Trump lästert über Korrespondenten-Dinner

Der US-Präsident blieb dem traditionellen Anlass fern. Dem Spott konnte er sich aber nicht entziehen.

Fands gar nicht lustig, was die Korrespondenten in Washington über seine Regierung zu lachen hatten: US-Präsident Donald Trump. (Archiv)

Fands gar nicht lustig, was die Korrespondenten in Washington über seine Regierung zu lachen hatten: US-Präsident Donald Trump. (Archiv) Bild: Evan Vucci/Keystone

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US-Präsident Donald Trump ist dem traditionellen Korrespondenten-Dinner in Washington erneut demonstrativ ferngeblieben – und hat vor Anhängern über die Gala-Veranstaltung gelästert. «Ist das hier besser als das falsche Dinner der Korrespondenten im Weissen Haus in Washington?», fragte Trump am Samstag auf einer wahlkampfartigen Kundgebung nahe der Autostadt Detroit.

Dem Spott der Hauptstadtpresse konnte sich Trump freilich nicht entziehen: Beim Jahresdinner der im Weissen Haus akkreditierten Journalisten wurden scharfe Witze auf Kosten des Präsidenten gemacht.

Trump hatte seine Teilnahme an der Gala bereits im vergangenen Jahr abgesagt und damit mit einer jahrzehntealten Tradition gebrochen. Das Korrespondenten-Dinner ist einer der gesellschaftlichen Höhepunkte in Washington, unter den Gästen sind zahlreiche Prominente. Traditionell halten Präsidenten bei dem Dinner humorvolle Reden, in denen sie sich selber auf die Schippe nehmen.

«Ich könnte heute Abend dort sein und lächeln ...»

Trump machte bei seinem Auftritt vor Anhängern aber klar, dass dies nicht nach seinem Geschmack ist. «Ich könnte heute Abend dort sein und lächeln, als ob ich es liebe, während sie einen Schuss nach dem anderen auf mich abgeben», sagte Trump er. «Wenn man nicht lächelt, sagen sie: ‹Er war furchtbar. Er kann nicht einstecken.› Wenn man lächelt, fragen sie: ‹Worüber hat er gelächelt?›»

Als Ort für seine Kundgebung hatte Trump sich auch für ein Washington entschieden – aber nicht für die US-Hauptstadt. Die Ortschaft Washington Township liegt nördlich von Detroit im Bundesstaat Michigan. Die Region ist ein Sinnbild für wirtschaftlichen Niedergang und hohe Arbeitslosigkeit.

Die Arbeiter von Michigan seien «verraten» worden, sagte Trump in seiner Rede. Seine Wirtschaftspolitik trage aber bereits Früchte: «Die Autos kommen zurück nach Michigan. Die Fabriken kommen zurück.»

Stormy Daniels unter den Gästen

Trumps Fernbleiben vom Korrespondenten-Dinner illustriert abermals sein schwieriges Verhältnis zu Journalisten. Der Präsident betrachtet einen Grossteil der US-Medien als Feinde. In einer E-Mail an potenzielle Spender schrieb er kürzlich: «Warum sollte ich mit einem Haufen von Fake-News-Liberalen, die mich hassen, in einem Raum eingesperrt sein?»

Anders als in den Vorjahren nahmen in diesem Jahr keine Hollywood-Stars am Korrespondenten-Dinner teil. Unter den prominenten Gästen waren die Pornodarstellerin Stormy Daniels, die derzeit wegen einer angeblichen Affäre mit dem US-Präsidenten im Rampenlicht steht, und Trumps früherer Pressesprecher Sean Spicer.

Gemeine Witze über Trumps Sprecherin

Die Komikerin Michelle Wolf begann ihre Moderation mit den Worten «eines Pornostars, bevor sie mit Trump ins Bett geht: Bringen wir es hinter uns». Es folgten anzügliche Witze auf Kosten des Präsidenten und der Frauen aus seinem Umfeld. Wolf verglich Trumps Tochter Ivanka mit einem Windeleimer: Beide hätten eine glänzende Oberfläche, seien aber voller Fäkalien. Ihr Witz über Trumps Sprecherin Sarah Sanders war so gemein, dass die Zuschauer laut aufstöhnten.

Witze von der derben Sorte: Michelle Wolf

«Bringen wir es hinter uns»: Die Komikerin begann ihre Moderation mit den Worten «eines Pornostars».

Trump hatte zuletzt 2011 am Korrespondenten-Dinner teilgenommen, damals noch als Reality-TV-Star. Sein Vorgänger Barack Obama machte sich in seiner Rede über die von Trump angeführte Birther-Bewegung lustig, die die US-Staatsangehörigkeit des ersten afroamerikanischen Präsidenten in Zweifel gezogen hatte – bis Obama schliesslich genervt seine Geburtsurkunde aus dem US-Bundesstaat Hawaii veröffentlichte.

«Niemand ist stolzer, die Sache mit der Geburtsurkunde endlich geklärt zu haben, als ‹The Donald›», hatte Obama bei der Gala gesagt, während Trump mit grimmigem Blick im Publikum sass. «Denn nun kann er sich endlich wieder wichtigen Themen zuwenden – etwa, ob wir die Mondlandung gefälscht haben.» (afp)

Erstellt: 30.04.2018, 07:52 Uhr

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