USA erwägen Vergeltungsschlag in Libyen

Nach der Tötung von US-Diplomaten in Benghazi will Präsident Obama offenbar seine Drohung wahrmachen und militärisch auf den Anschlag reagieren. Denkbar wäre eine Operation wie gegen Osama Bin Laden.

Die Verantwortlichen sollen aufgespürt werden: US-Präsident Barack Obama an einer Wahlkampfveranstaltung. (29. September 2012)

Die Verantwortlichen sollen aufgespürt werden: US-Präsident Barack Obama an einer Wahlkampfveranstaltung. (29. September 2012) Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem blutigen Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi fassen US-Militärs nach Informationen der «New York Times» eine militärische Reaktion ins Auge. Spezialeinheiten sammelten demnach Informationen für einen möglichen Angriff auf die Täter des Anschlags, bei dem am 11. September vier amerikanische Diplomaten getötet wurden. Eine mögliche Operation von Spezialeinheiten ziele auf eine Gefangennahme oder die Tötung der mutmasslichen Täter ab, berichtete die Zeitung gestern in ihrer Online-Ausgabe.

Allerdings seien die Vorbereitungen noch in einem sehr frühen Stadium. Es sei noch keinerlei Entscheidung über eine mögliche Aktion gefallen, hiess es unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte.

Obama hat mehrere Optionen

Obama hatte unmittelbar nach dem Anschlag versprochen, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen. Die US-Geheimdienste kamen unlängst zu dem Urteil, dass es sich entgegen ersten Annahmen um einen Anschlag von Terroristen mit möglichen Verbindungen zu al-Qaida gehandelt habe. Das Konsulat wurde unter anderem mit Raketen beschossen und in Brand gesteckt.

Die «New York Times» schreibt, Obama habe bei einer Vergeltungsaktion in Libyen mehrere Optionen, darunter etwa Drohnenangriffe und Einsätze von Spezialeinheiten wie etwa bei der Tötung von Osama Bin Laden im vergangenen Jahr in Pakistan. Denkbar seien auch gemeinsame Operationen mit libyschen Einheiten. Jede Aktion berge aber erhebliche militärische und politische Risiken.

Vorwürfe an Aussenministerin Clinton

US-Aussenministerin Hillary Clinton will die Umstände des Angriffs auf das US-Konsulat in Benghazi untersuchen lassen. Es solle «vollständig und genau» herausgefunden werden, was geschehen sei, «um zu verhindern, dass es sich wiederholt», schrieb Clinton in einer gestern veröffentlichten Antwort an den republikanischen Abgeordneten Darell Issa.

Das kalifornische Mitglied des Repräsentantenhauses hatte zuvor den Vorwurf erhoben, die US-Regierung habe das Konsulat trotz Warnungen nicht ausreichend geschützt. «Viele Verantwortliche der Regierung haben bestätigt, dass die diplomatische Vertretung der USA in Libyen vor der Attacke vom 11. September wiederholt eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen in Benghazi forderte», schrieb Issa in einem gestern veröffentlichten Schreiben. «Aber Washington ist auf diese Forderung nach zusätzlichen Massnahmen nicht eingegangen», fügte er hinzu.

Am 10. Oktober soll das Repräsentantenhaus auf Antrag Issas über das Thema beraten. Clinton sagte Issa ihre Zusammenarbeit bei der Aufklärung der Vorwürfe zu. (rbi/sda/AFP)

Erstellt: 03.10.2012, 06:43 Uhr

Bildstrecke

Muslim-Zorn gegen den Westen

Muslim-Zorn gegen den Westen Nach der Veröffentlichung eines islamkritischen Films kam es in mehreren islamischen Ländern zu Ausschreitungen und Anschlägen.

Artikel zum Thema

Drahtzieher von Mohammed-Video muss ins Gefängnis

Der Verantwortliche des islamfeindlichen Schmähvideos habe gegen seine Bewährungsauflagen verstossen. Nakoula Basseley Nakoula stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Die Polizei brachte ihn ins Gefängnis. Mehr...

Ägyptische Zeitung antwortet mit eigenen Karikaturen

Die Zeitung «Al Watan» will «eine zivilisierte Antwort» auf den Mohammed-Film geben und macht sich mit eigenen Karikaturen über den westlichen Blick auf die arabische Welt lustig. Mehr...

Islamisten töten US-Botschafter in Benghazi

In Nordafrika haben Demonstranten zwei US-Konsulate gestürmt. In der libyschen Stadt Benghazi wurde dabei der Botschafter erschossen. Auslöser: Ein amerikanischer Low-Budget-Film über den Propheten Mohammed. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Robo-Adviser gehen offline

Das Wohnzimmer staubsaugen zu lassen, ist etwas andere, als das Vermögen anzuvertrauen: Robo-Adviser in der Schweiz sind auf dem Rückzug. Die Gründe.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Weisse Pracht: Schneebedeckte Chalet-Dächer in Bellwald. (18. November 2019)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...