Trumps Russland-Affäre: Escort-Girl will auspacken

Die Gespielin eines Kreml-nahen Oligarchen wurde in Thailand verhaftet. Sie fürchtet um ihr Leben und bittet die USA um Hilfe.

Im Zentrum eines Polit-Thrillers: Nastja Rybka, Escort-Girl mit Insiderwissen, in einem Gefangenentransporter in Pattaya.

Im Zentrum eines Polit-Thrillers: Nastja Rybka, Escort-Girl mit Insiderwissen, in einem Gefangenentransporter in Pattaya. Bild: Keystone

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Der russische Oppositionspolitiker und Anti-Korruptionskämpfer Alexei Nawalny veröffentlichte vor wenigen Wochen eine brisante Recherche, die für viel Aufsehen sorgte. Und die ein weiteres Puzzlestück im politischen Krimi um Donald Trumps Russland-Affäre sein könnte. Der Videobericht, bei dem ein Escort-Girl eine entscheidende Rolle spielt, zeigte den Kreml-nahen Oligarchen Oleg Deripaska auf seiner Luxusjacht bei einem Treffen mit dem russischen Vizeministerpräsidenten Sergei Prichodko. Prichodko gilt als einer der wichtigsten aussenpolitischen Berater von Präsident Wladimir Putin. Und Deripaska unterhielt enge geschäftliche Beziehungen mit Paul Manafort, dem zeitweiligen Wahlkampfmanager von Donald Trump.

Bei dem Treffen zwischen Deripaska und Prichodko sollen Business-Angelegenheiten besprochen worden sein. Ein Thema waren auch die «Probleme zwischen den USA und Russland». Das Treffen auf der Luxusjacht soll im August 2016 stattgefunden haben, wenige Wochen nachdem Manafort Deripaska exklusiven Zugang zu Trump in Aussicht gestellt hatte. Nach Darstellung von Nawalni ist die Beziehungslinie zwischen Putin-Intimus Prichodko, Deripaska, Manafort und Trump ein gewichtiges Indiz für die Einmischung Russlands bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

Gespräche über Geschäfte und Amerika: Oleg Deripaska und Sergei Prichodko auf der Jacht. Foto: Instagram/@nastya_rybka.ru

Dass Videoaufnahmen und Fotos des Treffens zwischen Deripaska und Prichodko an die Öffentlichkeit gelangten, liegt an einer jungen Frau, die damals auf der Luxusjacht des Oligarchen anwesend war. Sie nennt sich Nastja Rybka und arbeitet als Escort-Girl. Das Material hatte die gebürtige Weissrussin mit dem bürgerlichen Namen Anastasia Waschukewitsch auf Instagram gespostet. Rybka war eine Gespielin von Deripaska. Sie veröffentlichte auch ein Tagebuch, in dem es um ihre Liaison mit dem Oligarchen geht.

Wegen Russland in Thailand verhaftet

Seit ein paar Tagen sitzt die junge Frau in einem Gefängnis in Thailand, und sie fürchtet um ihr Leben. Rybka ist überzeugt, dass sie auf Drängen von staatlichen Stellen Russlands festgenommen worden sei. Wie das Escort-Girl auf Instagram mitteilte, will sie nicht zurück nach Russland. In einem Video, das sie kürzlich veröffentlicht hat, richtet sie einen dramatischen Hilferuf an die Welt. Möglicherweise weiss die junge Frau tatsächlich Dinge, die sie nicht wissen sollte. «Ich kann bezeugen, dass sich Russland in die US-Wahlen eingemischt hat», behauptet die junge Frau.

Hilfsappell an die Welt: Nastja Rybka (Mitte) und zwei Kolleginnen im Gefängnis. Foto: Instagram/@nastya_rybka.ru

Gemäss russischen Medienberichten war Rybka mit einem russischen Pass mit Touristenvisum in Thailand eingereist. Dort soll sie mit ihrem Partner Alexander Kirillow, einem selbst ernannten Sex-Guru, Sex-Workshops angeboten haben. Letzten Montag wurde sie mit neun weiteren Männern und Frauen in einem Hotel in Pattaya festgenommen – angeblich wegen fehlender Arbeitserlaubnis. Nach Bezahlung einer Kaution wurden sie freigelassen, kurz danach aber wieder verhaftet. Geld für eine weitere Kautionszahlung haben sie nicht mehr. Inzwischen übergab Kirillow dem US-Konsulat in Bangkok einen Brief, in dem er und Rybka um Asyl ersuchen. Rybka zeigt sich bereit, mit den US-Ermittlern in der Russland-Affäre zu kooperieren. Angeblich besitzt sie Informationen über «Verbrechen der russischen Regierung».

«Feuerwehrmann des Kremls» in Thailand

Interessanterweise reiste diese Woche Nikolai Patruschew nach Thailand. Patruschew ist Russlands Ex-Geheimdienstchef und jetziger Chef des russischen Sicherheitsrats. Der Putin-Vertraute, der als «Feuerwehrmann des Kremls» gilt, soll den Chef des thailändischen Sicherheitsrates getroffen haben. Offiziellen Angaben zufolge ging es dabei um «Fragen der Sicherheit russischer Touristen in Thailand». Der Kreml bestreitet einen Zusammenhang des Patruschew-Besuchs mit dem Fall Rybka.

Rybka sagte, sie habe dem US-Sender NBC ein Interview gegeben. Und sie liess die russischen Behörden Folgendes wissen: «Auch wenn ihr uns umbringen wollt, könnt ihr die Geschichte nicht verbergen.» Sie habe im NBC-Interview alles gesagt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.03.2018, 15:37 Uhr

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