Über sieben Millionen sind gegen Maduros Reform

Bei der symbolischen Abstimmung gegen die geplante Verfassungsänderung in Venezuela kam eine Frau ums Leben.

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Mehr als 7,1 Millionen Venezolaner haben in einem symbolischen Votum gegen die geplante Verfassungsreform von Präsident Nicolás Maduro gestimmt. Das teilte die Opposition des Landes am späten Sonntagabend in Caracas mit. Zeitgleich waren auch Regierungsanhänger an die Urnen getreten. Sie nahmen an einer Probeabstimmung für die Wahl am 30. Juli teil, mit der die Zusammensetzung der verfassungsgebenden Versammlung bestimmt werden soll.

Vor allem war der Tag jedoch erneut von Gewalt geprägt, eine 61-Jährige kam bei einer Schiesserei im Zuge des politischen Konflikts ums Leben. Vier weitere Menschen wurden verletzt, als paramilitärisch organisierte Regierungsanhänger auf Motorrädern Wähler umkreisten, die in einer Kirche im Stadtteil Catia von Caracas gegen die geplante Umschreibung der Verfassung stimmen wollten. Filmaufnahmen aus dem traditionell regierungstreuen Vorort zeigten in Panik rennende Menschen, als Biker an ihnen vorbeifuhren. Zudem waren Schüsse zu hören.

Symbolische Volksabstimmung in Venezuela über Verfassungsreform. (Video: Tamedia/AFP)

Abstimmung ohne direkte Folgen

Vorab wollten Analysten den Erfolg der von der Opposition organisierten Abstimmung – die keine direkten politischen Folgen hat – lediglich an der Zahl der Teilnehmer messen. Den Experten zufolge hiess es, dass der Druck auf die sozialistische Regierung von Maduro vermutlich bedeutend steigen werde, wenn die Zahl der Wähler bei mehr als acht Millionen liegen würde. Die Opposition liess 14 Millionen Stimmzettel drucken, im Land leben 31 Millionen Menschen.

Bis zum Nachmittag hatten sich Tausende Menschen im gesamten Land an den Abgabestellen aufgereiht, um ihre Stimmen gegen die Verfassungsreform geltend zu machen. Sie schwenkten venezolanische Flaggen und skandierten «Freiheit».

Noch bevor die Stimmen ausgezählt waren, präsentierte sich Maduro im Staatsfernsehen und machte abermals die Opposition für die Gewalt im Land verantwortlich. «Ich rufe die Opposition auf, zum Frieden zurückzukehren, die Verfassung zu respektieren, sich hinzusetzen und zu reden», sagte er. «Lasst uns eine neue Gesprächsrunde, einen Dialog des Friedens, beginnen.»

(chk/AP)

Erstellt: 17.07.2017, 06:44 Uhr

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