So lief der Kalte-Krieg-Krimi ab

Codenamen wie «Pagagei», heimliche Geldübergaben, verschlüsselte Funkbotschaften, mühevoll aufgebaute falsche Identitäten: Die enttarnten Spione in den USA sind für Drehbuchautoren eine grosse Inspiration.

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Wie ein Spionageroman aus den Zeiten des Kalten Krieges lesen sich die Anschuldigungen des US-Justizministeriums. US-Ermittler haben einen mutmasslichen Spionage-Ring enttarnt, der seit vielen Jahren versucht haben soll, Informationen für Moskau zu sammeln. Der Kalte Krieg ist lange vorbei; aber wenn die Vorwürfe stimmen, dann versucht Russland auch heute noch mit grossem Fleiss, in den USA an geheime Informationen zu gelangen.

Die Vorwürfe der US-Behörden richten sich gegen elf mutmassliche Undercover-Agenten, die teilweise schon seit Anfang der 90er Jahre in den USA leben. Sie gaben sich als Ehepaare aus, versuchten jede Verbindung zu Russland zu vertuschen und sich so amerikanisch wie möglich zu geben. Den Ermittlern zufolge gaben die Verdächtigen an, Bürger der USA, Kanadas oder Perus zu sein. Ihre tatsächliche Nationalität wurde zunächst nicht mitgeteilt. In einem Versteck fanden die Ermittler Geburtsurkunden, etwa die eines bereits 2005 verstorbenen Kanadiers, mit denen offenbar falsche Identitäten geschaffen werden sollten.

Codenamen «Katze» und «Papagei»

Die Aufgabe der Agenten: Informationen sammeln und an den russischen Auslandsgeheimdienst SWR weiterleiten, den Nachfolger des berüchtigten KGB. Den Ermittlern zufolge ging es dabei unter anderem um die US-Politik gegenüber Afghanistan und dem Iran. «Ihre Ausbildung, Bankkonten, Auto, Haus usw. – all dies dient einem Ziel: ihre Hauptmission zu erfüllen, das heisst Verbindungen in Politik-Kreise in den USA aufzutun und zu entwickeln», zitiert die Bundespolizei FBI aus einer entschlüsselten Botschaft. Mögliche Quellen erhielten Codenamen wie «Katze» und «Papagei».

Dabei unterhielten die Agenten enge Kontakte zum Hauptquartier des SWR in Moskau. Botschaften wurden teilweise über verschlüsselte Funkverbindungen abgesetzt. Die Agenten nutzten aber auch hochmoderne Techniken wie Steganography, bei der Informationen in Bilder eingearbeitet werden, bevor diese im Internet veröffentlicht werden. Für das blosse Auge sind diese Botschaften nicht erkennbar, nötig für die Entschlüsselung ist eine spezielles Computerprogramm. Eine auch vom SWR genutzte Software fanden Ermittler in Häusern mehrerer Verdächtiger.

Seit 2000 ermittelt

Geld erhielten die Agenten von russischen Kontaktleuten, wenn die Vorwürfe stimmen sogar von russischen Diplomaten bei den Vereinten Nationen. 2006 beobachteten Ermittler zwei Verdächtige, die im US-Bundesstaat New York Geld ausgruben, das zwei Jahre zuvor vergraben worden war.

Die Anti-Spionage-Abteilung des FBI war den Agenten offenbar schon früh auf die Spur gekommen, detaillierte Überwachungsnotizen gibt es schon aus dem Jahr 2000. Die Ermittler durchsuchten heimlich die Häuser der Verdächtigen und brachten Wanzen an, installierten GPS-Sender an ihren Fahrzeugen und Überwachungskameras in von ihnen genutzten Hotelzimmern, sie lasen die E-Mails der Verdächtigen und hörten Telefongespräche ab.

«Absolut nicht ungewöhnlich»

Als die Ermittler schliesslich zuschlugen und in vier Bundesstaaten zehn der Agenten festnahmen, rieben sich die Nachbarn verwundert die Augen. Er habe absolut nichts Ungewöhnliches im Verhalten des mutmasslichen Agentenpaares ausmachen können, das jahrelang in seiner Nachbarschaft lebte, sagt Jonathan Kroll in einem ruhigen Wohnviertel von Yonkers, einer Stadt nördlich von New York. Normale, nette Nachbarn seien sie gewesen, nur die beiden Hunde hätten nachts immer gebellt, was störend gewesen sei. (sam/afp)

Erstellt: 29.06.2010, 14:50 Uhr

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