Showdown in der Armutshochburg

Donald Trumps Show in Cleveland hat begonnen. Welten aber trennen die republikanischen Besucher von der Stadt.

Durch die republikanische Brille: Die Texanerin Barbara Hauser wartet auf die Kick-off-Party «Rock the Night» am Sonntag in Cleveland, Ohio. Foto: Aaron Josefczyk (Reuters)

Durch die republikanische Brille: Die Texanerin Barbara Hauser wartet auf die Kick-off-Party «Rock the Night» am Sonntag in Cleveland, Ohio. Foto: Aaron Josefczyk (Reuters)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit einem verhangenen Himmel begrüsst Cleveland die Krönungsshow des Donald Trump. Vier Tage bis einschliesslich Donnerstag wird der republikanische Präsidentschaftskandidat Gelegenheit haben, aus seiner Kathedrale, der Quicken Loan Arena, mit Pomp und Reden auf die Amerikaner einzuwirken.

Nicht zum ersten Mal sind die Republikaner hier: 1924 nominierte die Partei Calvin Coolidge in Cleveland zum Präsidentschaftskandidaten. «Das wird eine langweilige Show», stöhnte der berühmte Publizist H. L. Mencken damals.

100 nackte Frauen posierten in Cleveland für den Aktionskünstler Spencer Tunick und gegen die Republikaner. Video: Reuters

Diesmal dürfte kaum Langeweile aufkommen: In den Strassen Clevelands sind Demonstrationen geplant, Tausende Polizisten und Sicherheitskräfte sollen für Ordnung sorgen. Die Stadt gleicht einem belagerten Ort, darin 50'000 Besucher. Politisch betrachtet sind Trump und die republikanischen Delegierten des Parteitags eine Besatzungsmacht, da Cleveland eine überwiegend demokratische Stadt ist.

Und eine arme Stadt: Nicht einmal einen Kilometer von der Quicken Loan Arena beginnen die Slums, Reihen von Backsteingebäuden mit vergitterten Fenstern und müllübersäten Strassen. Unkrautüberwucherte Lücken sind dort, wo früher Häuser standen, die von ihren Bewohnern aufgegeben wurden.

Nicht an die Einwohner gerichtet

Eine mehrheitlich afroamerikanische Stadt mit einer extrem hohen Armutsrate von nahezu 40 Prozent ist Cleveland, dazu eine Kommune mit einer schrumpfenden Bevölkerung. Über 900'000 Menschen lebten 1950 in ihr, heute sind es nicht einmal 400'000, noch immer nimmt die Bevölkerung ab. An die Einwohner Clevelands aber richtet sich Trumps Show sowieso nicht: In Cleveland möchte sich der Kandidat dem gesamten Land als Mann für Recht und Ordnung empfehlen, als Macher, der die Dinge in einer zusehends unsicheren Welt schon richten wird. Nach den Polizistenmorden in Dallas und Baton Rouge wird Trump dieses Thema erst recht besetzen, gleich der erste Abend des Parteitags am Montag ist innerer und äusserer Sicherheit gewidmet.

Showgrössen und Entertainment wollte Trump auf seinem Parteitag aufbieten, doch viel ist davon nicht übrig geblieben: Hollywoodstars werden nicht auftreten, sogar mindere Grössen wie Ex-Footballspieler Tim Tebow wollen dem Parteitag fernbleiben. Ebenfalls abgewinkt haben frühere republikanische Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten wie Mitt Romney und John McCain sowie viele republikanische Senatoren und Gouverneure.

Vize Pence lieferte einen Vorgeschmack

Dafür sind 15'000 Journalisten nach Cleveland geströmt, darunter auch Vertreter von Medienorganisationen wie der «Washington Post» und BuzzFeed, denen Trump den Zugang zu seinen Veranstaltungen verwehrte, weil sie kritisch über ihn berichtet hatten. In Cleveland konnte er sie nicht aussperren, da die Zulassung für Journalisten vom Medienbüro des Kongresses in Washington geregelt wurde. Heute Abend also beginnt Trumps Show, ein Wunder wäre es, wenn sie glatt über die Bühne ginge. Schon eher dürfte die verpatzte Vorstellung von Trumps Vize Mike Pence am Samstag einen Vorgeschmack auf Cleveland geliefert haben: Trump quasselte vor allem über sich selber, Pence stand daneben und schaute zu.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2016, 21:22 Uhr

Artikel zum Thema

Die Republikaner schaufeln sich in Cleveland ihr eigenes Grab

Analyse In der republikanischen Partei gelten heute Ignoranz und Besserwisserei als Tugend. Mehr...

Kundgebung gegen den «schmutzigen Kapitalisten»

Noch bevor der Parteitag der Republikaner in Cleveland überhaupt eröffnet ist, kam es zu Demonstrationen gegen Donald Trump. Mehr...

Trump-Fans wollen doch nur feiern

Wahltheater Am Montag beginnt Donald Trumps Krönungsveranstaltung in Cleveland. Doch an der Party der Republikaner drohen Randale. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Täuschung: Der Roboterandroid Totto ist der japanischen TV Ikone Tetsuko Kuroyanagi nachempfunden. Er wurde im Rahmen des Weltroboterkongresses in Tokio präsentiert. (17.Oktober 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...