Sex, Dollars und Tränen

Der Ringer Hulk Hogan soll Millionen für ein Sexvideo erhalten.

2,10 Meter gross, 150 Kilogramm schwer, 62 Jahre alt und immer noch der erfolgreichste Prügler aller Zeiten: Hulk Hogan.

2,10 Meter gross, 150 Kilogramm schwer, 62 Jahre alt und immer noch der erfolgreichste Prügler aller Zeiten: Hulk Hogan.

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In den Niederungen des Internets lässt sich richtig viel Geld verdienen – und verlieren. 140 Millionen Dollar beträgt die Streitsumme zwischen Hulk Hogan und der Website Gawker.com. Die erste Runde hat der berühmteste Freestyle-Ringer der Welt gewonnen: Eine Jury in Florida hat ihm am Freitag 115 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen, am Montag weitere 25 Millionen. Gawker hatte 2012 einen kurzen Ausschnitt aus einem Video veröffentlicht, das Hogan beim Sex zeigt.

Hulk («Klotz») Hogan ist ein Fels von einem Mann: 2,10 Meter gross, 150 Kilogramm schwer, 62 Jahre alt und immer noch der erfolgreichste Prügler aller Zeiten in jener uramerikanischen Disziplin des «Professional Wrestling», bei der sich grobschlächtige Männer mit wilden Namen, wilden Mähnen und wilden Kostümen gegenseitig Stühle (oder was sonst gerade greifbar ist) an den Kopf werfen, auf einander herumspringen und dann in Tränen ausbrechen, wenn sie zum Sieger erklärt werden. Das Ganze ist detailliert choreografiert, aber trotzdem gefährlich. Dabei war Hogan, eigentlich Terry Gene Bollea, jahrelang der unangefochtene «Weltmeister».

Dass er nebenher Eheprobleme hatte und 2007 mit der Frau seines besten Freundes ins Bett ging – das kann jedem passieren. Besagter bester Freund (ein fülliger Radio-DJ mit dem vielsagenden Namen «Bubba the Love Sponge» – etwa: «Brummi der Liebesschwamm») gab dazu seine Zustimmung. Dass «Bubba» dabei allerdings eine Kamera laufen liess – wer konnte das schon ahnen? Das wusste nicht mal die Frau, wie sie unter Tränen vor Gericht aussagte.

2012 wurde die Aufnahme von unbekannten einschlägigen Websites angeboten – die darüber berichteten, das Video aber nicht brachten. Gawker («Glotzer») allerdings litt gerade an einer Klickzahl-Dürre und griff zu. Anderthalb Minuten Hulk Hogan in Schwarzweiss mit einer kaum erkennbaren Frau in einem Himmelbett bescherten der Site vier Millionen Klicks.

Das Verfahren nun zu einem Präzedenzfall für die Pressefreiheit zu stilisieren (was Gawker versucht), ist gewagt. Gawker ist berüchtigt für den fiesen Umgang mit seinen Opfern. Trotzdem behauptet der Laden, vor dem Berufungsgericht gute Chancen auf einen Freispruch zu haben. Andernfalls wird dieses Urteil Gawker und seine Mutterfirma in den Bankrott treiben. Was die wenigsten bedauern würden.

Dass Hogan sich seinerseits 140 Millionen Dollar tief in seiner Privatsphäre verletzt fühlt, ist auch ziemlich überzogen. Immerhin hat er sein Privatleben jahrelang als TV-Show inszeniert für ein Trashpublikum, für das RTL 2 als edel durchgehen würde. Die Jury in Florida sah das anders – und machte den bestbezahlten Ringer nun auch zum mit Abstand am besten bezahlten Pornostar. Als das Urteil verkündet wurde, brach der Klotz in Tränen aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2016, 22:49 Uhr

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