Venezuela wirft US-Dokumentarfilmer Agententätigkeit vor

Am Flughafen von Caracas hat die Polizei einen 32-jährigen Amerikaner festgenommen. Er sei Teil einer «Verschwörung rechter Kräfte» und habe Venezuela in einen Bürgerkrieg stürzen wollen.

Dokumentierte nach Angaben von Familie und Freunden in Venezuela die Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung: Filmemacher Timothy Tracy.

Dokumentierte nach Angaben von Familie und Freunden in Venezuela die Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung: Filmemacher Timothy Tracy. Bild: AP/Familienfoto

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Venezuela hat einen US-Bürger unter dem Vorwurf der Tätigkeit für einen ausländischen Geheimdienst festgenommen. Der junge Mann habe versucht, nach der Präsidentenwahl Unruhen zu provozieren, um einen Vorwand für eine ausländische Intervention zu liefern, sagte Innenminister Miguel Rodríguez Torres am Donnerstag. Demnach war der Mann an einem Flughafen bei Caracas festgenommen worden, als er das Land zu verlassen suchte. Rodríguez warf ihm vor, Kontakte zu der oppositionellen Studentengruppe «Operation Souveränität» gehabt zu haben.

Die Bewegung hatte vor dem Krebstod des langjährigen Präsidenten Hugo Chávez Anfang März die Regierung gedrängt, Informationen zu seinem Gesundheitszustand herauszugeben. Vor der Präsidentenwahl am 14. April setzte sie sich für eine faire und transparente Abstimmung ein. Nach Bekanntgabe des Siegs von Chávez' Stellvertreter Nicolás Maduro warf sie der Regierung Fälschung vor.

«Verschwörung rechter Kräfte»

Beim Festgenommenen handelt es sich nach Angaben der Nachrichtenagentur AP um einen 1978 im US-Bundesstaat Michigan geborenen und in Kalifornien wohnhaften Filmemacher namens Timothy Tracy. Gemäss Familie und Freunden soll Tracy in Venezuela einen Dokumentarfilm über die Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung gedreht haben.

Venezuelas Innenminsiter Rodriguez bezeichnet den US-Bürger hingegen als Teil einer «Verschwörung rechter Kräfte», welche die Wahlergebnisse anfechten wolle. Laut Rodriguez wollte er «unser Land in einen Bürgerkrieg stürzen, der sofort die Intervention einer ausländischen Macht provozieren würde, um die Ordnung wiederherzustellen und die Demokratie wieder zu errichten».

Der US-Aussenamtssprecher Patrick Ventrell sagte, er könne dazu nichts sagen, bis er nicht über weitere Informationen verfüge. Die US-Regierung hat Maduro bisher nicht als Präsidenten anerkannt.

Capriles will Präsidentenwahl anfechten

Der bei der Präsidentenwahl in Venezuela unterlegene Oppositionskandidat Henrique Capriles hat derweil angekündigt, das Ergebnis der Abstimmung offiziell anzufechten. Früher oder später werde es Neuwahlen geben, zeigte sich Capriles überzeugt.

«Wir werden die Wahlen gestützt auf alle Beweise anfechten», sagte Capriles dem Privatsender Globovision. «Wir werden von der gesetzlich vorgesehenen Prozedur nicht ablassen. Die nächste Etappe ist, die Wahl offiziell vor den rechtlichen Instanzen anzufechten, auch wenn wir keine Antwort in unserem Sinne erwarten.»

Der konservative Politiker hatte laut der Wahlkommission die Präsidentenwahl am 14. April knapp gegen Nicolás Maduro verloren. Er beharrt jedoch darauf, dass es zahlreiche Unregelmässigkeiten gab, und verlangt eine vollständige Neuauszählung.

Angesichts heftiger Proteste mit teils blutigen Ausschreitungen versprach die Wahlkommission, den Wahlgang zu überprüfen, unternahm dazu aber keine Schritte. Am Mittwoch warf Capriles der Regierung vor, die Wahl «gestohlen» zu haben. Zugleich setzte er der Wahlkommission eine Frist bis Donnerstag, um mit der Überprüfung zu beginnen. (mw/AFP/sda)

Erstellt: 26.04.2013, 07:57 Uhr

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