US-Armee stoppt Bau von Öl-Pipeline

Bei Protesten gegen eine Pipeline in North Dakota haben Eingeborene und Umweltschützer einen Etappenerfolg feiern können. Die Betreiberfirma und Republikaner zeigen sich erbost.

Feiern in North Dakota: Sixoux-Eingeborene und Umweltschützer liegen sich in den Armen. (Video: Tamedia/AFP)

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Der Bau einer Öl-Pipeline im US-Bundesstaat North Dakota ist nach erbitterten Protesten von Ureinwohnern und deren Unterstützern vorerst gestoppt worden. Der Ingenieurkorps der US-Armee verfügte einen vorläufigen Baustopp an einer bestimmten Stelle der Leitung. Auf die Nachricht reagierten Eingeborene vom Sioux-Stammes Standing Rock mit Begeisterung, der Betreiberkonzern und Teile der Politik jedoch mit scharfer Kritik.

Die in Texas ansässige Firma Energy Transfer Partners baut an einer Pipeline, die durch North und South Dakota sowie Iowa und Illinois verlaufen soll. Das 3,8 Milliarden US-Dollar teure Projekt ist fast fertiggestellt, es fehlt noch ein Pipeline-Stück unterhalb von Lake Oahe, einem Stausee am Missouri River.

Auswirkungen auf Trinkwasser befürchtet

Dort blockieren seit Wochen Hunderte Protestler die Arbeiten. Vor allem örtliche Sioux-Eingeborene der Gruppe Standing Rock befürchten eine Beeinträchtigung heiliger Stätten sowie negative Auswirkungen auf das Trinkwasser für Tausende Stammesmitglieder im nahe gelegenen Reservat und für Millionen Menschen flussabwärts. Zuletzt war es dort oft zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen.

Mit der vorläufigen Verweigerung einer Baulizenz nimmt das Drama um die Dakota Access Pipeline nun eine überraschende Wendung. Grund für ihre Entscheidung sei die Notwendigkeit, «alternative Routen» für den Verlauf der Leitung auszuloten, sagte die bei der Armee für zivile Angelegenheiten zuständige Staatssekretärin Jo-Ellen Darcy. Obwohl es anhaltende Gespräche mit den Sioux und Dakota Access gegeben habe, sei noch viel zu tun. Der beste Weg zu einem verantwortungsbewussten und zügigen Abschluss der Arbeiten sei jedoch zunächst einmal eine Prüfung von Ausweichrouten für die Pipeline, ergänzte Darcy.

«Vater-Staat-Entscheidung der schlimmsten Sorte»

Im Vorfeld hatte die Betreiberfirma Energy Transfer allerdings klar gemacht, dass es keine andere Routenführung wolle. In einer Erklärung bekräftige sie diese Haltung und warf der Regierung von Präsident Barack Obama unverhohlenen politischen Aktionismus vor. Sie verlasse damit den Boden der Rechtsstaatlichkeit und biedere sich an eine engstirnige und extreme Wählerschaft an, kritisierte Energy Transfer.

Auch der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, zeigte sich erbost über die verweigerte Baulizenz. Dabei handele es sich um eine «Vater-Staat-Entscheidung der schlimmsten» Sorte, twitterte der Republikaner am Sonntagabend. Sein Parteikollege, North Dakotas Gouverneur Jack Dalrymple, war ebenfalls enttäuscht. Die Entscheidung sei ein «schwerwiegender Fehler», der die «gefährliche Situation» von Hunderten bei Winterwetter kampierenden Protestlern fortsetze.

Feierstimmung bei den Indianerstämmen

Unter den an den Protesten beteiligten Indianerstämmen herrschte indes Feierstimmung. Als die Neuigkeit am Sonntag im Lager die Runde machte, brach Jubel aus. Stammesmitglieder skandierten «Mni Wichoni» – «Wasser ist Leben», andere trommelten vor Freude.

Miles Allard, ein Mitglied der Standing Rock Sioux, äusserte sich indes verhalten. «Wir wissen nicht, was Trump vorhat», sagte er mit Blick auf den künftigen Präsidenten.

(bee/AP)

Erstellt: 05.12.2016, 08:02 Uhr

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