Stasibook

Jetzt nützt Facebook dem Geheimdienst noch mehr.

Black Hat nennt sich eine Konferenzreihe zur Informationssicherheit. Foto: Bloomberg

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Wir werden nicht nur überwacht und mitgelesen und abgehört: Wir helfen dabei auch mit. Was der Staatssicherheitsdienst der DDR einst mit seinem Netz von Informellen Mitarbeitern (IM) sicherstellte, die Bespitzelung der Bürgerinnen und Bürger durch Kollegen, Freunde und Ehepartner, stellen die Abonnenten von Facebook selbst ins Netz.

Konsequenterweise spricht Jacob Appelbaum von «Stasibook». Entscheidend für die Geheimdienste seien ja nicht die einzelnen Daten, sagt der amerikanische Hacker, sondern ihre Vernetzbarkeit. Das Ziel sei «a narrative», eine durchgängige Erzählung über die Bürger.

Mark Zuckerberg, Mitbegründer von Facebook, hält nichts von der Privatsphäre. Und er ist zum wichtigsten IM der National Security Agency (NSA) geworden. Seit gestern liefert er dem amerikanischen Geheimdienst weiteres Erzählmaterial: Die neuen Datenrichtlinien und Geschäftsbedingungen von Facebook machen die Nutzer noch transparenter. So kann Facebook jetzt den aktuellen Standort des Empfängers dazu verwenden, Werbeanzeigen und Neuigkeiten von Freunden aus der Umgebung zu schalten. Dank des neuen Kaufknopfs lassen sich die Einkaufsgewohnheiten und Zahlungsdaten zu einem Personenprofil kombinieren. Zudem darf Facebook auch auswerten, welche Websites die Nutzer aufgesucht haben und was für Apps sie verwenden.

Jacob Appelbaum wird vom amerikanischen Geheimdienst observiert. Die Polizei kontrolliert ihn am Flughafen, sein Laptop und sein Handy werden immer wieder behändigt. An einer Veranstaltung von «Occupy Wallstreet» warnte er, jeder im Saal werde wohl nachrichtendienstlich erfasst; er sei ja in seiner Nähe. Das war im April 2012. Ein Jahr später begann der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden, das Ausmass der geheimdienstlichen Überwachung mithilfe des «Guardian» öffentlich zu machen. «Citizenfour», der hervor­ragende Dokumentarfilm von Laura Poitras über den Mann und das Thema, kommt im Februar ins Kino. Werden die Zuschauer über ihr Handy erfasst werden? Ein paranoider Gedanke.

Paranoiker sind Leute, die alle Fakten kennen wollen.

Erstellt: 30.01.2015, 20:38 Uhr

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