Was, wenn Donald Trump pleite ist?

Die Republikanische Partei steht unter Schock. Die Trump-Kampagne liefert nichts: keine Organisation, keine Strategie, keine Werbung, kein Geld.

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Donald Trump, Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, kennt wenig Tabus. Er sprach über die Länge seines Donalds: «Kein Problem! Ich garantiere es!» Über seine Phobie des Händeschüttelns: «Eine barbarische Sitte. Ich bin ein Saubere-Hände-Mann. Am gefährlichsten sind Lehrer. Auf Lehrerpulten gibt es 17'000 Keime pro Quadratinch.» Und über sein Vermögen: «Ich habe ZEHN MILLIARDEN DOLLAR.» (Grossbuchstaben von ihm.)

Letzteres zählt mehr als alles andere. Das Magazin «Forbes» schrieb, kein einziger von 1500 Ultrareichen habe sich über seine Milliardärsliste nur annähernd so oft beschwert wie Trump: «Ihr lasst mich arm aussehen!» Dabei habe man sein Vermögen grosszügig geschätzt: auf 4,5 Milliarden Dollar. Während Bloomberg auf 2,9 kam.

Trump ging sogar vor Gericht, um gegen seinen Biografen zu klagen, weil dieser sein Vermögen zu klein einschätzte. Er verlor, weil Trumps Hauptargument war, dass sein eigener Name «viele Milliarden Dollar» wert sei.

200'000 Dollar für Hüte

So weit, so harmlos. Doch nun wird Trumps Vermögen zur politischen Bombe: Was, wenn Trump in Wahrheit pleite ist?

Jedenfalls schockierten die neuesten Zahlen die Republikanische Partei. Die Trump-Kampagne hat nur noch 1,3 Millionen Dollar in der Kasse. Im Monat Mai sammelten sie nur 3,1 Millionen Dollar – weniger als Trumps Vorgänger Mitt Romney in jeder beliebigen Woche einnahm.

Und entsprechend ärmlich sieht die Organisation aus: Trump versucht mit einem KMU Präsident zu werden. Bis jetzt arbeiten nur 70 Leute für ihn. Die Ausgaben für TV-Spots in den Swing-Staaten: 0 Dollar. Die Ausgaben für Zeitungsinserate: 0 Dollar. Die Ausgaben für Datenspezialisten: 40'000 Dollar. Die Ausgaben für Campaigner dort: der Partei überlassen.

Die höchsten Ausgaben der Trump-Kampagne (für die der Partei später Rechnung gestellt wird) gehen an Trump selbst: 350'000 Dollar für den Trump-Privatjet, 500'000 Dollar an Trump-Hotels. Die nächstwichtigste Investition: 200'000 Dollar für Hüte. («Letztlich», kommentierte ein Blog, «ist die Trump-Kampagne ein Huthandelsunternehmen.»)

Dagegen hat Hillary Clinton 700 Leute an Bord, betreibt ein Trump-feindliches Dauerfeuer von TV-Spots in Swing-Staaten, baut Wahlhelferzentren auf und hat 42 Millionen in der Kriegskasse.

Wo bleibt Trumps Check?

Zwar gibt es ein paar Erklärungen. Trump verlangte, man solle ihn für die «schlanke Organisation» loben. Und dass Grossspender nichts geben, erklärte Trump, dass er seine Kollegen doch nicht anrufe, um um Geld zu betteln.

Die Frage, die die Republikaner schockiert, ist: Wo bleibt sein eigener Check? Denn ursprünglich sagte Trump, seine Kampagne mit den geschätzten Kosten von 1 Milliarde Dollar selbst zu zahlen. Doch nun will er nichts mehr davon wissen. Und stellt sogar die eigenen Spesen der Partei in Rechnung.

Noch nie war eine Präsidentschaftskampagne vier Monate vor der Wahl so miserabel aufgestellt. Und dazu kommt die Frage: Ist der Kandidat für den mächtigsten Job der Welt ein Hochstapler?

Das politisch Explosive daran ist, dass diese Frage erst jetzt gestellt wird. Seitenweise schreiben die US-Zeitungen über Trumps Geschäfte: etwa über Trumps Universität, die kurz nach Trumps Ausstieg «wegen Betrug an den Studenten» geschlossen wurde. Oder über Trumps Führung des Atlantic-City-Casinos: Er kassierte Millionen und hinterliess den Investoren den Bankrott.

Über seine Geschäfte redete niemand

Warum kommt das erst jetzt? Immerhin hatte Trump in den Vorwahlen 16 Konkurrenten gegen sich. Doch keiner der 16 tat, was sonst alle tun: den Schmutz recherchieren. Alle warfen Trump nur eins vor: mangelnde ideologische Reinheit – etwa, dass er für eine Krankenversicherung sei. Doch über seine Geschäfte redete niemand.

Den plausibelsten Grund für das Schweigen lieferte der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman: Die Republikanische Partei sei innerlich tot.

Das deshalb, weil sie seit Jahren systematisch ermordet wurde: durch ihre Geldgeber. Die Koch-Brüder und andere Milliardäre investierten in strenge Orthodoxie. Wagte ein Republikaner, sich für höhere Steuern, für Banken- oder Waffenregulierung oder überhaupt für einen Kompromiss auszusprechen, finanzierten die Milliardäre bei der nächsten Wahl einen Gegenkandidaten.

Das Resultat war von aussen gesehen zwar eine kompromisslose Kampfpartei. Doch im Inneren verwandelten sich die Republikaner in einen Funktionärsclub: mit Politikern, deren Karriere (wie einst im Ostblock) davon abhängt, nichts zu äussern, was der Parteilinie widerspricht. So etwas wie Wirklichkeit spielte keine Rolle mehr.

Kein Wunder, knickte die Partei fast kampflos ein, als Trump sie angriff. Sie fiel, so Krugman, «als ob der böse Wolf in die Strohhütte der drei kleinen Schweinchen blies».

Und nun steht ein dilettantischer Milliardär an der Spitze, der von der Partei Geld will, statt Geld zu geben. Auch wenn die Strategen nun erstarren: Die Republikaner haben ihre Seele gefunden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.06.2016, 23:25 Uhr

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