Sie haben die eigentliche Macht in den USA

Fox News fungiert als Bauchredner und Donald Trump als Puppe: Der Präsident twittert, was Rupert Murdoch serviert.

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Als Ronald Reagans Wahlkampfmanager Bill Casey nach dem Wahlsieg seines Kandidaten als Belohnung den Posten des Aussenministers begehrte, schob Nancy Reagan einen Riegel vor. Casey, argumentierte die künftige First Lady, gebe nichts her: Schlecht sitzende Anzüge, Haare wie Einstein, vom Zuschnitt eben kein Diplomat.

Casey musste mit dem Posten des CIA-Direktors vorliebnehmen, der zackige Ex-General Alexander Haig wurde Reagans erster Chefdiplomat. Was eine Ausnahme war, ist seit Donald Trump gang und gäbe: Wer dem Präsidenten durch kinogerechtes Auftreten im TV gefällt, ihn verteidigt, preist und zu radikalen Positionen anstiftet, kann dieser Tage in Washington rasant Karriere machen.

Besonders wenn die Anbetung Trumps auf Fox News erfolgt, dem Haussender des Präsidenten, dem er komaglotzend täglich folgt. So besehen sind die eigentliche Macht im Lande nicht Trump und seine Kongressrepublikaner, sondern Rupert Murdoch, der Eigentümer von «Fox News», und reaktionäre Star-Moderatoren wie Sean Hannity oder Laura Ingraham.

Trump gelobt, Job erhalten

Bisweilen genügt es, eine schnittige Figur abzugeben und von der Rollenbesetzung her ideal zu sein – wie Trumps neuer Veteranenminister Dr. Ronny Jackson. Nachdem Trump David Shulkin, den bisherigen Chef des Veteranenministeriums, per Tweet gefeuert hatte, beförderte er seinen Leibarzt zum neuen Minister. Vom Casting her ist die Wahl ideal: Jackson ist Marinearzt im Rang eines Admirals, trägt also eine schmucke Uniform. Er ist telegen und könnte problemlos neben George Clooney spielen.


Video: Dr. Ronny Jackson

Trumps Leibarzt wird neuer Minister für Kriegsveteranen. (Video: Reuters/Tamedia)


Für den neuen Job qualifiziert ist Jackson nicht wirklich, was in Trumps Dilettanten-Administration nichts heissen muss. Im Personalbüro des Weissen Hauses sitzen beispielsweise Twens, die Trumps Ernennungen überprüfen und wegen ihrer Drinkangebote am Arbeitsplatz – Smirnoff-Wodka auf Eis! – als Power-Lounge dienen. Hier zählt vor allem Linientreue, und die Fussoldaten des Personalbüros waren schon im Wahlkampf treu auf Linie, weshalb sie mit Jobs belohnt wurden.

Was Admiral Jackson betrifft, so liebte Trump dessen soliden TV-Auftritt nach der ärztlichen Überprüfung des Präsidenten im Januar: Trump sei super gesund, alles prima, seine genetische Veranlagung beneidenswert, befand Jackson. Nun wird der Admiral Minister, derweil sich sein Boss täglich Anregungen von «Fox News» holt.

Karawane bei Fox, Karawane bei Trump

So etwa am Ostersonntag: Wenn es um die Gefahren der Einwanderung und den miesen Charakter von Migranten geht, zielt Murdochs ideologische Schleuder geradewegs auf Trumps Hirn. «Eine Karawane illegaler Einwanderer kommt auf uns zu», entsetzte sich der TV-Sender an Ostern: Migranten aus Zentralamerika und besonders aus dem ausgelaugten Honduras befänden sich bereits in Mexiko!

Trump sass offensichtlich mal wieder vor der Glotze – und erlebte einen österlichen Freak-out. Die Grenze zu Mexiko werde «gefährlicher, ‘Karawane’ kommt», twitterte er und drohte Mexiko mit dem Ende des NAFTA-Freihandelsvertrags, wenn die Grenze nicht besser geschützt werde. Gewiss hatte es in Trumps Oberstübchen schon vorher rumort: Das zentrale Epos seines Gesamtkunstwerks, die «Mauer» mit Mexiko, kommt nicht von der Stelle, sogar die Parteifreunde im Kongress wollen kein Geld dafür bereitstellen.

Und nun also die Karawane! Trump twitterte sich seinen Frust von der Seele, die Vorgabe aber hatte mal wieder Fow News geliefert. Dort nimmt die Anbetung des Präsidenten inzwischen groteske Züge an. Man weiss natürlich, das Trump die Steilvorlagen von «Fox News» liebend gerne aufgreift. Ebenfalls bekannt ist, dass eine blinde Verteidigung des Präsidenten in einer wie immer gearteten Sache unweigerlich Trumps Aufmerksamkeit erregt.

«Die Trump-Götzendiener zerstören den Sender»

Nicht alle Kombattanten bei Fox News prostituieren sich jedoch als Ideenlieferanten und Haubitzen für Trump: Neulich kehrte Ex-Obrist Ralph Peters, ein Militär- und Geheimdienstexperte, dem Sender geekelt den Rücken. Nicht die Ratten hätten das sinkende Schiff verlassen, sondern die besten Seeleute. Sie seien vertrieben worden, dröhnte Peters. «Die Trump-Götzendiener und fröhlich heuchlerischen Moderatoren zerstören den Sender», verabschiedete sich der Oberstleutnant a.D. von Murdochs Agitprop-Orgel.

Wer aber wollte es den Götzendienern übelnehmen? Die Karriere! Der Einfluss! Vielleicht schaltet Trump mal irgendwann in einem Anflug geistiger Verwirrung den falschen Kanal ein und landet auf CNN. Die amerikanische Politik drehte sich um 180 Grad, der Präsident fuhrwerkte alsbald wie ein Linker im Weissen Haus herum. Sicherlich dürften sich schnittige CNN-Moderatoren wie Anderson Cooper oder Don Lemon Hoffnungen auf hohe Ämter machen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.04.2018, 07:52 Uhr

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