geburtsurkunde gelüftet.

Als nächstes kriegten die Republikaner ihr Fett weg. Den anwesenden Kongressabgeordneten der Partei dankte er, dass sie trotz dem «anstrengenden» Ablehnen von Gesetzen am Dinner teilnehmen konnten. Der Favorit der Grand Old Party im Präsidentschaftswahlkampf, Mitt Romney, erhielt von Obama die Retourkutsche dafür, dass ihn die Republikaner als Snob bezeichnet hatten. «Mitt Romney und ich haben vieles gemeinsam. Wir haben beide einen Abschluss von Harvard. Ich habe einen, er hat zwei. Was für ein Snob!»

Scherze über Hillary und eine ernste Note

Doch auch in seinen eigenen Reihen kamen die Leute nicht ungeschoren davon. Hillary Clinton unterstellte er, dass sie ihm von aktuellen Gipfeltreffen der amerikanischen Staaten in Cartagena, Kolumbien, immer wieder angetrunken SMS schreibe. Den Agenten der CIA, die in einen Sexskandal verwickelt sind, drohte er bei ihrer Rückkehr in die Staaten mit einem Ausgehverbot.

Ob all dem Klamauk fand Barack Obama jedoch auch die Zeit, seiner Rede eine ernstere Note zu verleihen. So gedachte er den Journalisten Anthony Shadid und Marie Colvin, welche während ihrer Berichterstattung in Syrien ums Leben kamen.

Obamas «Slow Jam»

Die Ansprache am Korrespondenten-Dinner des Weissen Hauses war nicht die erste Gelegenheit, während der Barack Obama seinen Sinn für Humor beweisen konnte. Erst letzte Woche war der US-Präsident in der Late-Night-Show des Komikers Jimmy Fallon zu Gast. Dort gab er zusammen mit dem Moderator unter dem Titel «Slow Jam the News» eine Einlage zum besten. Im Stil von Soulgrössen wie Barry White und Isaac Hayes raunten und reimten die beiden über eine Initiative zur Begrenzung von Zinssätzen für Studentenkredite.

Die Aktion hatte Barack Obama Kritik vonseiten Mitt Romneys eingebracht, wie die «Washington Post» berichtet. Dieser hatte moniert, dass der Präsident mit seinem Auftritt ein ernstes Thema «herunterspielte». (kpn)

Erstellt: 30.04.2012, 13:13 Uhr

Amüsiert sich köstlich: Barack Obama lacht über die Witze von Komiker Jimmy Kimmel. (28. April 2012) (Bild: Reuters )

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