US-Superbombe gegen iranische Atomanlagen

Wenn die Atomverhandlungen mit dem Iran scheitern, haben die USA eine militärische Option: Die 15-Tonnen-MOP-Bombe aus Spezialstahl bohrt sich durch bis zu 80 Meter Gestein.

Militärische Überlegenheit: Lenken die Iraner bezüglich ihres Atomprogramms nicht ein, denken die USA darüber nach, unterirdischen Anlagen im Iran mit dem Massive Ordnance Penetrator beizukommen. Video: Youtube/AviationExplorer.com

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Die Verhandlungen der fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats plus Deutschlands zur Beilegung des seit zehn Jahren schwelenden Atomstreits mit dem Iran sind am Wochenende in Wien in eine entscheidende Phase getreten. Die Parteien einigten sich über eine stufenweise Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen den Iran, falls Teheran ein Abkommen wie vereinbart umsetzt. Auch in der strittigen Frage einer Untersuchung geheimer iranischer Bemühungen zur Entwicklung von Atomwaffen durch die Wiener Atomenergiebehörde IAEA ist anscheinend eine Einigung erzielt worden. Trotzdem bleiben weitere Hindernisse bis zur vorgesehenen Beendigung der Verhandlungen am Dienstag. Ihr Scheitern kann nicht ausgeschlossen werden.

Auch nach einem erfolgreichen Abschluss der Gespräche dürfte ein Abkommen mit Teheran umgehend ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. So beschuldigte Ed Royce, der republikanische Vorsitzende des aussenpolitischen Ausschusses im Repräsentantenhaus, die Regierung Obama am Samstag, sie erliege politischem Wunschdenken, wenn sie glaube, das Regime in Teheran würde nach dem Ende der Sanktionen «dem iranischen Volk helfen».

Wer mogelt, wird bestraft

Neben Israel und Saudiarabien haben alle republikanischen Präsidentschaftskandidaten sowie das neokonservative Establishment in Washington erhebliche Vorbehalte gegen eine Vereinbarung mit Teheran angemeldet und die Obama-Administration wiederholt beschuldigt, dem Iran zu sehr entgegenzukommen. Falls eine Vereinbarung in Wien nicht erzielt oder anschliessend torpediert wird oder falls der Iran nach einer Unterzeichnung mogelt, verfügte Washington über eine militärische Option: den Massive Ordnance Penetrator (MOP), eine 15 Tonnen schwere und mit fast drei Tonnen Sprengstoff bestückte Superbombe, die sich bis zu 80 Meter Gestein und durch 20 Meter Beton bohren kann.

Gnadenlos: Der MOP bohrt sich praktisch in jede unterirdische Anlage. (Bild: Screenshot/Youtube)

Al-Qaida-Höhlen gaben Ausschlag zum Bau des MOP

Am vergangenen Donnerstag bekräftigte General Martin Dempsey, der Vorsitzende des US-Generalstabs, bei einer Pressekonferenz im Pentagon, dass «militärische Optionen» weiterhin zur Verfügung stünden und «MOP ist eine davon». Nach der Entdeckung verbunkerter Anlagen im Irak Saddam Husseins sowie nach den weitgehend erfolglosen Bombardierungen der Al-Qaida-Höhlen bei Tora Bora 2001 in Afghanistan ordnete das Pentagon den Bau der Superbombe an.

Koordiniert wurde die anschliessende Entwicklung vom Underground Facilities Analysis Center (Ufac), einer Abteilung des militärischen Nachrichtendienstes DIA, der Geologen, Ingenieure und Sprengstoffexperten angehören. Ufac analysiert weltweite Daten amerikanischer Aufklärungsdrohnen und Spionagesatelliten, um unterirdische Bauten aufzuspüren. Nachdem 2009 die Atomanlage Fordow südlich von Teheran in 80 Metern Tiefe entdeckt wurde, intensivierten das Pentagon und Hersteller Boeing die Entwicklung von MOP. Zahlreiche technische Verbesserungen im GPS-Leitsystem der sechs Meter langen Bombe sowie ausgeklügelte Abwehrmassnahmen gegen elektronische Störmanöver sollen die Zerstörung von Fordow und anderen verbunkerten Zielen gewährleisten.

MOP-Bombe bereits erfolgreich getestet

Im israelischen Fernsehen bestätigte US-Aussenminister John Kerry, die USA hätten eine Waffe entwickelt, «die dem iranischen Atomprogramm beikommen kann». Die Bombe sei speziell für den Einsatz gegen iranische Atomanlagen gebaut worden, sagte später Verteidigungsminister Ashton Carter gegenüber CNN. Ans Ziel bringen sollen die massive Waffe B-2-Tarnkappenbomber, die schon mehrmals Trainingseinsätze mit jeweils zwei Bomben an Bord geflogen haben. Dabei starteten die Maschinen vom Luftwaffenstützpunkt Whiteman im Staat Missouri und warfen nach mehreren Flugstunden ihre MOPs auf verbunkerte Ziele auf dem Übungsgelände White Sands in der Wüste New Mexicos ab – angeblich mit beträchtlichem Erfolg.

Ein MOP wird testweise aus einem B-52-Bomber abgeworfen. (Screenshot/Youtube)

Zwar hat Präsident Obama mehrmals betont, eine militärische Lösung des Atomstreits sei nicht möglich, sein Nachfolger aber könnte anderer Meinung sein und einen MOP-Einsatz anordnen. Die möglichen Konsequenzen eines derartigen Angriffs wurden in einer kürzlichen Studie des Washingtoner Woodrow Wilson International Center for Scholars beschrieben: «Eine Dynamik von Eskalation, Aktion und Gegenaktion könnte ernsthafte und nicht beabsichtigte Konsequenzen haben, die potenziell zu einem umfassenden regionalen Krieg führen würden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.07.2015, 13:29 Uhr

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