Trumps Kabinett der Milliardäre

Von wegen Aufräumen mit der Elite: Der neue US-Präsident formiert die reichste Regierung um sich, die es je gab.

Zwei Milliardäre unter sich: Donald Trump begrüsst seine neue Bildungsministerin Betsy DeVos. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er werde sich für die Arbeiterklasse, die einfachen Amerikaner starkmachen und mit der abgehobenen Elite in Washington aufräumen, versprach Donald Trump im Wahlkampf. Dreieinhalb Wochen später ist von dieser Ankündigung nicht mehr viel zu spüren – im Gegenteil: Der neue US-Präsident schart zahlreiche mächtige und vermögende Leute um sich und ist gerade dabei, das reichste Kabinett in der amerikanischen Geschichte zu bilden. Eine Auswahl:


Betsy DeVos
5,1 Milliarden US-Dollar

Da wäre zum Beispiel Betsy DeVos, die von Trump zur Bildungsministerin ernannt wurde. Sie ist Vorsitzende einer Investmentfirma und laut dem Wirtschaftsmagazin «Forbes» 5,1 Milliarden US-Dollar schwer. Ihre Familie – auf Platz 88 der reichsten Amerikaner – unterstützt seit Jahren jeden republikanischen Präsidentschaftskandidaten und DeVos selbst war Vorsitzende der Partei in Michigan.


Wilbur Ross
2,9 Milliarden US-Dollar

Der designierte Handelsminister ist ein weiterer Milliardär in Trumps Kabinett. Ross arbeitete 24 Jahre lang als Banker für Rothschild und Goldman Sachs und spezialisierte sich auf den Aufkauf und die Neustrukturierung bankrotter Unternehmen. Dabei beschnitt er die Leistungen für Arbeitnehmer und machte selbst viel Geld. 2,9 Milliarden Dollar sollen auf seinem Konto liegen. Der 78-Jährige wurde vom Senat bisher noch nicht bestätigt. Sein Stellvertreter Todd Ricketts steht ihm in Sachen Geld aber in nichts nach: Er ist 1 Milliarde Dollar schwer und seiner Familie gehört das Baseballteam Chicago Cubs.


Steven Mnuchin
46 Millionen US-Dollar

Der ehemalige Investor war ebenfalls als Partner der Wallstreet-Bank Goldman Sachs tätig. Im Mai ernannte ihn Trump zum Finanzchef seines Wahlkampfteams und kürzlich zum neuen Finanzminister. Die beiden sollen seit 15 Jahren befreundet sein. Mnuchin hat gemäss Schätzungen ein Vermögen von etwa 46 Millionen Dollar.


Ben Carson
26 Millionen US-Dollar

Der 65-jährige war – als einziger schwarzer Bewerber – bei den Vorwahlen der Republikaner um die US-Präsidentschaftskandidatur gegen Trump angetreten. Er schied früh aus dem Rennen. Trösten kann sich der ehemalige Star-Chirurg mit seinem Vermögen, das 26 Millionen betragen soll, sowie mit seiner Nomination zum Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung.


Tom Price
13,6 Millionen US-Dollar

Trump und Price haben das Heu auf der gleichen Bühne: Beide sind erklärte Gegner von Obamacare, der Gesundheitsreform des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama. Im Wahlkampf hatte Trump erklärt, er werde wichtige Gesetze ersetzen, darunter die von Obama eingeführte allgemeine Krankenversicherung. Price, Abgeordneter aus dem US-Bundesstaat Georgia, soll ihm dabei helfen. Der Ex-Chirurg ist etwa 13,6 Millionen Dollar schwer.

«Viele der Nominierten wurden reich geboren, besuchten Eliteschulen und häuften als Erwachsene gar noch mehr Vermögen an.»«Washington Post»

Andere Kandidaten, die für Posten in Trumps Kabinett gehandelt werden, gehören ebenfalls zu den reichsten Amerikanern. Der Öl- und Gasmagnat Harold Hamm, der Energieminister werden könnte, hat sagenhafte 14,6 Milliarden auf dem Konto. Michael McCaul, Kandidat für das Amt des Heimatschutzes, ist 117 Millionen schwer und Goldman-Sachs-Präsident Gary Cohn, der ebenfalls für eine leitende Stelle in der Verwaltung infrage kommt, ist einer der bestbezahlten Manager an der Wallstreet.

Angesichts der bereits Nominierten und der Aussicht auf weitere reiche Personen im neuen Kabinett wird die Kritik an Trumps Auswahl immer grösser. Der ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders fasste die Gefühlslage vieler Amerikaner zusammen: «Trump versprach, Washington zu verändern und der Wallstreet auf die Finger zu schauen. Steve Mnuchin ist einfach ein weiterer Wallstreet-Insider. Das ist Heuchelei von ihrer schlimmsten Sorte.»

Als unbegründet stellt sich hingegen die Kritik an Trump heraus, die in ersten zwei Wochen nach dessen Wahl aufkam. Der neue Präsident sei viel zu langsam bei der Bildung seiner Regierung, hiess es. Inzwischen hat Trump aber schon zahlreiche Nominationen vorgenommen. Zudem zeigt ein Vergleich mit anderen Präsidenten, dass er sogar sehr früh dran ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.12.2016, 19:12 Uhr

Artikel zum Thema

«Es macht Spass, Leute abzuknallen»

Porträt James Mattis liebt den Krieg und schockiert mit markigen Sprüchen: Wer ist der neue US-Verteidigungsminister? Mehr...

Die wütenden alten Männer

Der erzkonservative Senator Jeff Sessions wird Trumps Justizminister. Allmählich formiert sich sein Kabinett: Ältere, weisse und sehr konservative Politiker. Bis jetzt. Mehr...

Anti-Wissenschaftler berät Trump in Umweltfragen

Er leugnet die Klimaerwärmung und hält nichts von erneuerbaren Energien: Wie Myron Ebell die US-Umweltpolitik umformen will. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Langlaufträume in Österreichs Winterwunderland

Seefeld und Achensee verbinden Natur, Sport und Kulinarik. Zwei Profis verraten Ihnen ihre Geheimtipps.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Keine ruhige Fahrt: Möwen fliegen über einen Mann, der am frühen Morgen in Neu Dehli mit seinem Boot über den Fluss gleitet. (21. November 2018)
(Bild: Anushree Fadnavis) Mehr...