Sie hat keine Lust, für Obama zu arbeiten

Michèle Flournoy hätte die erste Verteidigungsministerin der USA werden können. Doch sie sagte US-Präsident Barack Obama ab.

Wollte mehr Spielraum als Chuck Hagel: Michèle Flournoy. (Archivbild)

Wollte mehr Spielraum als Chuck Hagel: Michèle Flournoy. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Topfavoritin auf die Nachfolge von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat sich offenbar selbst aus dem Rennen um den Posten genommen. Michèle Flournoy sagte US-Präsident Barack Obama, sie sei nicht interessiert daran, Ministerin zu werden. Das berichtete eine ihr nahestehende Person der Nachrichtenagentur AP. Zunächst hatte das Magazin «Foreign Policy» darüber berichtet.

Die AP-Quelle berichtete, die 53-Jährige sei unsicher, ob sie mehr Spielraum als Hagel bekommen würde, der in seiner Amtszeit recht blass geblieben war. Auf Drängen von Obama hatte er am Montag nach knapp 20 Monaten im Amt seinen Rücktritt eingereicht.

Obamas Personalproblem

Flournoy wurde zuvor als aussichtsreichste Anwärterin gesehen und wäre die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums gewesen. Sie war bis 2011 strategische Leiterin im Pentagon, ehe sie aus Familiengründen in eine Denkfabrik wechselte, die sie mitgegründet hatte.

Die mutmassliche Entscheidung Flournoys unterstreicht die Probleme, die Obama dabei haben wird, einen geeigneten Kandidaten für das Amt zu finden. Seine Regierung wird in den USA scharf für ihr Vorgehen in den Krisenherden der Welt kritisiert. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Bernadette Meehan, liess ausrichten: «Der Präsident prüft eine Reihe von sehr qualifizierten Kandidaten. Ich habe zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Bekanntgabe von Personalien zu machen.»

Zwei mögliche Namen

Als weiterer Kandidat wird unter anderem der derzeitige Heimatschutzminister Jeh Johnson angesehen, der schon einmal einen hohen Posten im Pentagon innehatte. Er wird im Weissen Haus sehr geschätzt, unter anderem für seine monatelange Arbeit an der Einwanderungsreform, die Obama vergangene Woche vorgestellt hatte. Wegen der von den Republikanern arg kritisierten Reform der Immigration könnte es jedoch nach seiner Nominierung Probleme bei der Bestätigung Johnsons als Verteidigungsminister geben. Ein weiteres Problem des Präsidenten wäre zudem, dass er anschliessend im Heimatschutzministerium einen weiteren Ministeriumsposten neu besetzen müsste.

So könnte es möglicherweise auf einen von zwei Pentagon-Vertrauten hinauslaufen: Ashton Carter, bis zum vergangenen Jahr der zweithöchste Amtsträger im Pentagon, werden ebenso Chancen ausgerechnet wie Robert Work, der derzeit Hagels Stellvertreter ist. (chk/AP)

Erstellt: 26.11.2014, 04:03 Uhr

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