US-Militär will Frauen an vorderster Front kämpfen lassen

Die US-Armee zählt 204'000 Soldatinnen, die vorwiegend in unterstützenden Einheiten dienen. Das Verbot, Frauen in Kampftruppen einzuteilen, soll jetzt abgeschafft werden. Gefährliche Jobs bleiben aber tabu.

Können sich künftig an Kriegseinsätzen beteiligen: Soldatinnen der US-Armee. (Archivbild)

Können sich künftig an Kriegseinsätzen beteiligen: Soldatinnen der US-Armee. (Archivbild) Bild: AFP

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US-Soldatinnen sollen künftig auch an vorderster Front kämpfen dürfen. Verteidigungsminister Leon Panetta und Generalstabschef Martin Dempsey würden das Verbot für Frauen, in Kampftruppen zu dienen, grundsätzlich abschaffen, hiess es in Regierungskreisen in Washington. Demokratische Kongressmitglieder begrüssten den Plan als sinnvolle Anpassung des Militärs an die heutige Zeit.

Die Entscheidung werde in einem «Prozess» umgesetzt, sagte ein ranghoher Vertreter der US-Regierung der Nachrichtenagentur AFP. Bis Januar 2016 hat die Armee demnach Zeit, ein neues Regelwerk zu erarbeiten. Dabei soll es aber weiter Ausnahmen für bestimmte Posten in den Kampftruppen geben, auf denen Frauen nicht eingesetzt werden dürfen. Panetta und Dempsey wollten die Entscheidung heute offiziell bekanntgeben, hiess es aus Regierungskreisen.

800 Frauen wurden verwundet

Nach Angaben des Pentagon machen die 204.000 Soldatinnen etwa 15 Prozent der US-Streitkräfte aus. Bislang durften sie aber nicht in Infanterie- oder Panzertruppen kämpfen, sondern dienten vor allem in unterstützenden Einheiten. Dennoch gerieten auch Frauen bei den Einsätzen im Irak und in Afghanistan immer wieder in die Schusslinie. Laut dem US-Nachrichtensender CNN starben in beiden Einsätzen insgesamt mindestens 130 Soldatinnen, mehr als 800 Frauen wurden verwundet.

Mehrere demokratische Politiker begrüssten die Reformpläne. Panettas Entscheidung spiegele die Realität von Militäreinsätzen im 21. Jahrundert wider, sagte Senator Chuck Levin, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Senat. Auch Senator Mark Warner erklärte, es sei richtig, die Realitäten der heutigen Militäreinsätze anzuerkennen. Soldatinnen hätten immer wieder ihre Kompetenz und ihren Mut bewiesen.

«Gut für unser Land»

Die demokratische Abgeordnete und Ex-Soldatin Tammy Duckworth, die bei einem Einsatz als Hubschrauberpilotin im Irak beide Beine verloren hatte, schrieb auf Twitter: «Die Töchter Amerikas können die Freiheit ebenso gut verteidigen wie die Söhne.» Die geplanten Neuerungen seien «gut für unser Land». Auch die Bürgerrechtsorganisation Aclu begrüsste die Pläne. Dagegen haben konservative Beobachter Zweifel daran angemeldet, dass Mütter, insbesondere Alleinerziehende, ins Kampfgeschehen geschickt werden sollten, selbst wenn sie sich freiwillig dafür melden.

Die US-Streitkräfte hatten in den vergangenen Jahren begonnen, die Kampftruppen vorsichtig für Soldatinnen zu öffnen. Im Februar 2012 gab Panetta bereits etwa 14.000 Posten in Kampfeinheiten für weibliche Bewerber frei. Die nun angekündigten Neuerungen betreffen in erster Linie die Kampfeinheiten im Heer und bei den Marineinfanteristen. Luftwaffe und Marine haben dagegen die meisten Beschränkungen für Soldatinnen bereits aufgehoben. Frauen sind dort etwa als Kampfpilotinnen und auf U-Booten im Einsatz.

Die Reform wäre eine der letzten wichtigen Amtshandlungen Panettas. Er verlässt seinen Ministerposten in wenigen Wochen. Als Nachfolger hat US-Präsident Barack Obama den früheren Senator Chuck Hagel von den Republikanern vorgeschlagen. Die Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden. In der Kongresskammer haben mehrere Republikaner ihren Widerstand gegen Hagel erklärt, weil sie ihn für zu kritisch gegenüber Israel halten. (chk/AFP/dapd)

Erstellt: 24.01.2013, 03:30 Uhr

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