Trump, der Taliban

Der US-Präsident will notfalls iranische Kulturstätten bombardieren. Das ist kaum mehr als eine leere Drohung – und doch eine gefährliche Verrücktheit.

Der 2001 von den Taliban zerstörte Buddha von Bamiyan, Afganistan, in einer 3D-Rekonstruktion 2019. Foto: Jim Huylebroek (laif)

Der 2001 von den Taliban zerstörte Buddha von Bamiyan, Afganistan, in einer 3D-Rekonstruktion 2019. Foto: Jim Huylebroek (laif)

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Erinnern Sie sich, wie Donald Trump Nordkorea mit «Feuer und Zorn» drohte, wenn der «kleine Raketenmann» Kim Jong-un sein Atom­waffenprogramm nicht stoppt? Inzwischen nennt Trump den Diktator seinen «Freund». Und der will im neuen Jahr die Atomtests munter fortführen.

Jetzt ist der Iran der Adressat des trumpschen Bombasts per Tweet. Von der Air Force One aus drohte er in Grossbuchstaben, er werde allfällige Angriffe auf Amerikaner mit Vergeltungsschlägen auf 52 iranische Ziele beantworten, darunter auch Kulturstätten. Die Tweets sind die jüngste Eskalation im Konflikt mit dem Iran nach der kaltblütigen Tötung eines seiner Generale durch US-Drohnen.

Trumpsche Provokation

Vor Überraschungen ist man bei Trump nie sicher. Aber die Chancen stehen gut, dass Trump auch hier nur leere Drohungen ausstösst. Die Handvoll Erwachsener im Weissen Haus und im Pentagon beeilten sich denn auch, zu versichern, die USA würden sich selbstverständlich ans internationale Recht halten. Dieses verbietet die gezielte Zerstörung von Kulturgütern. Der UNO-Sicherheitsrat hat erst 2017 kriegerische Angriffe auf das kulturelle Erbe verurteilt.

Alles halb so schlimm also? Nur wieder so eine trumpsche Provokation, der man besser keinen Raum gibt? Nur schon um der Abstumpfung zu entgehen, die das Dauerfeuerwerk aus Washington erzeugen kann?

Nein. Denn zunächst untergräbt Trump seine eigene Position. Es ist denkbar, dass künftige Historiker die Beseitigung von Qassim Soleimani günstiger beurteilen werden als die heutigen Kommentatoren. Der General der iranischen Revolutionsgarden sah sich klar im Krieg mit Israel und den USA. Und ein Opfer dieses Krieges ist er jetzt geworden. Mit dem Geheimdienstwissen, das dem heutigen Commander-in-Chief zur Verfügung steht, hätten möglicherweise auch frühere Präsidenten den tödlichen Schlag genehmigt.

Kleiner, verlogener, schurkischer

Trump hätte seinen Entscheid für sich selbst sprechen lassen oder ihn besser erklären können. Aber er liess sich durch die Kritik an dem kriegerischen Akt provozieren. Und statt über die Gefahr, die von einem aggressiven Iran ausgeht, diskutiert die Welt jetzt über impulsive präsidiale Tweets. Klar lenken diese auch vom Impeachment gegen Trump ab und beflügeln seine Wählerbasis. Und das war wohl das Ziel. Dass er dafür aber weit Wichti­geres opfert, muss auch nach gegen 12'000 trumpschen Auslassungen auf Twitter beunruhigen.

Mit der Drohung, zivile Kulturgüter zu bombardieren, macht sich Trump genau mit jenen gemein, die zu bekämpfen er vorgibt. Es sind Terroristen und Kriegsverbrecher, die Kulturdenkmäler sprengen. Wie die Taliban 2001, als sie die Buddha-Statuen von Bamiyan zerstörten. Oder wie die Islamisten, die 2014 Mausoleen in Timbuktu zerstörten. Oder wie die Terrororganisation Islamischer Staat, die 2015 römische Ruinen in Palmyra plünderte und niederriss.

Durch alle Höhen, aber auch durch die hässlichen Tiefen der Geschichte amerikanischer Vormacht hindurch standen die USA für etwas, das grösser war als das Land selbst, seine Macht und sein Militär: für die Erhaltung von Frieden und Freiheit. Trump, der Amerika gross machen wollte, macht es kleiner, verlogener, schurkischer. Das haben dieses grosse Land und seine Menschen nicht verdient.

Erstellt: 07.01.2020, 21:10 Uhr

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