Porträt

Sie sagt Miststück und meint es als Kompliment

Die amerikanische Komikerin Tina Fey schlägt in ihren Memoiren nach allen Seiten aus. Die Parodien der republikanischen Kandidatin Sarah Palin verhalfen ihr zum Durchbruch.

«Bitch is the new black»: Tina Fey humoristisch über Hillary Clinton.

«Bitch is the new black»: Tina Fey humoristisch über Hillary Clinton. Bild: Keystone

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Sind Frauen weniger lustig als Männer? Können Mütter richtig arbeiten? Ist Hillary Clinton ein Miststück? Hat Sarah Palin alle Tassen im Schrank? Tina Fey weiss auf all diese Fragen eine Antwort und auf vieles mehr, nach dem sie niemand gefragt hat.

Die 40-jährige Komikerin wurde weltberühmt mit ihren Parodien der republikanischen Kandidatin Sarah Palin. Bei uns ist sie in der von ihr entwickelten, hoffnungslos komischen Fernsehserie «30 Rock» zu geniessen, in der sie eine schusslige Version von sich selber spielt. Soeben hat sie ihre Memoiren veröffentlicht. Zieht damit durch die USA und löst einen Schub von Rezensionen, Reaktionen, Einsprüchen und Zusprüchen aus. Dass sie zum zweiten Mal schwanger geworden ist, wird sogar in der Schweiz vermeldet. Tina Fey, als Kind deutscher und griechischer Vorfahren am Rand von Philadelphia aufgewachsen, debütierte als Stand-up-Komikerin in Chicago und schrieb Drehbücher. Jetzt ist sie ein Star geworden. Und ein Sexsymbol für alle Männer, wie der «New Yorker» schreibt, «die lesen können, ohne die Lippen zu bewegen».

Sie knüpft sich auch Frauen vor

«Bossypants», wie Feys Memoiren untertitelt sind, ist ein Buch zum Lachen. Auf dem Titelbild ist die zartgliedrige Frau mit zwei dicken, behaarten Männerarmen zu sehen, was sich als visuelle Antwort auf Fragen eins und zwei verstehen lässt; Frauen sind genauso lustig wie Männer, aber dazu muss man sie erst mal lustig sein lassen. Fey ist die erste Frau, die in der Satiresendung «Saturday Night Live» das Schreibteam anführte, und sie schreibt ziemlich boshaft darüber, wie sie als arbeitende Mutter behandelt wurde. Das hindert sie natürlich nicht daran, sich auch die Frauen vorzunehmen. In «30 Rock» spielt Tina Fey eine betont burschikose Chefin, die weit weniger souverän mit Macht und Konkurrenz umgeht, als sie selber behauptet – sympathisch und schlagfertig zwar, aber auch neurotisch und gelegentlich rücksichtslos. Am allerwenigsten scheint Tina Fey sich selber ernst zu nehmen.

Das dürfte Sarah Palin nicht getröstet haben. Feys mitleidlose Parodie der Republikanerin trug zu deren Demontage einiges bei; am schlimmsten war es aber immer, wenn die Komikerin die Politikerin wörtlich zitierte. Die Republikaner tobten natürlich, Tina Fey lässt das bis heute kalt: Palin sei eine starke Frau, schreibt sie, also brauche sie weder Schonung noch Mitleid.

«Kommunistisches Monster»

Dass der bekennenden Linken die Auftritte als grelle Rechte genützt haben, glaubt sie nicht: «Die Einschaltquoten meiner kleinen Fernsehserie waren nachher genauso tief wie vorher.» Das Einzige, was ihr die Parodie eingebracht habe: «Halb Amerika hält mich seither für ein kommunistisches Monster.» Was Hillary Clinton betrifft, hält Tina Fey diese tatsächlich für ein Miststück, meint das aber als Kompliment. «Bitch is the new black», skandierte sie erstmals, als Clinton bei den Vorwahlen gegen Barack Obama antrat. Schon vorher forderte Fey die Gleichberechtigung im Gemeinsein. Und egal wie sie das Recht ausübt, ob als Autorin, Drehbuchautorin oder Schauspielerin: Sie ist unglaublich komisch.

Selbst die Natur scheint sich an den Memoiren der Tina Fey zu erfreuen. Neben anderen Lobpreisungen sind auf dem hinteren Buchumschlag die Bäume zitiert, die ihr zuliebe zu Fall gebracht und zu Papier gemacht wurden: «Es hat sich gelohnt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2011, 08:05 Uhr

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Buch

Tina Fey: Bossypants. Reagan Arthur Books. Derzeit erst in Englisch erhältlich.

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