US-Bischöfe vertuschten jahrelang Missbrauchsfälle

Vier Jahrzehnte lang leiteten zwei katholische Bischöfe eine Diözese in Pennsylvania und deckten in dieser Zeit mehr als 50 Geistliche, die Kinder sexuell missbrauchten.

Systematische Vertuschung aufgedeckt: Der mittlerweile pensionierte Bischof Joseph Adamec anlässlich einer Messe im April 2010.

Systematische Vertuschung aufgedeckt: Der mittlerweile pensionierte Bischof Joseph Adamec anlässlich einer Messe im April 2010. Bild: J. D. Cavrich/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwei katholische Bischöfe haben einer Untersuchung der US-Justiz zufolge über einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten den sexuellen Missbrauch von Kindern durch mehr als 50 Geistliche gedeckt.

Der am Dienstag im Bundesstaat Pennsylvania veröffentlichte Untersuchungsbericht geht hart mit den Bischöfen James Hogan und Joseph Adamec ins Gericht, die von zahlreichen Missbrauchsfällen wussten und die Täter vor Strafverfolgung schützten.

«Die abscheulichen Verbrechen, die diese Kinder erlitten haben, sind absolut skrupellos», erklärte die Generalstaatsanwältin von Pennsylvania, Kathleen Kane. Hogan und Adamec hätten mit der Verheimlichung der Taten das Wohlergehen von tausenden Kindern gefährdet. In einem «geheimen Archiv» seien die Fälle dokumentiert worden, ohne die Behörden einzuschalten.

Die in dem 147-seitigen Bericht beschriebenen Verbrechen im Bistum Altoona-Johnstown ziehen den Angaben zufolge keine Anklagen nach sich, da die mutmasslichen Täter gestorben, die Übergriffe verjährt oder die Opfer zu traumatisiert für eine Aussage sind. Hogan leitete die Diözese von 1966 bis 1986 und starb im Jahr 2005. Sein heute 80-jähriger Nachfolger Adamec ging 2011 in den Ruhestand.

Preisgekrönte Verfilmung von Missbrauchsskandal

Die katholische Kirche stürzte in den vergangenen Jahren in eine schwere Krise, als weltweit Vorwürfe über sexuellen Missbrauch durch Geistliche und die systematische Vertuschung der Taten ans Licht kamen.

Am Sonntag gewann das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama «Spotlight», das sich um die Recherchen von US-Journalisten zum Missbrauchsskandal dreht, den Oscar als bester Film des Jahres. (nag/sda)

Erstellt: 01.03.2016, 23:39 Uhr

Artikel zum Thema

«Die Fakten waren die Vorgabe»

Interview «Spotlight»-Regisseur Thomas McCarthy sagt, warum er in seinem Oscar-gekrönten Drama authentisch bleiben wollte. Mehr...

Vatikan greift gegen Bischöfe wegen Kindsmissbrauchs durch

Vor kurzem kündigte der Papst an, gegen Bischöfe vorzugehen, die sexuellen Missbrauch von Kindern nicht konsequent verfolgen. Jetzt zieht der Vatikan Konsequenzen. Mehr...

Papst Franziskus will härter gegen Missbrauchsfälle vorgehen

Der Papst nimmt einen Vorschlag seiner Berater an und gründet ein neues Tribunal. Dies gilt als wichtiger Schritt im Kampf gegen Missbrauch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Ein Fehltritt mit Folgen

Eine kleine Unaufmerksamkeit, ein bisschen Pech – ein Unfall ist schnell passiert. Zum Glück hat die Suva die Kosten im Griff.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...