Trump macht die Welt unsicherer

Brandgefährlich: Der Jerusalem-Entscheid des US-Präsidenten spielt den islamistischen Terroristen in die Hände.

«Ich habe abgeliefert»: Trump erklärt seinen Jerusalem-Entscheid. (Video: Tamedia/The White House)

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Präsident Trump will also die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Er tut dies ganz ohne Not, der Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern ist zwar blockiert, der Konflikt konnte jedoch gemanagt werden.

Trump geht es wohl auch weniger um den Nahen Osten als um Amerika, um sein Amerika: Mit dem Botschaftsentscheid hat er ein weiteres Wahlversprechen erfüllt. Diesmal freut sich vor allem die evangelikale Rechte, die sich Israel besonders eng verbunden fühlt. Und in elf Monaten finden ja die wichtigen Kongresswahlen statt.

Für den Nahen Osten selbst ist Trumps Ansinnen brandgefährlich, auf der Richterskala der schlechten Ideen gibt es etwa eine acht. Denn Jerusalem ist der zentrale Streitpunkt: Israel beansprucht die Heilige Stadt «vollständig und vereinigt» als Hauptstadt, also auch den annektierten Ostteil, den wiederum die Palästinenser als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates sehen.

«Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass es Zeit ist, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen», sagte Trump in Washington. (Bild: Reuters, Kevin Lamarque)

Bislang herrschte ein internationaler Konsens, dass die Jerusalem-Frage erst in einem Friedensvertrag geregelt werde. Selbst Israel-Freunde wie Ronald Reagan und George W. Bush beliessen die US-Botschaft daher in Tel Aviv. Doch was kümmert das Trump? Gerade mal eine Stunde lang soll er seine Berater angehört haben, bevor er entschied, die tragende Säule der US-Nahostpolitik wegzusprengen.

Folgen auch für Europa

Nun droht eine Eskalation, als gäbe es nicht schon genug Leid in der Krisenregion. Die Palästinenser haben «drei Tage des Zorns» angekündigt, die Hamas droht mit Attentaten. Der Sturm der Entrüstung hat das Potenzial zum Orkan, und das exakt 30 Jahre nach dem Beginn der ersten Intifada. Kommt es wieder zu einem Palästinenseraufstand, ist der Friedensprozess nicht mehr blockiert, sondern tot.

Die Profiteure sind der IS, al-Qaida und die gesamte islamistische Terrorbrut. Jerusalem, al-Quds bei den Arabern, ist vor allem für die Sunniten die dritte Heilige Stadt hinter Mekka und Medina. Wie schon Trumps Einreisebann gegen Muslime lässt sich die Verlegung der US-Botschaft propagandistisch bestens ausnutzen. Mit Folgen auch für Europa. Einmal mehr hat Donald Trump die Welt unsicherer gemacht.


Video – Was bringen die Jerusalem-Pläne dem US-Präsidenten?

Tagesanzeiger.ch/NewsnetTagesanzeiger.ch/Newsnet-Ausland-Chef Christoph Münger zu Trumps Entscheid Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2017, 20:25 Uhr

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