Trumps Soloflug

Dreinreden lassen will er sich anscheinend nicht mehr: Donald Trumps impulsive Präsidentschaft hebt ab.

Gipfeltreffen im Mai? US-Präsident Trump nahm am Donnerstag überraschend eine Einladung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un an. (9. März 2018) Video: Reuters

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Im Pentagon erfuhren Minister und Generalität am Donnerstag per TV, was sich am gegenüberliegenden Ufer des Potomac ereignet hatte: Donald Trump möchte sich mit Kim Jong-un treffen. Reden ist allemal besser als Krieg zu führen, und Trump möchte reden. Er will, was kein US-Präsident vor ihm getan hat, nämlich persönlich Gespräche mit dem Diktator in Pyongyang aufnehmen.

«Okay, okay, sagen Sie ihnen, ich mache das», schockierte Trump am Donnerstag drei südkoreanische Offizielle, die ihm im Weissen Haus mitteilten, Kim Jong-un sei zu Gesprächen bereit – Politik als Free Jazz, total improvisiert, aufregend und voller Dissonanzen. Schon tags darauf knüpfte Regierungssprecherin Sarah Sanders denn auch Bedingungen an Trumps Soloflug ins Ungewisse. «Konkrete Aktionen» und «konkrete Schritte» vonseiten Pyongyangs seien zuvor nötig, sagte sie.

Trump spielt nun so, wie er möchte

Ob und wann die Begegnung zwischen Trump und Kim Jong-un stattfinden wird, weiss an diesem Wochenende niemand in Washington. «Skepsis und Vorsicht» seien angebracht, mahnt Senator Bob Corker (Tennessee), der republikanische Vorsitzende des aussenpolitischen Ausschusses, während Trumps Vize Mike Pence dem Chef huldigt: Dessen Strategie gegenüber Nordkorea habe Früchte getragen.


Bildstrecke: Kommt es zum historischen Treffen?


Das wird sich zeigen, doch ist die Nordkorea-Sensation vom Donnerstag einmal mehr ein Beweis, dass sich Trump zusehends aus Fesseln befreit, die andere ihm angelegt haben. War bereits die Entscheidung, Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu erheben, ein Alleingang des Präsidenten, so war die Bereitschaft zum Treffen mit Kim erst recht einer. Hatten Stabschef John Kelly, der inzwischen entlassene Stabssekretär Rob Porter sowie der wegen der Strafzölle vom Amt zurückgetretene Wirtschaftsberater Gary Cohn den Präsidenten von manchem wilden Solo abhalten können, so spielt Trump in seinem zweiten Amtsjahr zusehends, wie er möchte.

Die improvisierte Präsidentschaft wird noch gefährlicher

Deshalb ist vorstellbar, dass schon bald Köpfe im Weissen Haus rollen werden: Stabschef Kelly sei ebenso gefährdet wie Sicherheitsberater H. R. McMaster, auch hätte Trump nichts dagegen, wenn Jared Kushner und Tochter Ivanka nach New York zurückkehrten, wird in der Hauptstadt gemunkelt. Ein solcher Kehraus aber erhöhte die Gefahren der Trump-Präsidentschaft erheblich. Denn es war Trumps Stab, der den Präsidenten zuweilen vor sich selbst bewahrte und auf den Teppich zurückholte, wenn dies geboten erschien.

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Mögliches Treffen zwischen Trump und Kim: Das ist ...





Trump prahlt damit, seinen Instinkten zu folgen, obschon er dadurch oft in Schwierigkeiten geriet. Und seine impulsive Pinball-Personality eignet sich nicht unbedingt für knifflige Probleme wie Nordkorea. Deshalb auch die ominöse Warnung des republikanischen Senators Lindsey Graham: «Die schlimmste Sache, die Sie machen können, ist Präsident Trump zu treffen und zu versuchen, ihn zu manipulieren; wenn Sie das tun, wird das Ihr Ende und das Ende Ihres Regimes bedeuten», sagte Graham an die Adresse von Kim Jong-un.

Was immer dabei herauskommen wird: Die Verhängung der Strafzölle wie auch die Bereitschaft zum persönlichen Gespräch mit Kim Jong-un signalisieren, dass Donald Trump seine Freiheit einfordert und sich nicht mehr von seinen Beratern dreinreden lassen möchte. Orthodoxien werden aufgegeben, womit die improvisierte Präsidentschaft Donald Trumps noch aufregender und womöglich gefährlicher zu werden verspricht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2018, 18:17 Uhr

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