Venezuela beschuldigt «Feinde» Chávez vergiftet zu haben

Vizepräsident Nicolás Maduro irritierte während eines Krisentreffens in Caracas mit seinen Aussagen. Ein Mitarbeiter der US-Botschaft wird wegen «Destabilisierung» des Landes verwiesen.

Verwirrendes Vorgehen der Regierung: Der venzolanische Vizepräsident Nicolas Maduro während einer Pressekonferenz in Caracas. (5. März 2013)

Verwirrendes Vorgehen der Regierung: Der venzolanische Vizepräsident Nicolas Maduro während einer Pressekonferenz in Caracas. (5. März 2013) Bild: Screenshot Telesur/AFP

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Angesichts einer drastischen Verschlechterung des Gesundheitszustands von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez haben sich ranghohe zivile und militärische Vertreter des Landes in der Hauptstadt Caracas versammelt.

Die Regierung warf «Feinden» des Landes vor, für den Krebs des Präsidenten verantwortlich zu sein. Ausserdem ordnete sie die Ausweisung eines US-Militärattachés wegen Vorwürfen der «Destabilisierung» Venezuelas an. Das Staatsfernsehen VTV berichtete, der Vizepräsident und Aussenminister Nicolás Maduro, designierter Nachfolger des schwerkranken Chávez, habe mehrere Minister und Militärs sowie etwa 20 Gouverneure aus den Reihen der sozialistischen Regierungspartei PSUV zu einem Treffen in den Präsidentenpalast einberufen. Dabei sollten die «Strategien für mehrere Entwicklungsprojekte» in Venezuela festgelegt werden.

Am Ende des Treffens beschuldigte Maduro Venezuelas «historische Feinde», hinter Chávez' Krebserkrankung zu stecken. Eines Tages werde dies bewiesen werden können. Gemäss CNN sprach er von einer Vergiftung.

Zugleich gab der Vizepräsident bekannt, dass der Luftwaffenattaché der US-Botschaft, David Del Monaco, des Landes verwiesen werde. Del Monaco habe innerhalb der venezolanischen Armee konspiriert und versucht, Soldaten für «Destabilisierungsprojekte» zu gewinnen.

Gesundheitszustand von Chávez ist «heikel»

Venezuela erlebe seine «schwierigsten Stunden», seit Chávez im vergangenen Dezember in Kuba erneut operiert worden sei, sagte Maduro in seiner Fernsehansprache. Er rief das Volk auf, «für die Gesundheit und das Leben unseres Kommandanten Präsidenten zu beten».

In der Nacht zum Dienstag hatte die Regierung mitgeteilt, Chávez leide an einer «neuen und schweren» Infektion, die «intensive» Chemotherapie wegen seines Krebsleidens werde aber fortgesetzt. Den Gesundheitszustand des Staatschefs bezeichnete die Regierung als «heikel». Chávez war Mitte Februar nach einer erneuten Behandlung in Havanna nach Venezuela zurückgekehrt. Seitdem befindet er sich im Militärkrankenhaus Carlos Arvelo in Caracas. Dort fanden sich bereits am Nachmittag dutzende Chávez-Anhänger zum Gebet für den Präsidenten ein.

Der 58-jährige Chávez regiert Venezuela seit dem Jahr 1999. Im Juni 2011 wurde Krebs bei ihm diagnostiziert. Nach einer Therapie erklärte er sich im vergangenen Sommer für geheilt, bei der Präsidentschaftswahl im Oktober wurde er für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Seine für den 10. Januar vorgesehene Vereidigung für das Präsidentenamt wurde mit Genehmigung des Obersten Gerichtshofs auf unbestimmte Zeit verschoben. Als seinen Nachfolger bestimmte Chávez Maduro.

(kle/sda)

Erstellt: 05.03.2013, 20:00 Uhr

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