Sie will doch nur ihr normales Leben zurück

Nafissatou Diallo stand im Zentrum der Sexaffäre Strauss-Kahn. Das verfolgt sie bis heute.

Nafissatou Diallo vor einem Gericht in New York (10. Dezember 2012). Foto: Seth Wenig (AP, Keystone)

Nafissatou Diallo vor einem Gericht in New York (10. Dezember 2012). Foto: Seth Wenig (AP, Keystone)

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Während ihr Angreifer in Frankreich unter dem Verdacht der Zuhälterei vor Gericht steht, will Nafissatou Diallo die Vergangenheit vergessen und ihr Leben noch einmal neu beginnen. Die 39-jährige Frau, die von Dominique Strauss-Kahn angeblich gewaltsam zu Sex gezwungen wurde, hat in New York ein Restaurant eröffnet. Und sie hat Erfolg damit. Doch hoffte sie, unerkannt zu bleiben und in aller Ruhe ihr Geschäft betreiben zu können. Doch dies ist ihr nicht vergönnt. Der Schatten des diskreditierten Ex-Chefs des Weltwährungsfonds verfolgt sie weiter.

Aufgespürt in ihrem neuen Umfeld hat sie der französische Radiosender RTL. Dessen Beitrag setzte eine Heerschar von Journalisten an die Boston Road in der Bronx in Gang. Dort hat die Frau ein kleines Restaurant übernommen. Chez Amina ist ein Treffpunkt für Handwerker, Taxifahrer und Angehörige der westafrikanischen Einwanderer in New York. Diallo serviert Fastfood, Suppen und Salate, aber auch Gerichte, die den islamischen Halal-Speiseanforderungen entsprechen. «Sie macht den besten Food, den ich kenne», sagt Taxifahrer Abdul Jamal.

Wenn Journalisten auftauchen, zieht sich auch Diallo zurück. In den letzten Tagen schloss sie das Restaurant vorübergehend, als der Medien­ansturm zu gross wurde. Ihr Anwalt erklärt, sie wolle in Ruhe gelassen werden. Was aber den Neubeginn betrifft, so wäre sie viel lieber Zimmermädchen im Sofitel Hotel geblieben, sagt er.

1,5 Millionen Dollar bezahlt

Doch diese Wahl hatte sie gar nicht. Sie verlor wegen des Wirbels um Strauss-Kahn ihre Stelle. Obwohl die Beweislage zunächst eindeutig erschien, konnte sich der Angreifer einer Klage entziehen und nach Frankreich zurückreisen. Strauss-Kahn bestritt nie, dass er Sex mit der Frau hatte, doch habe sie freiwillig ins Tête-à-Tête eingewilligt. Dennoch unterzeichnete er schliesslich einen Vergleich in der Höhe von 1,5 Millionen Dollar, um einen Prozess zu vermeiden. Anzunehmen ist, dass Diallo etwa zwei Drittel davon erhielt und ihr Anwalt ein Drittel.

Die aus Guinea stammende Frau war allerdings schlecht beraten, als sie zuliess, dass der zuvor kaum bekannte Anwalt Kenneth Thompson ihre Verteidigung übernahm. Er schaltete sich ungefragt ins Verfahren ein und erklärte, es sei ihm ein Anliegen, den Ruf des Opfers wiederherzustellen.

Tatsächlich aber brauchte er den Fall, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern und seine Kandidatur für die Staatsanwaltschaft zu befördern. Diallo schien sich dieser Hintergründe nie bewusst zu sein.

Dies zeigte sich, als sie seinem stupiden Ratschlag folgte, ihre Identität in Interviews aufzudecken. Dies erst erlaubte den Anwälten von DSK, sie öffentlich schlechtzumachen und ihre Klage zu unterminieren. Die Dreckkampagne gipfelte in einem Artikel des Boulevardblattes «New York Post», in dem Diallo als Prostituierte betitelt wurde. Der Anwalt habe es eigenhändig fertiggebracht, fasste die National Organization of Women resigniert zusammen, «dass DSK nie vor Gericht gestellt wird».

Aus dieser Erfahrung des doppelten Opfers ist nachvollziehbar, wenn die Frau nichts mehr mit den Medien zu tun haben will. Ein Trost ist, dass die Gäste Verständnis haben. Sie geben ihr die zweite Chance, die ihr die Justiz verweigert hatte.

Erstellt: 08.02.2015, 23:19 Uhr

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