Susan Rice wird Hillary Clinton nicht beerben

US-Präsident Obamas wichtigste aussenpolitische Beraterin hat ihre Kandidatur als Aussenministerin zurückgezogen. Ein Terroranschlag wurde für Susan Rice zum Stolperstein.

Gegen ihre Kandidatur regte sich bei den Republikanern heftiger Widerstand: Susan Rice, UNO-Botschafterin der USA. (30. Mai 2012)

Gegen ihre Kandidatur regte sich bei den Republikanern heftiger Widerstand: Susan Rice, UNO-Botschafterin der USA. (30. Mai 2012) Bild: Keystone

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Die amerikanische UNO-Botschafterin Susan Rice will nicht US-Aussenministerin werden. Sie stehe nicht länger als mögliche Nachfolgerin für die scheidende Hillary Clinton zur Verfügung, teilte Präsident Barack Obama mit. Er habe ihre Entscheidung akzeptiert. Ihre Ernennung wäre kostspielig und würde Unruhe stiften, sagte Rice dem Sender NBC News laut Medienberichten. US-Präsident Barack Obama erklärte, ihre Entscheidung zeige Charakterstärke.

Er würdigte Rice als «äusserst fähige, patriotische und leidenschaftliche» Beamtin. Zugleich sprach Obama sein «tiefes Bedauern über die ungerechten und falschen Angriffe auf Susan Rice in diesen vergangenen Wochen» aus.

Vorwurf: Terroranschlag verheimlicht

Rice galt seit Monaten als Obamas Favoritin für das Ministeramt. Sie ist aber wegen Äusserungen kurz nach dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Benghazi am 11. September ins Kreuzfeuer republikanischer Kritik geraten. Bei dem Angriff waren der US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet worden.

Die Botschafterin hatte in TV-Talkshows gesagt, die Attacke sei spontan aus einer Demonstration gegen ein islamfeindliches Video entstanden. Tatsächlich handelte es sich aber um einen gezielten Terroranschlag. Republikaner warfen ihr danach vor, bewusst versucht zu haben, der US-Bevölkerung den terroristischen Hintergrund des Angriffs zu verheimlichen. Sie hatten gedroht, eine Ernennung im Senat verhindern zu wollen.

Sie gehört zu Obamas engem Beraterstab

Susan Rice gilt als die wichtigste aussenpolitische Beraterin von Präsident Obama. Sie hatte dessen Kandidatur für das Präsidialamt bereits unterstützt, bevor sich der Senator aus Illinois als demokratischer Favorit im Wahlkampf durchsetzte.

Die 47-Jährige vertritt Obamas pragmatische Aussenpolitik in der UNO erfolgreich: So hat sie dem Sicherheitsrat etwa ein Ja zu einer aggressiven Libyen-Resolution abgerungen. Viele Freunde schaffte sich Rice in der UNO indes nicht, dafür Respekt. Der französische Botschafter Gérard Araud klagte einmal, die US-Botschafterin führe sich wie «Schneewittchen» auf und behandle die anderen Mitglieder des Sicherheitsrats wie «Zwerge».

Nach dem Rückzug von Rice gilt nun der Senator von Massachusetts, John Kerry, als heisser Favorit auf das Amt des US-Chefdiplomaten. (rbi/chk/sda/AFP/dapd)

Erstellt: 13.12.2012, 23:35 Uhr

US-Diplomatin Rice kippt Kandidatur für Clinton-Nachfolge. (Video: Reuters )

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