Von Grenzschliessungen und Folter

Im Schatten der Brüsseler Anschläge verbuchte Donald Trump bei den gestrigen Vorwahlen einen wichtigen Sieg. Auch Hillary Clinton nähert sich der Nominierung.


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Wieder einmal verflogen gestern die Hoffnungen von Donald Trumps republikanischen Gegnern: Der Spitzenreiter beim Kampf um die republikanische Präsidentschaftsnominierung gewann den südwestlichen US-Staat Arizona – und sammelte alle 58 Delegierten ein. Dass er bei den Parteiversammlungen im benachbarten Utah dem texanischen Senator Ted Cruz unterlag, kann Trump verkraften: Der Sieger in Utah erhält 40 Delegierte zugesprochen und damit weniger als Trump im bevölkerungsstärkeren Arizona.

Utah erwies sich als ein schwieriges politisches Terrain für Trump: Nahezu 60 Prozent der Bewohner sind Mormonen und keine Trump-Fans, auch hatte Mitt Romney, 2012 gegen Barack Obama unterlegener republikanischer Präsidentschaftskandidat und prominenter Mormone, in Utah gegen den New Yorker Stimmung gemacht. Am Ende des Wahltages aber war es Trump, der dank seines Sieges in Arizona die meisten Delegiertenstimmen einheimste – eine bittere Pille für seine parteiinternen Widersacher.

Trump punktet mit Hass gegen Einwanderer

Gepunktet hatte der Milliardär im grenznahen Arizona mit seinen Tiraden gegen hispanische Einwanderer und wohl auch dank der Unterstützung des Hardliners Joe Arpaio. Der landesweit bekannte Sheriff des bevölkerungsreichen Kreises Maricopa, in dem sich Arizonas Staatshauptstadt Phoenix befindet, verfolgt seit Jahren eine harte Linie gegen illegale Zuwanderer.

Womöglich profitierte Trump zudem von den Terroranschlägen in Brüssel. Im Laufe des gestrigen Tages hatte er eine Schliessung der US-Grenzen verlangt sowie die Folterung von Terrorverdächtigen. Der vor wenigen Tagen festgenommene mutmassliche Drahtzieher der Anschläge von Paris im vergangenen November, Salah Abdeslam, «redet vielleicht, aber er redet schneller unter der Folter», behauptete Trump. Auch Ted Cruz forderte nach den Anschlägen von Brüssel eine härtere Gangart: Die Polizei müsse «muslimische Viertel patrouillieren und beaufsichtigen, bevor sie radikalisiert werden».

Für Cruz ist es praktisch unmöglich

Nach den gestrigen Wahlergebnissen muss Trump etwa die Hälfte der noch ausstehenden Delegiertenstimmen gewinnen, um sich die republikanische Präsidentschaftskandidatur im ersten Wahlgang zu sichern, Cruz hingegen über 75 Prozent – eine nahezu unlösbare Aufgabe. Ohios Gouverneur John Kasich, der sowohl in Arizona als auch in Utah verlor, benötigte mehr als 100 Prozent der noch verfügbaren Delegiertenstimmen und kann lediglich darauf hoffen, dass sich der Parteitag in Cleveland im Juli nicht einig wird und ihn als kleineres Übel nominiert.

Bei den Demokraten gewann Senator Bernie Sanders gestern zwar die Parteiversammlungen in Idaho sowie in Utah, verlor jedoch im bevölkerungsreichen Arizona gegen Hillary Clinton. Auch er kann kaum noch die beim demokratischen Parteitag im Juli in Philadelphia zur Nominierung notwendige Delegiertenzahl von 2383 erreichen. Innerhalb der demokratischen Senatsfraktion in Washington sind in den vergangenen Tagen erstmals Stimmen laut geworden, die Sanders eine Beendigung seiner Kandidatur nahelegen, damit sich Clinton schon jetzt auf den Hauptwahlgang im Sommer und Herbst vorbereiten könne.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2016, 09:09 Uhr

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