Die FBI-Ermittlungen gegen Trump waren nicht grundlos

Der US-Präsident als Agent Moskaus? Donald Trumps seltsames Gebaren schürte Ängste beim FBI.

Rätselhafte Affinität zu Putin: Handschlag der beiden Präsidenten beim russisch-amerikanischen Gipfel in Helsinki im Juli 2018.

Rätselhafte Affinität zu Putin: Handschlag der beiden Präsidenten beim russisch-amerikanischen Gipfel in Helsinki im Juli 2018. Bild: Keystone

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Präsident Trumps Wochenende, bereits empfindlich überschattet vom Zwist über den teilweisen «Shutdown» der US-Regierung, gedieh dank der «New York Times» erst recht zum Ärgernis: Am Freitagabend meldete die Zeitung unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen, das FBI habe im Mai 2017 nach der Entlassung von FBI-Direktor James Comey untersucht, ob Trump «im Auftrag Russlands gegen amerikanische Interessen» arbeite.

Unklar blieb, ob Russland-Sonderermittler Robert Mueller die Spionageabwehr-Untersuchung des FBI an sich gezogen hat oder ob die Ermittlungen in aller Stille eingestellt wurden. Der Bericht der «New York Times» aber versetzte Washington einmal mehr in einen Erregungszustand: War es vorstellbar, dass ein US-Präsident insgeheim als Agent einer feindlichen Nation handelte? Und war mit Donald Trump mithin der Alptraum eines «mandschurischen Kandidaten» wahr geworden?

Wohl kaum, doch Trumps Sprecherin Sarah Sanders und später der Präsident reagierten äusserst heftig auf den Bericht der Zeitung. Dieser sei «absurd», erklärte Sanders, derweil sich Trump am Samstag seine Wut von der Seele twitterte: Er sei «weit härter mit Russland umgegangen als Obama, Bush oder Clinton», trotzdem habe man gegen ihn «grundlos und ohne Beweise» ermittelt.

Das FBI benötigt keine Beweise

Grundlos waren die Ermittlungen gegen Trump jedoch nicht: Zu oft konsternierte er als Kandidat und Präsident die Amerikaner mit fragwürdigen Aussagen über Wladimir Putin und Russland, mehrmals plapperte er russische Propaganda nach, ohne dass ersichtlich gewesen wäre, woher Trump seine Informationen hatte. Die Einleitung einer «Counterintelligence»-Untersuchung des FBI benötigt zudem keine «Beweise», sondern soll diese erbringen. Sie fusst auf Verdachtsmomenten, die entweder erhärtet oder entkräftet werden.

Nicht nur im Verlauf des Wahlkampfs 2016 fiel die Nähe Trumps und seines Teams zum Kreml auf: Kaum war der republikanische Kandidat im Januar 2017 eingeschworen worden, zog das Weisse Haus unter dem damaligen Sicherheitsberater Michael Flynn diskret Erkundigungen über mutmassliches «polnisches Eindringen» im benachbarten Weissrussland ein. Dies habe «Aufsehen erregt, da keine Nachweise derartiger Übergriffe existieren», berichtete damals die Nachrichtenagentur AP. Die Quelle der bizarren Nachfragen wurde in Moskau vermutet, auch wurde befürchtet, die unwahren Behauptungen könnten dem Kreml als Vorwand dienen, in Weissrussland einzumarschieren.

Dass Trump bei seiner Begegnung mit dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow im Mai 2017 im Weissen Haus US-Staatsgeheimnisse preisgab, dürfte ebenso die Aufmerksamkeit der Spionageabwehrabteilung des FBI erregt haben wie die rätselhafte Affinität des Präsidenten zu Wladimir Putin. Sie erreichte einen Höhepunkt beim russisch-amerikanischen Gipfel in Helsinki im Juli 2018, als Trump sich gegenüber dem Russen servil und unterwürfig benahm.

«Schon befinden wir uns im dritten Weltkrieg»

Der russische Präsident habe eine Einmischung Mokaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 «extrem stark und mit Macht dementiert», sagte Trump nach dem Treffen. Entgegen den Erkenntnissen seiner Geheimdienste glaubte er offenbar Putins Unschuldsbeteuerungen. Nur Tage später streute der US-Präsident neuerlich russische Propaganda, als er den vom Kreml heftig bekämpften Nato-Beitritt Montenegros als Fehler bezeichnete. «Montenegro ist ein winziges Land mit sehr starken und aggressiven Leuten», sagte Trump. «Vielleicht werden sie aggressiv – und Glückwunsch, schon befinden wir uns im dritten Weltkrieg», so der Präsident in einem Interview mit Fox News.

Die Bemerkung schockte das aussenpolitische Establishment in Washington schon deshalb, weil Trump mehrmals zuvor die Beistandsklausel des Nato-Vertrags in Frage gestellt hatte. «Indem er Montenegro attackiert und die Nato-Verpflichtungen hinterfragt, spielt der Präsident direkt in die Hände Putins», kritisierte der inzwischen verstorbene Senator John McCain den Präsidenten.

Moskau hat «das Richtige» getan

Im vergangenen Dezember betätigte sich Trump neuerlich als Sprachrohr des Kreml und entschuldigte den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan 1979. Der Grund dafür, erklärte der Präsident, seien «Terroristen» gewesen, die «in Russland eindrangen». Deshalb habe Moskau «das Richtige» getan. Die Geschichtsklitterung bewog die Trump sonst freundlich gesinnte Meinungsseite des «Wall Street Journal» zu einer seltenen Attacke: «Wir können uns nicht an eine derart absurde falsche Darstellung eines amerikanischen Präsidenten erinnern», entrüstete sich das Blatt.

Woher der Präsident seine Weisheit bezog, war unergründlich. Der Kreml arbeitet jedoch seit Monaten daran, den Einmarsch in Afghanistan weisszuwaschen. Eine entsprechende Resolution liegt der Duma vor, Mitte Februar soll darüber abgestimmt werden. Warum aber vertrat Trump die Linie Putins? Hatten er und der Russe bei einem Telefonat darüber gesprochen? Und überhaupt: Woher rührte Trumps plötzliches Interesse an der sowjetischen Intervention in Afghanistan?

Wie so vieles an der bahnbrechenden Präsidentschaft Donald Trumps erregten diese und andere Behauptungen sowie das Verhalten Trumps gegenüber Putin Argwohn, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehe. Die Antwort darauf könnte lauten, dass Trump, weil ein Bewunderer Putins, dem russischen Präsidenten den einen oder anderen Gefallen tun möchte in der Hoffnung, im Gegenzug etwas dafür zu erhalten. Innerhalb des FBI aber existierten offenbar andere und dunklere Interpretationen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2019, 21:54 Uhr

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