Venezuela hofft auf Schweizer Neutralität

Die Schweiz soll diplomatische Dienste im lateinamerikanischen Krisenherd übernehmen. In Caracas sei jedoch noch kein Entscheid gefallen.

«Die Schweizer Neutralität ist für uns fundamental», sagte der venezolanische Botschafter César Osvelio Méndez González. Video: SDA

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Noch ist offen, ob die Schweiz in Venezuela die Interessen der USA vertreten wird. Die Regierung in Caracas habe den Entscheid darüber noch nicht gefällt, sagte der venezolanische Botschafter César Osvelio Méndez González am Mittwoch in Bern.

Die Angelegenheit sei noch in Abklärung, sagte er vor Medienvertretern. Caracas wolle nicht überhastet entscheiden. Anfang April hatten US-Botschafter Edward McMullen und Aussenminister Ignazio Cassis eine Vereinbarung für die Wahrung der US-Interessen durch die Schweiz unterzeichnet.

Maduros Botschafter kritisiert US-Sanktionen

Der Bundesrat hatte dazu grünes Licht gegeben. Zustande kommt das Mandat für die Schweiz nur, wenn Venezuela zustimmt. Botschafter Méndez González sprach auch die Wahrnehmung der Interessen von Venezuela in den USA an. Die «wahrscheinlichste Option» sei die Türkei. Dieser Lösung müsste dann Washington zustimmen.

Der Botschafter der Regierung von Nicolas Maduro kritisierte zudem die US-Sanktionen gegen sein Land. 5,47 Milliarden Dollar seien «konfisziert» worden, seitdem die Sanktionen 2017 in Kraft getreten seien. Er sprach von «brutalen und kriminellen Angriffen».

Neutralität erwartet

Nach seinen Kenntnissen seien auf Schweizer Bankkonten keine Vermögenswerte aus Venezuela blockiert, sagte Botschafter Méndez González weiter. Doch bei Überweisungen und Geldtransfers gebe es bei einigen Schweizer Instituten «Hemmnisse und Unannehmlichkeiten», namentlich wegen unerklärten Verspätungen.

Am Sonntag ist in der Schweiz ein Treffen von Aussenminister Ignazio Cassis und US-Aussenminister Mike Pompeo geplant. Auf die Frage nach seinen Erwartungen an diese Zusammenkunft sagte Méndez González, er wolle sein Vertrauen in die Schweizer Neutralität behalten. «Das ist für uns fundamental.»

Er wolle daran glauben, dass Cassis neutral sein werde, sagte er, und er hoffe, dass Cassis seinem Amtskollegen aus den USA für das venezolanische Volk nutzbare Wege vorschlage. Bei Pompeo hege er nicht dasselbe Gefühl des guten Glaubens, schob er nach.

(step/sda)

Erstellt: 29.05.2019, 23:03 Uhr

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