Weisses Haus räumt Sicherheitsmängel in Benghazi ein

Die Schutzmassnahmen hätten nicht ausgereicht, um das US-Konsulat in Libyen vor der Attacke zu schützen. «Es ist etwas schiefgelaufen», sagt ein Sprecher der US-Regierung.

«Die Tragödie hätte verhindert werden können»: Ankunft der getöteten Konsulats-Mitarbeiter in den USA. (Archivbild)

«Die Tragödie hätte verhindert werden können»: Ankunft der getöteten Konsulats-Mitarbeiter in den USA. (Archivbild) Bild: Reuters

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Das Weisse Haus hat eingeräumt, dass es vor der tödlichen Attacke auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Benghazi Sicherheitsmängel gab. Es stehe ausser Frage, dass die Schutzmassnahmen nicht ausgereicht hätten, um diese Tragödie zu verhindern, sagte Sprecher Jay Carney gestern in Washington.

«Es steht ausser Frage, dass etwas schiefgelaufen ist, wenn vier Amerikaner getötet wurden.» Carney äusserte sich gestern vor dem Hintergrund einer Kongressanhörung, in der es um die Sicherheitslage vor der Attacke ging. Die Debatte stand sichtlich im Zeichen des US-Präsidentenwahlkampfs.

Republikaner verlangen Aufklärung

Bei dem Angriff waren US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Mitarbeiter ums Leben gekommen. Vor allem die Republikaner verlangen Aufklärung darüber, wie es zu dem tödlichen Anschlag kommen konnte. Sie lasten dem Aussenministerium an, dass die Schutzmassnahmen trotz Warnungen nicht genügend verstärkt worden seien, obwohl das Botschaftspersonal darum ersuchte.

Ein US-Offizier, der in diesem Jahr ein Sicherheitsteam in Libyen geleitet hat, bestätigte dies in der Anhörung. Die Schutzmassnahmen für das Konsulat seien gering gewesen, sagte Oberstleutnant Andrew Wood. Der für die Region zuständige Sicherheitsoffizier habe sich vergeblich um zusätzliches Personal zum Schutz der Botschaft bemüht.

Obama will Aufklärung

Carney wollte sich nicht zu möglichen Fehlern des Aussenministeriums äussern. Er verwies auf laufende Untersuchungen und darauf, dass Präsident Barack Obama selbst eine vollständige Aufklärung wolle.

Der Sprecher wies zugleich Vorwürfe der Irreführung bei der Darstellung der Abläufe zurück. Die Regierung hatte zunächst gesagt, dass sich der Angriff aus einer Protestaktion gegen das islamfeindliche Schmähvideo entwickelt habe.

Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass es am Abend des Anschlags gar keine solche Demonstration vor dem Konsulat gegeben hat. Carney sagte dazu, die Regierung habe sich seinerzeit an den Informationen orientiert, die ihr zu diesem Zeitpunkt vorgelegen hätten, auch seitens der Geheimdienste.

Überraschender Angriff

Zuvor hatten Regierungsbeamte erstmals Details über den Ablauf der Terrorattacke enthüllt. Demnach waren Dutzende bewaffnete Männer daran beteiligt. Der Angriff sei nach einem ruhigen Tag überraschend gekommen, es habe vorher keine Hinweise gegeben, schilderten die Beamten laut Medienberichten die Situation.

Den Angaben zufolge gab es erste Anzeichen kurz vor 22 Uhr Ortszeit. Es seien laute Rufe, Schüsse und Explosionen zu hören gewesen. Die Angreifer seien dann von Gebäude zu Gebäude gestürmt.

Der Botschafter und zwei Konsulatsmitarbeiter hätten sich zunächst in einen Schutzraum geflüchtet. Nachdem die Angreifer das Gebäude in Brand gesteckt hätten, seien sie aber nach Luft ringend in ein Badezimmer gerannt. Stevens habe es nicht mehr aus dem Badezimmer geschafft. (chk/sda)

Erstellt: 11.10.2012, 04:02 Uhr

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