Sie zahlen einen hohen Preis für ihre Aussage gegen Trump

Zeuge in einem Impeachment-Verfahren zu sein, ist kein Zuckerschlecken. Morddrohungen sind an der Tagesordnung.

Jennifer Williams, Mitarbeiterin im Stab von Vizepräsident Mike Pence, und Oberstleutnant Alexander Vindman sagten am Dienstag aus. Insbesondere Irakveteran Vindman wird von Republikanern massiv angefeindet. Bild: Keystone

Jennifer Williams, Mitarbeiterin im Stab von Vizepräsident Mike Pence, und Oberstleutnant Alexander Vindman sagten am Dienstag aus. Insbesondere Irakveteran Vindman wird von Republikanern massiv angefeindet. Bild: Keystone

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Gegen einen amerikanischen Präsidenten auszusagen, ist nichts für schwache Gemüter. Bei den Impeachment-Anhörungen in der Ukraineaffäre werden Zeugen bedroht und verleumdet – oder als vorbildliche Lichtgestalten gefeiert, je nach dem politischen Standort des Kommentatoren.

Für die Demokraten und liberalen Medien wie die «New York Times» ist Marie Yovanovitch, die ehemalige US-Botschafterin in der Ukraine, eine Heldin, für den Präsidenten und seinen republikanischen Fanclub hingegen ist sie eine unfähige Bürokratin.

Auszusagen und Donald Trump dabei in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen, kann sogar gefährlich sein. Es hagelt Drohungen, man wird als Verräter oder Bürokrat im Dienste des «Deep State» diffamiert.

Marie Yovanovitch wird konfrontiert mit Trumps angriffigem Tweet, den er während ihrer Aussage absetzte. (Video: Tamedia)

Im Fall des Oberstleutnants Alexander Vindman, der am Dienstag vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses aussagte, äusserten republikanische Freunde Trumps sogar Zweifel an der Vaterlandstreue des Zeugen. War er nicht als Dreijähriger aus der Ukraine eingewandert? Ausserdem hatte ein ukrainischer Offizieller bei dem Oberstleutnant angefragt, ob er Verteidigungsminister in Kiew werden wolle!

Vindmans Loyalität wurde infrage gestellt, obwohl der Oberstleutnant hochdekoriert ist und im Irak verwundet wurde. Er fühlte sich wohl auch deshalb bemüssigt, zu Beginn seiner Einvernehmung am Dienstag seinen Vater zu beruhigen: «Mach dir keine Sorgen, mir gehts gut, weil ich die Wahrheit sage», richtete sich Vindman im Fernsehen an seinen Vater.

Vindman spricht sich am Dienstag klar gegen Trump aus. (Video: Tamedia)

Trotzdem hat die US-Armee ein Auge auf ihn und seine Familie: Man werde «gewährleisten», dass Vindmans Sicherheitsbedürfnisse «erfüllt werden», sagte ein Pentagon-Offizieller dem «Wall Street Journal». Notfalls müssten der Oberstleutnant und seine Familie zeitweilig in einer Kaserne leben.

Diffamiert und bedroht

Alexander Vindman ist nicht der erste Amerikaner, der einen Preis für seine Aussage bei einem Amtsenthebungsverfahren gegen einen Präsidenten entrichtet. Als Richard Nixons Rechtsbeistand John Dean beim Watergate-Skandal 1974 vor dem Kongress aussagte und Nixon dabei anschwärzte, verschwand er anschliessend wegen ernst zu nehmender Morddrohungen zeitweilig im Zeugenschutzprogramm des FBI.

Ähnlich erging es Linda Tripp, einer Regierungsangestellten im Pentagon, die 1998 den Lewinsky-Skandal und das nachfolgende Impeachment Bill Clintons mit ins Rollen brachte. Sie wurde von Clintons Anhängern diffamiert und bedroht. Danach sei es fast unmöglich geworden, ihren guten Namen wiederzuerlangen, sagte Tripp 2018. Nichts lasse sich mit einem Impeachment vergleichen, «und es gibt nichts, was dich darauf vorbereiten könnte».

Video: Impeachment in 108 Sekunden erklärt

US-Korrespondent Alan Cassidy erklärt, wie das Verfahren gegen Trump abläuft. (Video: Alan Cassidy, Adrian Panholzer, Sarah Sbalchiero)

Zeugen wie Vindman oder Marie Yovanovitch würden Tripp sicherlich beipflichten. Ihre Auftritte vor dem Geheimdienstausschuss haben ihr Leben aus dem Gleichgewicht gebracht, es wird Zeit brauchen, bis wieder Normalität in ihren Alltag einziehen wird. Denn einem Präsidenten in die Quere zu kommen, vor allem einem Präsidenten wie Donald Trump, hat Konsequenzen.

Wer hingegen bei Ermittlungen im Kongress einem Präsidenten die Treue hält und die Opposition blossstellt, kann sich in eine neue Karriere katapultieren. So erging es dem Oberstleutnant Oliver North 1987 beim Iran/Contra-Skandal, der Ronald Reagan fast ein Amtsenthebungsverfahren eingetragen hätte. North liess Reagans demokratische Widersacher bei seiner Einvernehmung abblitzen und wurde zu einer Celebrity. Er brachte es sogar zum Präsidenten der Waffenlobby NRA.

Podcast «USA: Entscheidung 2020» Hören Sie sich die neuste Folge des Podcasts «Entscheidung 2020» mit USA-Korrespondent Alan Cassidy und Philipp Loser auch auf Spotify oder auf iTunes an.


Erstellt: 20.11.2019, 11:52 Uhr

Die nächsten Aussagen

Noch fünf Zeugen sind vorgeladen

Mittwoch, 15 Uhr MEZ (9 Uhr EST)


  • Gordon Sondland, US-Botschafter in der EU. Seine Aussage wird mit Spannung erwartet. Er hat im Vorfeld für Aufregung gesorgt, weil er seine Aussage vor dem Geheimdienstausschuss nachträglich geändert hat.

Mittwoch, 20:30 Uhr MEZ (14:30 Uhr EST)

  • Laura Cooper, Mitarbeiterin im Verteidigungsministerium. Sie wird zur Verzögerung der Gelder an die Ukraine Auskunft geben.

  • David Hale, von den Republikanern vorgeladen, arbeitet im Aussenministerium

Donnerstag, 15 Uhr MEZ (9 Uhr EST)

  • Fiona Hill, ehemalige Russland-Spezialistin im Sicherheitsrat, äussert sich zu Trumps Anwalt Rudy Giuliani und dessen Rolle in der Ukraine-Affäre.

  • David Holmes, erst am Montag auf die Zeugenliste gesetzt. Der US-Diplomat soll zu einem Gespräch zwischen Trump und Sondland Auskunft geben.


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